Flaumeichenwälder oder der letzte Wald vor der Steppenbildung

Flaumeichen kommen mit extremen Bedingungen wie Trockenheit, flachgründigen Böden oder steilen Hanglagen zurecht. Ihr ökologischer Wert ist hoch. Reptilien und Insekten finden in den sonnendurchfluteten Hangwäldern ideale Lebnensbedingungen.

Die Flaumeiche (Quercus pubescens) fällt durch ihre knorrige Erscheinung auf. Der Baum wird mit ca. 12–20 Metern nicht sehr hoch. Es bilden sich schwache Stämme. Die Flaumeiche liebt sonnige, trockene und steile Hanglagen (Abb. 1). Sie kann in extremen Lagen auch als grosser Busch überleben. Keine andere Baumart hält diese extremen Bedingungen aus.

Das Eichenblatt ist sehr formenreich. Die Blattunterseite ist mit hellgrau-grünen Flaumhaaren übersät. Das Holz besitzt einen breiten Splint und einen dunkelbraunen Kern (Abb. 2). Das Flaumeichenholz wird demzufolge nicht oder sehr gering genutzt. Aus heutiger Sicht besitzt sie einen sehr hohen ökologischen Wert. Die hellen und sonnendurchfluteten Hangwälder bieten Insekten und einigen Reptilienarten ideale Lebensbedingungen.

Standort

Die Flaumeiche ist hierzulande an exponierten, sehr steilen, nach Süd bis Süd-West ausgerichteten Hängen beheimatet. Der Standort gilt als “Ellenberger und Klötzli Nr.39“, “Kronwicken-Eichenmischwald“. Sie braucht viel Licht und überlebt sehr trockene Zeiten. Durch die extremen Bedingungen wächst sie äusserst langsam. Demzufolge ist der Zuwachs im Flaumeichenwald sehr gering (Abb. 2).

Im Zentrum dieser Wälder sind die Buchen völlig verschwunden. Die Übergänge zu anderen Bestandestypen sind klar begrenzt. Innerhalb weniger Meter wird die Eiche durch die Buche abgelöst. Wilde Birnen oder Apfelbäume kommen darin vor. Für wissenschaftliche Untersuchungen sind diese Standorte sehr attraktiv. Über das Überleben der Baumarten bei einem ausgeprägten Trockenstandort werden laufend verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Die Indikatoren dabei sind die Erderwärmung und die fehlenden Niederschläge während der Vegetationszeit.

Flaumeichenbestand Steibruchhau

Im Wangental bei Osterfingen befindet sich auf der linken Seite das Naturreservat Steinbruchhau (Koordinaten 679.075/278.975). Es umfasst 5.3 ha Flaumeichen-Wald (Abb. 1). Flaumeichenflächen in dieser Grössenordnung sind nördlich der Alpen selten anzutreffen.

Dieses Gebiet wurde seit 1980 von der ETH Zürich, seit einigen Jahren von der Eidg. Forschungsanstalt WSL betreut. Es gilt ein striktes Nutzungsverbot. Alle Pflanzen sind als geschützt und gedeihen seit Jahren ohne jeglichen menschlichen Eingriff.

Bei einer Begehung wirkt die aussergewöhnliche steile Hangstruktur mit den knorrigen, kurzschaftigen Eichen beeindruckend. Der wohlgeschichtete Kalk ist in Bändern sichtbar. Die Bäume krallen sich in diesem steilen, flachgründigen Gelände richtig fest (Abb. 3). Einige der Eichen sind als Stockausschläge erkennbar. Die Buche ist durch die ausgesetzte Lage nicht vorhanden. Elsbeer- und Mehlbeerbäume kommen darin in Armdicke vor.

Das Wangental mit seinen bewaldeten Hängen ist ein Paradies für Wanderer. Aus Sicht von Förstern und Naturschützern sind die speziellen Standorte schützenswert und so wurde das Gebiet in das Bundesinventar der schützenswerten Landschaften und Naturdenkmäler aufgenommen.

Frühere Nutzung

Die vereinzelten Stockausschläge der Flaumeiche deuten auf eine schwache Nutzung hin. Diese Wälder wurden vor mehr als hundert Jahren noch als Brennholzlieferant genutzt. Aus früherer Zeit ist bekannt, dass mit dem Kernholz der Flaumeiche dauerhafte Holzgewinde produziert wurden (Abb. 4). Sie dienten für die Obst und Weinpressen. Auch als Gewinde für die Papierdruckerei wurden sie geschätzt. Durch den feinen Jahrringbau wird das Holz in der Bearbeitung und Handhabung ruhig und sehr widerstandsfähig.

Verjüngung und Pflege

Neben den Steinbruchhau gibt es im Wangental an den nach Süden exponierten Stellen im oberen Bereich der Hanglagen Flaumeichenwälder und auch Eichen-Hagebuchenwälder. Sie sind kleinflächiger als der Steinbruchhau. Eine dieser Flächen wurde vor ca. 12 Jahren durch einen gezielten Pflegeeinsatz gefördert. In den folgenden Jahren hat sich keine eigentliche Naturverjüngung eingestellt. Durch natürliche Abgänge der Buche in der Randzone, werden diese Flächen über die Jahre langsam grösser.

Diptam als Begleiter der Flaumeiche

Der Diptam (Dictamnus albus, Abb. 5) kommt bei uns im Flaumeichenwald vor. Er liebt besonnte, trockene Lagen. Die geschützte Pflanze blüht im Juni sehr attraktiv und wirbt Insekten an mit seinen vielen ätherischen Ölen. Für Menschen ist diese Pflanze gefährlich. Die phytotoxischen Stoffe können bei Berührung im Zusammenspiel mit dem Sonnenlicht zu schweren Verbrennungen der Haut führen.

Im Sommer bei heissem Wetter ist das Knallen der Samenkapseln weithin hörbar. Dabei werden die Samen rund um die Pflanze explosionsartig verteilt. Der Diptam ist auch unter dem Namen "brennender Busch" bekannt. Diesen bekam er, weil die ätherischen Öle bei warmem Wetter leicht entzündbar sind.

Kontakt

  • Alois Ebi
  • Forst Südranden, Kt. Schaffhausen
    8213 Neunkirch
  • Tel: 079 405 40 64
  • E-Mail: alois.ebi @ neunkirch.ch

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