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Artikel

Autor(en): Gabriele Wolfslehner (BOKU), Georg Frank, Herfried Steiner (beide BFW), Herbert Formayer, Anna-Franziska Arbeiter, Eduard Hochbichler (alle drei BOKU)
Redaktion: BFW, Österreich
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Die Lärche im Klimawandel

Klimatische Veränderungen stellen Waldbewirtschafterinnen und -bewirtschafter vor die Herausforderung, waldbauliche Entscheidungen so zu treffen, dass Waldfunktionen über lange Produktionszeiträume aufrechterhalten werden können. Der Stabilität, einer optimalen Standortsangepasstheit und der Anpassungsfähigkeit der Waldökosysteme kommen eine vorrangige Bedeutung zu.

Die Europäische Lärche (Larix decidua MILL.) hat eine große ökologische Amplitude. Aufgrund ihrer ausgeprägten Pioniereigenschaften kann sie großräumige Störungsflächen besiedeln. Daneben verfügt sie über eine hohe Stabilität gegenüber Windwurf, Steinschlag und Schneeschub und stellt nicht zuletzt eine ökonomisch wertvolle Baumart dar (Nutzung der Lärche).

Diese Eigenschaften deuten darauf hin, dass der Lärche zukünftig unter Einfluss des Klimawandels eine größere Bedeutung haben wird, und zwar auf unterschiedlichsten Waldstandorten und unter verschiedenen Zielsetzungen in der Bewirtschaftung. Hinzu kommen die aktuell zunehmenden Gefährdungen der Fichte.

Lärchendauerwald
Lärchendauerwald in der subalpinen Höhenstufe

Das Ziel dieser Arbeit war, eine waldbauliche Neubewertung der Lärche im Hinblick auf die zu erwartenden Veränderungen durch den Klimawandel durchzuführen. Die Arbeit wurde im Rahmen von StartClim 2010 mit Unterstützung der Österreichischen Bundesforste AG durchgeführt.

Verbreitung der Lärche

Die Lärche ist mit einem Flächenanteil von 4,6 % die zweithäufigste Nadelbaumart in Österreich. Der natürliche Schwerpunkt ihrer Verbreitung befindet sich in höheren Lagen, wo sie bestandesbildend und natürlich in subalpinen Lärchen-Zirbenwäldern und in hochmontanen bis subalpinen Lärchen-Dauerwaldgesellschaften auftritt. Beigemischt bis subdominant ist sie von der submontanen bis zur subalpinen Höhenstufe in unterschiedlichsten Waldgesellschaften heimisch.

Mit Ausnahme der höchstgelegenen Bergwälder stellt die Lärche demnach keine natürlich dominierende Baumart dar. Die heutige weite Verbreitung der Lärche ist vielfach anthropogen bedingt. So haben Kahlschlag, Brandrodung und Beweidung ihr natürliches Areal deutlich erweitert.

Daten der österreichischen Naturwaldreservate (NWR)-Netzes zeigten, dass Lärchen schattseitig exponierte Hänge bevorzugen und sonnseitige Expositionen meiden. Dabei wird der Schwerpunkt des natürlichen Vorkommens der Lärche in der subalpinen Höhenstufe deutlich, während sie unter natürlichen Bedingungen in den montanen, submontanen und kollinen (ca. 200 – 1200 m Seehöhe) Lagen kaum vertreten ist. Auch zukünftig wird das NWR-Netz eine grundlegende Basis dafür darstellen, die Auswirkungen klimatischer Veränderungen auf den natürlichen Gesellschaftsanschluss der Lärche zu untersuchen.

Zukünftige Bedeutung der Lärche – Meinung der Forstexperten

Welchen Stellenwert die Lärche zukünftig haben könnte, zeigten Interviews mit Forstexpertinnen und -experten (Landesforstdirektion, Landwirtschaftskammer, Österreichische Bundesforste AG, Privatbetriebe). Knapp drei Viertel der Befragten sprechen der Lärche zukünftig eine steigende Bedeutung zu. Als Gründe dafür wurden vor allem die Sturmstabilität und der steigende Wunsch nach Diversifikation genannt.

Nicht unerheblich ist weiters, dass die Lärche eine ökonomisch wertvolle Baumart darstellt, die eine breite Anpassungsfähigkeit hinsichtlich standörtlicher und klimatischer Merkmale, und ebenso Pioniereigenschaften aufweist.

Demzufolge glaubt eine Mehrzahl der Befragten, dass sie zukünftig eine höhere Bedeutung als Mischbaumart haben wird, vor allem auf Kosten der durch Sturm- und Borkenkäferentwicklungen schwer betroffenen Fichte. Fast alle Befragten nennen als wesentliche Chance der Lärche gegenüber der Fichte ihre hohe Stabilität gegenüber Sturm, und zwei Drittel der Befragten ihre höhere Widerstandskraft während Trockenperioden und die geringere Gefährdung durch Schädlinge (Schadorganismen an der Lärche).

Chancen und Risiken
Abbildung 1: Chancen und Risiken der Lärche im Klimawandel nach Meinung von Forstexperten

Wird die Lärche aus heutiger Sicht mehrheitlich als stabil beurteilt, sehen rund 75 % der Befragten Vermehrungen von Schädlingen und Komplexkrankheiten als mögliche zukünftige Gefährdungen (Abbildung 1). In welchem Ausmaß Schadfaktoren für Lärche zukünftig wirksam werden, wird in erheblichem Maße von der tatsächlichen Klimaentwicklung und der waldbaulichen Behandlung der Wälder abhängig sein.

Lärchenanbau und Klimaszenarios

Lärchen der Tieflagen kommen künstlich eingebracht von der kollinen bis tiefmontanen Höhenstufe in ganz Österreich vor, nur in Teilgebieten im Nord-Osten bis Süd-Osten Österreichs erreicht die Tieflagenlärche schon heute die Grenze ihrer Verbreitung. Diese Gebiete sind geprägt von hohen mittleren Jahrestemperaturen und geringen Jahresniederschlägen.

Unter Szenariobedingungen, welche mit dem Klimamodell REMO-UBA für das Szenario A1B simuliert wurden, kann vor allem aufgrund der simulierten höheren Temperaturen für die Periode 2071 – 2100 davon ausgegangen werden, dass sich die standörtliche Eignung der Tieflagenlärche in höhere Lagen verschieben könnte.

In niederschlagsärmeren Regionen ist bei Unterstellung der simulierten höheren Temperaturen ein höheres Risiko bezüglich Trockenstress und sekundären Schädigungen anzunehmen. In höheren Lagen wird die Lärche unter Szenariobedingungen auch zukünftig klimatische Bedingungen vorfinden, die ihrem heutigen Verbreitungsgebiet entsprechen. Allerdings könnten die Bedingungen häufig denen der heutigen Tieflagenlärchengebiete gleichen, während sich klimatische Bedingungen der Hochlagenlärchen nach oben, oftmals über die heutige Waldgrenze verlagern könnten.

Das bewusste Einbringen von Lärche in Form von Mischbeständen kann wesentlich zu einer Stabilisierung von sturmgefährdeten Waldbeständen beitragen und die Wiederbewaldung nach Störungsereignissen fördern. Die Auswahl geeigneter Herkünfte ist dabei von zentraler Bedeutung. Unterhalb der montanen Höhenstufe ist bei einer Begründung der Lärche in Hinblick auf klimatische Veränderungen eine steigende Gefährdung durch Trockenstress und biotische Schädigungen zu befürchten.

Alleine aus diesem Grund scheint eine Forcierung der Lärche im Reinbestandscharakter als Ersatz für Fichte auf sekundären Nadelwaldflächen nicht gerechtfertigt. Auch bei der Lärche kann es sich nur um eine stabilisierende Mischbaumart handeln, wenn die waldbauliche Pflege eine günstige Kronenentwicklung und h/d-Wert-Entwicklung gewährleistet.

Kurz gesagt

Standörtliche Eignung der Lärche bei Berücksichtigung klimatischer Veränderungen
Beimischung in co-dominanter bis dominanter Stellung:
  • ab montaner Stufe (je nach Standort), Eignung mit Seehöhe ansteigend

Standörtliche, klimatische Eignung ist kaum gegeben:

  • auf zu Trockenheit neigenden Standorten (seichtgründige, südexponierte Lagen, nordöstliche Gebiete Österreichs)– verstärktes Risiko sekundärer Schädigungen (Schütte, …)
  • auf wechselfeuchten und nassen Böden, Tallagen (Nebel), Verebnungslagen
Waldbauliche Empfehlungen
  • Auf Standorten außerhalb ihrer natürlichen Verbreitung ist eine Beschränkung auf Beimischung der Lärche erforderlich
  • frühe und konsequente Freistellung, Kronenpflege – muss im Dickungsstadium beginnen, Wertzuwachs nur bei ausgeprägter Kronenentwicklung gewährleistet
  • Im Klimawandel ist die Baumartenmischung der beste Weg, um das Risiko zu verringern

Kontakt

Dipl.-Ing. Gabriele Wolfslehner,
Universität für Bodenkultur Wien, Department für Wald- und Bodenwissenschaften, Institut für Waldbau, Peter-Jordan-Straße 82, 1190 Wien
E-Mail: gabriele.wolfslehner@boku.ac.at

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