Der Klimawandel ist inzwischen in allen Regionen Deutschlands angekommen. Temperaturen und Niederschläge haben sich insbesondre in der letzten Dekade stark verschoben. Es ergibt sich gegenüber dem aktuellen Vergleichszeitraum 1981-2010 (Ø 8,9 °C) für 2019 eine Abweichung von +1,4 °C und gegenüber der international gültigen Klimareferenzperiode 1961-1990 (Ø 8,2 °C) eine Abweichung von +2,1 °C. Damit gehört 2019 neben 2018 mit 10,5 °C und 2014 mit 10,3 °C zu den drei wärmsten Jahren seit dem Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen 1881. Erstmals wurden an drei aufeinander folgenden Tagen Temperaturen über 40 °C gemessen. Neue deutsche Temperaturrekorde sind nun gemeinsam an den DWD-Wetterstationen "Duisburg-Baerl" und "Tönisvorst" am 25. Juli 2019 mit 41,2 °C gemessenen worden (Quelle).

In vielen Regionen Deutschlands nahmen die Niederschläge seit 1881-2019 zu, verschoben sich aber deutlich vom Sommer in die Winter- und Frühlingsmonate. Besonders auffällig ist dieser Trend unter anderem in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Gleichzeitig stieg die Jahresmitteltemperatur Deutschlands um 1,6 °C, in einigen Bundesländern um 1,7 °C.

Sachsen ist hinsichtlich der Niederschlags- und Temperaturveränderung besonders betroffen. Hier ist ausnahmsweise ein der mittleren Jahresniederschläge um -5 % bei einem mittleren Temperaturanstieg von 1,5 °C zu beobachten.

Die gleichzeitige Verschiebung der beiden wichtigsten Standortparameter, Temperatur und Niederschlag, wirkt sich besonders drastisch aus. Vor allem auf flachgründigen Böden leiden die Wälder, Gärten und Landwirtschaft zunehmend unter dem Trockenstress. Seit Frühjahr 2018 herrscht in Deutschland eine Dürresituation, die sich auch bis Stand Heute (Dezember 2020) nicht wesentlich gebessert hat, so dass in 1,8 m Tiefe  in weiten Teilen Deutschlands weiterhin extreme- bis außergewöhnliche Dürre gemessen wird.

Im Sommer treten häufiger Starkniederschläge auf, die rasch abfließen und daher wenig positiven Einfluss auf die Wasserbilanz haben. Die deutlich höheren Niederschläge im Winter fallen zunehmend als Regen statt in Form von Schnee. Wegen der Vegetationsruhe ist dieser Niederschlag für die Bäume ebenso kaum nutzbar, er wird auch nicht durch andere Vegetation gehalten und fließt entweder oberflächlich ab oder durchnässt die Böden so, dass ein erhöhtes Sturmwurfrisiko besteht, eine Befahrung für Erntemaßnahmen erschwert wird und Erosionsschäden oder Verdichtung die Folgen sind.

Die steigenden Temperaturen und die anhaltende Dürre machen die Waldstandorte anfälliger gegenüber biotischen Schädlingen, die aufgrund der verlängerten Vegetationszeit bessere Bedingungen vorfinden und dadurch mehr Schäden verursachen können. Werden Bestände durch Sturm geschädigt, steigt wiederum die Gefahr biotischer Schäden an, was auch anhand von Abb. 4 gut nachvollziehbar ist.

Die Kombination aus im Herbst 2017 vorangegangenen Sturmwurfereignissen mit der folgenden dreijährigen Dürre und der aufgekommenen Borkenkäfer-Großkalamität, haben die Fichte in Deutschland entsprechend aller im Vorlauf bekannten Ursachen auf standortfremden Arealen zu wesentlichen Anteilen absterben lassen. Die kumulierten Daten aus 2018, 2019 und 2020 (Stichtag: 30.06.2020) lassen auf einen Schadholzanfall von 178 Millionen Kubikmeter und einer Fläche von 285.000 Hektar die wiederbewaldet werden müssen, schließen (BMEL).

Ein Blick in die Zukunft

Langjährige Erfahrungswerte reichen leider nicht mehr aus, um angesichts dieser gravierenden Änderungen der Rahmenbedingungen für die Zukunft annähernd realistische Entscheidungen hinsichtlich der eigenen Waldbaustrategie treffen zu können. Nutzen Sie deshalb die vorhandenen Angebote im Internet, um sich über den Klimawandel und die Veränderungen der Standortgegebenheiten in der eigenen Region zu informieren.

Der Deutsche Wetterdienst stellt in seinem Climate Data Center (CDC) umfangreiche Klimadaten und Informationen zur Verfügung. Anschauliche regionale Darstellungen liefert das Portal KlimafolgenOnline.com. Hier finden Sie die Entwicklung verschiedener Parameter unter anderem in den Sektoren Klima, Landwirtschaft und Forstwirtschaft ab dem Jahr 1900 bis zum Jahr 2100. Bis zum Jahr 2010 basieren die Darstellungen auf Messdaten, ab dem Jahr 2011 stehen Projektionen der Szenarien RCP2.6 und RCP8.5 zur Auswahl. Sie können zum Beispiel Waldbrand- und Trockenheitsindizes, phänologische Entwicklungen, Holzzuwachsraten und vieles mehr überblicken.

Nach dem Szenario RCP8.5 (mittlere Temperaturzunahme) – einem "weiter wie bisher" Szenario – lägen die Jahresmitteltemperaturen bis zum Jahr 2050 fast überall bei deutlich über 10 °C (s. Abb. 5). Diese Werte werden im westlichen in Deutschland beim positivsten Szenario (RCP2.6) und Erreichung des "Zwei Grad Ziels" bis zum Jahre 2100 ebenfalls erreicht. Die Jahresdurchschnittstemperatur von 2019 (10,3°C) wäre damit Normalität.

Auch der Trend der Niederschlagsverschiebung wird sich fortsetzen. Besonders betroffen sind hier laut dem RCP8.5 (mittlere Temperaturzunahme) Szenario Regionen wie Brandenburg, das Oberrheingebiet und das Voralpenland, in denen es ebenso bereits heute Probleme mit Sommertrockenheit gibt (s. Abb. 6).