
Abb. 1. In Genf beobachtet man den Blattaustrieb der Rosskastanie bereits seit 1808. Foto: qay/pixelio.de
MeteoSchweiz betreibt seit 1951 ein nationales phänologisches Beobachtungsnetz. Im Jahr 2007 umfasste es 160 Stationen in allen Regionen der Schweiz und Höhenlagen von 200 bis 1800 m ü. M. Von den ursprünglich 70 Beobachtungsstationen aus dem Jahr 1951 waren 2007 noch 17 in Betrieb.
Das ursprüngliche Beobachtungsprogramm umfasste 9 Kräuter, 15 Bäume und Sträucher, 12 Kulturpflanzen und drei Zugvögel sowie den ersten Reif im Herbst – eine abiotische phänologische Phase. Insgesamt wurden ohne den ersten Reif 45 phänologische Phasen beobachtet.
1996 wurde das phänologische Beobachtungsprogramm überarbeitet. Da die Landwirtschaft an den Daten zu den Kulturpflanzen nicht mehr interessiert war und die Vogelwarte Sempach die Daten über den Vogelzug selber erhob, wurde die Anzahl der Kulturpflanzen stark reduziert und die Vogelphänologie ganz weggelassen. 2007 enthielt das Programm 26 Pflanzenarten (14 wild wachsende Bäume und Sträucher, 8 Kräuter und 4 Kulturpflanzen) und 69 Phänophasen.
Neben dem Beobachtungsnetz von MeteoSchweiz existierten 2007 in der Schweiz elf weitere Netze mit spezifischen Zielsetzungen. Auch einige internationale Phänologie-Netze unterhielten damals Stationen in der Schweiz.
Verwendungszwecke
Phänologische Beobachtungen fanden bereits sehr früh in der Menschheitsgeschichte Verwendung. Bereits die Jäger und Sammler mussten für ihr Überleben wissen, wann und wo die essbaren Früchte reiften und wo die Wildeinstände in der jeweiligen Jahreszeit waren. Später betrieben die Menschen Ackerbau. Sie waren nun auf die Phänologie der Kulturpflanzen angewiesen. Es stellte sich die Frage nach den idealen Saat- oder Ernteterminen. All diese Erfahrungen wurden über Generationen hinweg weitergegeben, verfeinert und ergänzt.
Die urbane Lebensweise lässt uns dieses Wissen langsam vergessen. Für landwirtschaftliche und naturwissenschaftliche Fragestellungen bietet die Phänologie jedoch nach wie vor wertvolle Datengrundlagen. So dient sie beispielsweise für gezielte Frostwarnungen, Pollenprognosen oder für die Optimierung des Pflanzenschutzes in der Landwirtschaft. Mittels langjährigen Beobachtungsreihen können auch phänologische Kalender erstellt werden. Diese zeigen für einen bestimmten Standort, zu welchem Zeitpunkt im Mittel welche Phänophase auftritt.
Seit Mitte der Neunzigerjahre hat die Phänologie im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung weltweit stark an Bedeutung gewonnen. In wissenschaftlichen Arbeiten wurde nachgewiesen, dass vor allem im Frühling die Temperatur die Vegetationsentwicklung stark beeinflusst und dass durch die Klimaerwärmung die phänologischen Termine tendenziell früher eintreten.
Die Phänologie ist eine wenig aufwändige, aber aussagekräftige Methode, die klein- wie grossräumiges Biomonitoring ermöglicht. Die Anwendungsmöglichkeiten der phänologischen Daten sind vielfältig (Abb. 2) und bieten ein grosses Potenzial.

Abb. 2. Anwendungsbereiche der Phänologie.






