Fledermäuse: kleine Flieger mit grossen Tönen

Alle Fledermausarten sind in der Schweiz geschützt und fast alle unter ihnen sind gefährdet. Um ihre Lebensräume zu erhalten, ist es wichtig, ihre Jagdgewohnheiten besser zu kennen. Spezialisten haben ein Gerät entwickelt, das die Rufe vorbei fliegender Fledermausarten erkennen und aufzeichnen kann. So lassen sich spezifische Schutzmassnahmen für einzelne Arten erarbeiten.

Im Sommer ziehen Fledermäuse ihre Jungtiere auf. Um Energie für sich und die Säugung ihrer Jungen zu gewinnen, jagen sie nach Insekten. Doch wo jagen sie am liebsten? Welche Ansprüche stellen sie an den Lebensraum? Welche Unterschiede bestehen zwischen den Arten?

Mit Hilfe der Echoortung finden Fledermäuse ihre Beute. Diese mit den Stimmbändern gebildeten Ortungslaute sind meist artspezifisch. Diese Tatsache haben sich Martin Obrist und Ruedi Boesch von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL zu Nutze gemacht. Es ist ihnen gelungen, ein computergestütztes, automatisches Verfahren zu entwickeln, mit dem sich die Art der Tiere anhand der Sonarsignale bestimmen lassen. Sie setzen dafür ein Spezialmikrophon ein, das die Laute aufnimmt, wenn die Fledermäuse vorbeifliegen. In Zusammenarbeit mit der Firma Elekon AG entwickelten sie ein Gerät, das die verschiedenen Fledermausrufe aufzeichnen kann, den sogenannten Batlogger.

Ein Highend-Fledermausdetektor

Fledermauswissenschaftler und interessierte Laien verfügen mit dem Batlogger seit Kurzem über ein neues Hightechwerkzeug. Das Gerät erkennt die für den Menschen unhörbaren Fledermauslaute, zeichnet sie auf und verbindet sie dank GPS-Funktion mit präzisen Ortsangaben. Es vereinfacht das Monitoring der Tiere und die Erforschung ihrer Flugrouten wesentlich. Der Batlogger ist bei der Herstellerfirma für 2000 Franken zu erwerben (siehe Links).

Die Aufnahmeautomatik ist mit Martin Obrists Hilfe so optimiert worden, dass der Logger auf die zum Teil sehr ähnlich klingenden Ultraschalllaute von Heuschrecken nicht mehr reagiert. Parallel dazu entwickelte Ruedi Boesch an der WSL eine gratis erhältliche Mac-Software namens BatScope, mit der man die Aufnahmen visuell darstellen, analysieren und 27 in der Schweiz vorkommenden Fledermausarten zuordnen kann. So ortet zum Beispiel eine Zwergfledermaus mit einer Frequenz von etwa 45 Kilohertz (kHz) und ein Grosser Abendsegler mit 20 kHz. Zur optischen Darstellung und zum verlangsamten Abspielen der Peillaute steht auch BatEcho zur Verfügung. Die kostenlose FileMaker-Anwendung erschliesst zudem online Informationen zu Biologie, Verbreitung und Schutzstatus von Fledermäusen. Laien seien allerdings gewarnt: Bevor ein Amateur dem Schweizer Zentrum für die Kartografie der Fauna eine vermeintlich sensationelle Entdeckung zur Erfassung melden kann, muss eine Koordinationsstelle für Fledermausschutz die Aufnahmen überprüfen und verifizieren. Etliche Arten sind nämlich auch mit der neuen Software nicht leicht zu unterscheiden.

Anwendungsbeispiel: Windkraftanlagen

2008 zeigte eine Untersuchung von ausgewählten Schweizer Windkraftanlagen, dass pro Rotor im Mittel jährlich acht Fledermäuse getötet werden. Da sich die Tiere nur langsam vermehren, kann bei seltenen Arten bereits der Verlust eines einzigen Exemplars problematisch sein.

Heikel sind Windkraftwerke vor allem für hoch fliegende Arten wie Abendsegler oder Zweifarbfledermäuse. Aber auch tiefer fliegende Arten wie die Breitflügel- oder die Zwerg­fledermaus können durch die Druckunterschiede in Rotorennähe zu Schaden kommen. "Der Unterdruck zerstört die dünne Innenmembran ihrer Lunge", erklärt Martin Obrist. "Fatal ist, dass Fledermäuse sehr neugierig sind. Alles, was neu ist und sich bewegt, wird erkundet."

Abhilfe könnten eine gezieltere Auswahl der Standorte und eine befristete Abschaltung der Windkraftanlagen während der Aktivitätsperioden der Tiere schaffen. An einem potenziellen Standort im Unterwallis bei Saxon wollen Forschende der Universität Bern mehr über die Jagdgewohnheiten der örtlichen Fledermausarten erfahren. In Zusammenarbeit mit dem Fledermausschutz der Westschweiz haben sie deshalb im Sommer 2011 an einem Kran 12 Batlogger auf unterschiedlicher Höhe bis 70 Meter über Grund befestigt. Auf die Resultate darf man gespannt sein.