Lebensraum

Ausgesprochener Habitatsspezialist strukturreicher Eichenwälder. Starke Bindung an totholzreiche Laubwälder mit alten Bäumen grobborkiger Arten. In Mitteleuropa ursprünglich in Auenwäldern, Eichen- und Buchenwäldern in der Zerfallphase sowie in artenreichen Laubmischwäldern mit lückigem Bestand. Früher auch in Hochstammobstgärten. In der Schweiz sind es Wälder mit Stiel- und Traubeneiche, am Jura-Südfuss auch solche mit Flaumeiche.

Besiedelt heute hauptsächlich die Überreste ehemaliger Mittelwälder mit zahlreichen Alteichen. Mittelwald erlaubt die Entwicklung ausladender und gut besonnter Eichenkronen, was den Insektenreichtum fördert.

Anspruch an Fläche

Der Mittelspecht ist sehr ortstreu. Die benötigte Fläche ist stark von der Qualität des Lebensraums abhängig. Benötigt im Revier um die 26 Eichen/ha mit einem Durchmesser von mind. 36 cm. Die meisten Eichenwälder über 30 ha, aber nur 50% der 10-20 ha grossen Eichenwälder werden bewohnt. Kein Vorkommen in Eichenwaldflächen unter 5 ha. Mittelgrosse Eichenwälder werden am ehesten besiedelt, wenn sie nahe an mindestens 30 ha grossen Eichenwäldern liegen. Kleinere Bestände, die weiter als 9 km von grossen Eichenbeständen entfernt sind, werden kaum besiedelt.

Nahrung

Der Mittelspecht ist ein Suchspecht. Die Zunge ist bedeutend länger und der Schnabel feiner als bei den Hackspechten (z.B. Schwarzspecht, Buntspecht). Frisst Insekten, Larven und Spinnen. Ist im Winter auf ein reichhaltiges Angebot an Gliederfüssern angewiesen, die in Rindenritzen überwintern. Daher die Abhängigkeit von Bäumen mit grobstrukturierter Borke. Im Sommer liest er seine Beutetiere auch direkt von Zweigen und Blättern ab. Frisst in geringerem Masse auch Nüsse und Samen. Leckt vor allem im Frühling Baumsaft.

Gefährdung

Reduktion des Alteichenanteils und damit Verlust der Nahrungsgrundlage.

Förderung

  • Der Mittelspecht ist eine jener Arten, deren Ansprüche mit dem naturnahen Waldbau allein nicht genügend gedeckt werden können. Als notwendige Ergänzung zu den übrigen Naturschutzinstrumenten ist der Mittelspecht auf ein Artenförderungsprogramm angewiesen. In Wäldern der kollinen Stufe wirken sich folgende Massnahmen fördernd aus:

  • Eingriffe in Eichenwälder im potenziellen Verbreitungsgebiet nur unter Berücksichtigung der Ansprüche des Mittelspechts vornehmen. Alle, insbesondere grossflächige Eichenbestände möglichst lange erhalten: Viele bestehende Mittelspechthabitate sind in der Schweiz forstwirtschaftlich gesehen erntereif. Erst dann verjüngen, wenn ausreichend grosse (ab 30 ha) Eichenbestände mit genügend alten Bäumen (BHD mind. 36 cm, ca. 100-jährig) in direkter Nachbarschaft (höchstens 3 km Entfernung) zur Verfügung stehen.
  • In Eichenwäldern Nebenbestand auslichten.
  • Eine minimale Eichendichte von ca. 26 Eichen/ha mit BHD von mind. 36 cm erhalten.
  • Abstand zwischen alten Eichen: maximal 50 m.
  • Fördern von sonnenbeschienenen Eichenkronen.
  • Stehenlassen von Totholz und auch von bereits vorhandenen oder potenziellen Höhlenbäumen, d.h. von Bäumen mit weichen oder morschen Stellen im Holz.
  • Erhöhen der Umtriebszeiten und des Anteils an stehendem Totholz in (ehemaligen) Mittelwäldern, Eichenwäldern, aber auch in Laubwäldern ohne Eichen.
  • Anlegen neuer Eichenflächen mit einer Mindestgrösse von 30 ha.
  • Neue Eichenflächen auch zur Vernetzung bestehender Eichenwälder anlegen. Kleinere Eichenwälder möglichst eng mit grösseren vernetzen.
  • Noch bestehende Mittelwälder erhalten und nicht in Hochwälder überführen.
  • Mittelwaldbetrieb wieder einführen (z.B. Schnitzelfeuerungen als wirtschaftliche Basis).
  • Für die Bestandssicherung des Mittelspechts ist die Bewirtschaftungsform grosser Flächen entscheidend. Mittelspecht-Förderung ist daher Aufgabe auf Stufe Waldentwicklungsplanung (WEP, evtl. LEK).

Verbreitung in der Schweiz

Nicht häufig. Die grössten Vorkommen liegen im Weinland im Kanton ZH und im Raum Basel. Weitere Verbreitungszentren bilden die Bestände entlang des Seerückens westlich von Romanshorn im Kanton TG, jene in der Ajoie im Kanton JU und am Jurasüdfuss in den Kantonen NE, VD und BE.

Wichtigste Merkmale: In Grösse und Färbung dem Buntspecht ähnlich. Vollständig roter Scheitel, zarte, dunkle Strichelung an der Seite und rosa Unterschwanzdecken. Feiner Schnabel. Trommelt nur selten. Beide Geschlechter sehr ähnlich.

Grösse und Gewicht: 19–22 cm, 50–80 g

Ähnliche Arten: Buntspecht: Unterschwanzdecken kräftig rot, Kopfplatte schwarz, beim Männchen mit rotem Nacken, bei Jungspechten aber beide Geschlechter mit ganzer Kopfplatte rot. Weissrückenspecht: Sehr selten und nur in unbewirtschafteten Laub- und Laubmischwäldern. Kleinspecht: Viel kleiner und Unterschwanzdecken ohne Rot.

Brutort: Selbst gezimmerte Baumhöhlen in ausgefaultem Holz.

Gelege: 1 Gelege à 4–7 Eier

Brutdauer: 12–14 Tage

Nestlingsdauer: 22–23 Tage

Zugverhalten: Standvogel

Bestand in der Schweiz: 250–300 Brutpaare

Trend: Seit den 70er Jahren hat sich das Verbreitungsgebiet im Kanton Zürich verkleinert und der Bestand nahm zwischen 1988 und 2002 um ein Drittel ab. Der Bestand ist wegen seiner geringen Grösse als gefährdet einzuschätzen.

Rote Liste Schweiz: Verletzlich

(TR)