Der Titel dieses neuen Berufsbildes hat natürlich Fragen aufgeworfen. Ranger klingt amerikanisch, löst Assoziationen aus von grossen Nationalparks und uniformierten Wächtern mit Gewehren. Das ist nicht ganz richtig – aber auch nicht ganz falsch. Der Begriff stammt aus dem Englischen. "Range" (nicht Ranch!) steht für Gebiet oder Bereich. Der Ranger ist demnach derjenige, der über dieses Gebiet wacht, meist eben ein Naturschutzgebiet.

In der Schweiz startete 2007 der erste Lehrgang für Ranger. Und auch wenn wir über keine so riesigen Pärke wie die USA verfügen, hatte sich der Begriff aufgedrängt, weil sich die Schweizer Ausgabe der Ranger genau wie die ausländischen Kollegen als Profis an der Schnittstelle von Mensch und Natur verstehen.

Das Bildungszentrum Wald (BZW) Lyss initiierte die neue Ausbildung, weil der Druck auf die Natur durch Erholung, Tourismus und Freizeit immer grösser geworden ist. Eine Tatsache, die wohl jeder, der im Wald arbeitet, bestätigen kann.

Im Spannungsfeld

Grundidee des Lehrgangs ist es, dass Leute aus "grünen" Berufen sich Spezialwissen aneignen können, das ihnen eben genau im Spannungsfeld Mensch-Natur hilft.

In 13 zweitägigen Blockveranstaltungen und zwei Intensivwochen haben sich die Teilnehmer in verschiedenen Bereichen weitergebildet. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Kommunikation in all ihren Facetten wie zielgruppengerechtes Informieren und Organisieren von Anlässen und Führungen oder Gesprächsführung in Konfliktsituationen.

Ein weiteres Augenmerk galt der so genannten Besucherlenkung, also der Frage, wie man die Leute dazu bringt, gewisse Gebiete zu meiden oder ihr Augenmerk auf etwas Bestimmtes zu lenken. Während der Ausbildung besuchten die Ranger unter anderem die Academia Engiadina, wo auch Tourismus-Fachleute ausgebildet werden. Marketing, Projektmanagement und eine Auffrischung in Sachen Ökologie, Nachhaltigkeit und Gefährdung der Umwelt gehörten ebenso dazu. Um Einblicke in die Praxis zu erhalten, haben sie Gebiete wie den Park Ela im Kanton Graubünden, den Sihlwald und das Neeracher Riet im Grossraum Zürich sowie das Biosphären-Reservat Entlebuch im Kanton Luzern besucht.

Ranger – was nun?

Nun sind die ersten 18 Ranger ausgebildet. Im Frühling 2009 starteten bereits die beiden nächsten Klassen: eine deutschsprachige und erstmals eine in Französisch. Was machen diese Ranger nun? Wo sollen sie arbeiten? Das sind berechtigte Fragen. Man könnte es sich einfach machen und darauf warten, dass der Arbeitsmarkt eine Antwort gibt. Gerade zu Beginn der Ausbildung war allerdings Kritik aus Forst- und zum Teil aus Jagdkreisen laut geworden. Es gab offenbar Zweifel an der Notwendigkeit von Profi-Rangern in der Schweiz, darum an dieser Stelle ein paar Worte zu den Anwendungsmöglichkeiten der Ausbildung.

Ein Blick auf die angestammten Berufe der Teilnehmer der letzten Klasse hilft weiter. Etwas mehr als ein Drittel stammte aus der Forstwirtschaft, mehrheitlich Revierförster. Für viele war es gar kein Ziel, nach der Ausbildung ihre Stelle zu wechseln. Sie verstanden den Ranger-Lehrgang vielmehr als spezifische Weiterbildung, die sie in ihrem Revier anwenden konnten, weil zum Beispiel ein grosser Druck durch Tourismus oder Naherholung besteht. Ein knappes Drittel waren Jäger – auch sie nicht alle auf der Suche nach einer neuen Stelle sondern im Bewusstsein, dass ihre Aufgabe nicht nur aus Hege und Pflege des Wildbestandes besteht, sondern eben auch grosser Kommunikationsbedarf besteht. Die restlichen Teilnehmer stammten aus unterschiedlichen Berufen wie Landwirte oder eine Geografin. Zwei waren bereits während des Lehrgangs vollamtlich als Ranger in einem Schutzgebiet tätig. Mindestens drei Teilnehmer haben seit Abschluss eine neue Stelle gefunden (darunter der Schreibende), und das obwohl die Mehrheit gar keine gesucht hat.

Als potenzielle Arbeit- und Auftraggeber kommen kantonale Ämter für Natur und Landschaft, Forst- und Fischerei- und Jagdverwaltung, Gemeinden, Regionalverbände, Tourismus-Organisationen und vor allem Naturschutzgebiete und Pärke in Frage. Zurzeit werden in der Schweiz bekanntlich mehrere Pärke von Nationaler Bedeutung geschaffen. Hier wird ein Bedarf an Berufsleuten entstehen, die mit der Ranger-Ausbildung optimal vorbereitet sind.

"Swiss-Rangers" gegründet

Ranger ist noch kein geschützter Berufstitel, soll aber vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) geprüft und möglicherweise mit einem eidgenössischen Fachausweis geschützt werden.

Unter der Berufsbezeichnung "Ranger" sind in den letzten Jahren an vielen Orten in der Schweiz Fachleute aufgetaucht. Diese übernehmen meistens Aufsichtsfunktionen, verfügen aber bis jetzt über keine spezifische Berufsbildung. Die dipl. Ranger BZWL verstehen sich als Berufsleute mit einer Grundausbildung (zum Beispiel Förster), die sich spezialisiert haben und deren Einsatzmöglichkeiten über Aufsichtsfunktionen hinausgehen. Um diesen Anspruch zu dokumentieren haben die Absolventen den Berufsverband "Swiss Rangers" gegründet. Seit 2011 sind die Swiss Rangers anerkanntes Mitglied der International Ranger Federation (IRF) und damit Teil der weltweiten Ranger-Gemeinschaft.