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Stefan Tretter

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Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
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Tannensaaten im Jura

Tannensämlinge
Abb. 1: Die Saat ist gut aufgelaufen, es sind zahlreiche Tannensämlinge auf der Fläche zu finden (Foto: E. Engeßer)

Die Forsteinrichtungsoperate des Jura-Forstbetriebes Kelheim aus der Zeit zwischen 1880 und 1920 weisen flächendeckend Tannen-Anteile von 30 Prozent aus. Es ist erstaunlich, dass die Tanne auch auf trockenen, flachgründigen Jura-Standorten hohe Anteile erreichte. Die Tannen-Wirtschaft hat im Kelheimer und Oberpfälzer Jura eine lange Tradition.

"Tannensterben"

Während des "Tannensterbens" zwischen 1976 und 1983 mussten 60 Prozent der über hundertjährigen Tannen im Bereich des Forstbetriebes Kelheim zwangsweise eingeschlagen werden. In dieser Zeit verschwand sie fast vollständig aus den Bestockungszielen. Erst 1992, nachdem belegt war, dass sich die Tannen regeneriert hatten und zukunftsfähig waren, wurden wieder vorsichtige Tannenverjüngungsziele auf größerer Fläche formuliert. Glücklicherweise haben in den meisten Altbeständen einige ältere Tannen diese schwierige Phase überlebt. So ist aktuell in der Altersklasse VI+ (120 Jahre und älter) noch ein Tannenanteil von drei Prozent vorhanden.

Warum die Tanne?

Derzeit sind noch 50 Prozent der Forstbetriebsfläche mit Fichte bestockt. 80 Prozent davon liegen im trocken-warmen Klimabereich, wo die Fichte als führende Baumart keine Zukunft hat. Hier müssen die Anteile der Tanne, die wärmetoleranter ist und eine größere ökologische Amplitude besitzt, zwingend angehoben werden. Die Ausgangslage dafür ist immer noch ausgezeichnet: Es gibt über die ganze Fläche verteilt noch autochthone Jura-Herkünfte. Im Forstbetrieb sind zudem mehrere anerkannte Saatguterntebestände ausgewiesen. Dort fruktifiziert die Tanne reichlich.

Aufgrund der im Zuge des Klimawandels prognostizierten längeren Hitzeperioden und ausgeprägteren Starkregenphasen ist es gerade im wasserarmen Karstgebiet des Oberpfälzer Jura besonders wichtig, stufig aufgebaute, gut strukturierte Wälder zu schaffen. Ein optimaler Boden- und Wasserschutz kann hier nur mit einer wesentlich höheren Beteiligung der "füllenden, festigenden, schattenden" Tanne und einem tannengerechten Waldbau in Plenterstrukturen erreicht werden.

Der heimischen Tanne kommt beim klimabedingten Waldumbau aufgrund der hohen Naturschutzauflagen des Forstbetriebes (960 ha Naturschutzgebiete und 4.000 ha FFH-Gebiete) eine wesentlich größere Bedeutung zu als der Douglasie.

Die "Tannen-Offensive"

Bestand vor der Tannensaat
Abb. 2: Junge Fichtenaltdurchforstungen mit einem lockeren Moosteppich und geringer krautiger Bodenvegetation eignen sich besonders gut für die Tannensaat (Foto: E. Engeßer).

Aus den oben beschriebenen Gründen rief der Forstbetrieb Kelheim seine "Tannen-Offensive" ins Leben. Diese stützt sich auf folgende drei Säulen:

  • Sicherung der Verjüngung: Tannen-Naturverjüngungen werden frühzeitigst mittels Einzelschutz (Streichmittel, Schafwolle) gesichert. In Schneebruchlücken fichtenreicher Bestände muss z.B. bereits im Stangenholzstadium damit begonnen werden. Den Einzelschutz müssen zunehmend die Pirschbezirksinhaber durchführen.
  • Intensivierung der Pflege: Eine intensivere Jungwuchspflege zu Gunsten der Tanne soll diese erhalten und fördern. Dies gilt insbesondere in Bereichen mit üppiger Buchen-Naturverjüngung.
  • Tannensaaten: In Fichten-Reinbeständen werden großflächige Tannensaaten durchgeführt. Dies erfolgt, sobald sich der Waldboden leicht begrünt, da die nährstoffreichen Jurastandorte schon bei geringer Belichtung zur Verunkrautung neigen und fängisch für Fichten-Anflug sind. Je nach Verbisssituation wird eine "Grundsicherung" mit Drahthosen durchgeführt. Hierzu werden im Abstand von etwa 15 Metern zwei oder drei Tannensämlinge im Trupp geschützt, als ca. 100 Stück pro Hektar.

Saatguternte

Im Sommer 2008 trugen alle Tannen der Oberschicht reichlich Zapfen. Die Zapfenprobe wies einen geringen Hohlkornanteil auf, und so wurde geerntet. Zapfenpflücker ernteten in drei Tagen 1,7 Tonnen Zapfen, die 246 Kilogramm reines Saatgut lieferten. Auch in den Jahren 2009 und 2010 wurde geerntet, allerdings mit geringeren Erträgen. Insgesamt wurde in den drei Jahren 400 Kilogramm reines Saatgut gewonnen.

Aussaat in fliegenden Saatbeeten

Das Saatgut aus 2008 wurde zunächst eingelagert. Die Aussaat begann im Frühjahr 2009. 54 Kilogramm wurden in fliegenden, etwa 20 x 20 Metern großen, Saatbeeten händisch in Rillen ausgesät und gezäunt. Bewährt hat sich die Anlage in locker geschlossenen Fichtenbeständen, da wenig Konkurrenzvegetation vorhanden ist. Bei Aussaaten in ehemaligen Pflanzgärten ist dagegen eine üppige Begleitvegetation vorhanden. Hochgerechnet wurden 30 bis 40 Kilogramm pro Hektar gesät.

Direktaussaat im Wald

Saat-Gespann
Abb. 3: Die Saat mit Pferd und Sämaschine schont nicht nur den Boden. Da das Gespann außerordentlich wendig ist, ist es auch sehr pfleglich gegenüber dem Waldbestand (Foto: K. Fottner).

Das übrige Saatgut (ca. 350 kg) wurde direkt in die Bestände ausgesät. Vorangegangene Kleinversuche zeigten, dass bereits mit Saatgutmengen von etwa fünf Kilogramm pro Hektar Tannenanteile von 30 bis 40 Prozent erreicht werden können. Das waldbauliche Mindestziel ist ein Tannenanteil von 20 Prozent.

Als besonders geeignet erwiesen sich junge Fichtenaltdurchforstungen mit lockerer Bodenvegetation bzw. Moosbedeckung (Abb. 2). Die größte Menge wurde mit einer pferdegezogenen Sämaschine ausgebracht, die für die Tannensaat speziell angepasst ist (Abb. 3). Zwei Scheibeneggen schaffen die Bodenverwundung (Saatrille), in die das Saatgut über einen Dosierregler gelangt. Zwei Zinken und ein Nachlaufrad sorgen für eine leichte Überdeckung. Die Riefen wurden in den Beständen streifen- oder gruppenweise gezogen. Das Verfahren ist sehr boden- und umweltschonend. Außerdem liegt ein weiterer Vorteil in der Wendigkeit des Gespanns. Es ist in dicht bestockten Flächen einsetzbar, kann enge Kurvenradien beschreiten und auch in hängigem Gelände arbeiten. Das Pferdegespann eignet sich auch für kleine Flächen. Daneben wurde auch händisch auf circa ein Quadratmeter großen Plätzen ausgesät. Hier wurden ebenfalls in Fichtenbeständen günstige Kleinstandorte (Lichtschächte) ausgewählt, mit der Haue Rillen gezogen, das Saatgut eingesät und wieder leicht überdeckt.

Am erfolgreichsten liefen immer die Saaten auf, die im Jahr der Ernte ausgebracht wurden. Beim stratifizierten und überwinterten Saatgut war der Auflauferfolg geringer.

Kosten der Tannensaaten

Der unmittelbare Arbeitsaufwand für die Saat selbst ist gering. Für fünf Kilogramm Saatgut pro Hektar, die auf einer Länge von 1.500 Metern ausgebracht werden, liegen die Kosten für die Saat bei 475 Euro je Hektar Waldfläche (Tab. 1). Ist ein Einzelschutz mit Drahthosen notwendig, kommen noch etwa 600 Euro hinzu.

Kosten der Tannensaat in Kelheim

Tannensaaten im Revier Beilngries

Im Revier Beilngries des Forstbetriebes Kelheim finden sich neben mäßig trockenen Kalkverwitterungslehmen auf großer Fläche mäßig frische bis frische Feinlehmstandorte. Hier dominieren die 40 bis 60 Jahre alten Fichtenbestände, in denen die Tannensaaten durchgeführt wurden, um dem Fichtenanflug und der Brombeere zuvor zu kommen.

Die Saaten wurden "gruppenartig" angelegt. Im Vorfeld wurden geeignete Bestandeslücken ausgewählt. Wichtig waren dabei der Beschirmungsgrad, ein guter Bodenzustand (keine Naturverjüngung oder Verunkrautung) und ein ausreichender Abstand zur Feinerschließung. Die Gruppengröße liegt im Schnitt bei 150 Quadratmetern. Der Mittelpunkt der Fläche wurde markiert; um diesen zog dann das Pferd seine Kreise mit der Sämaschine. Je nach Gruppengröße wurden 100 bis 200 Gramm Tannensaatgut benötigt. Bei der Frühjahrsaktion wurden zehn Kilogramm an einem Tag ausgebracht, im Herbst sogar 25 Kilogramm. Das entspricht einer reduzierten Saatfläche von 1,0 bzw. 2,5 Hektar. Die Witterungsverhältnisse waren bei beiden Aktionen gut (viel Regen). Die Saat lief sehr gut auf, keimte am besten bei Mineralbodenanschluss ohne Moosauflage.

Die Gruppen wurden im Gelände dauerhaft markiert und auf Karten festgehalten. Auf Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss wurde bisher verzichtet.

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