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Ute Tröber

Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Heino Wolf, Ute Tröber, Michael Rösler
Redaktion: SBS, Deutschland
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Charakterisierung und Erhaltung des Waldkiefer-Vorkommens "Urwald Weißwasser" im Vorfeld des Braunkohlentagebaus

Kiefernkrone
Abb. 1 - Plattenkiefer im "Urwald Weißwasser" – Blick in die Krone.

Foto: Anke Dietzsch

 
Pfropfreiserwerbung
Abb. 2 - Pfropfreiserwerbung in der Klonsammlung Graupa.
 
Pfropflinge im Gewächshaus
Abb. 3 - Kiefernpfropflinge im Gewächshaus in Graupa.
 
Pfropfling
Abb. 4 - Kiefern-Pfropfling im Gewächshaus.
 
Fotos: Stefanie Blaß
 
Klonsammlung
Abb. 5 - Klonsammlung des Vorkommens Urwald Weißwasser in Graupa.

Foto: Anke Dietzsch

Die Gewinnung von Braunkohle im Tagebau stellt einen schwerwiegenden Eingriff in Natur und Landschaft dar. Von solchen Eingriffen sind auch genetische Ressourcen von Waldbaumarten wie der Waldkiefer mit großer Bedeutung für Naturschutz, Forstwirtschaft und Landeskultur betroffen.

Die älteren Vorkommen der Waldkiefer in der Lausitz sind etwa 250 Jahre alt. Auf nährstoffreichen, trockenen Standorten löst sie mit Anteilen von 60% bis 90% die Traubeneiche als Hauptbaumart ab.
Die Untersuchungen des Staatsbetriebs Sachsenforst (SBS) zur Charakterisierung der Waldkiefern hatten zum Ziel, mit Hilfe von biochemisch-genetischen Merkmalen einerseits Klone zu identifizieren und andererseits die ermittelten genetischen Strukturen mit anderen bereits untersuchten Vorkommen von Waldkiefer aus Sachsen und Brandenburg zu vergleichen.

Vorhaben "Charakterisierung und Erhaltung wertvoller Baumarten"

In Zusammenarbeit mit dem Eigentümer des Waldes im Vorfeld des Braunkohlentagebaus Nochten, der Vattenfall Europe Mining AG und der lokalen Forstbehörde führt der Staatsbetrieb Sachsenforst (SBS) bereits seit mehreren Jahren Maßnahmen zur Erhaltung der genetischen Ressourcen von Waldkiefer, Traubeneiche und Tieflandsfichte durch.

Ziel ist es, die bedrohten Vorkommen nach Beschreibung mit quantitativen und qualitativen Merkmalen als Grundlage für die Bereitstellung von Forstvermehrungsgut für die Rekultivierung und für die Waldbewirtschaftung im nordöstlichen Sachsen und im südlichen Brandenburg dauerhaft und repräsentativ zu erhalten.

Da der erreichte Stand, die Methodik der Charakterisierung und der jeweils notwendige Umfang der Erhaltungsmaßnahmen sich für die Baumarten beträchtlich unterscheidet, wird im folgenden das Beispiel der Kiefer näher beleuchtet. Im Beitrag "Erhaltung und Kultivierung forstgenetischer Ressourcen für die forstliche Rekultivierung von Bergbaufolgelandschaften" finden sich allgemeine Angaben zu Projekt und Untersuchungsgebiet. Auf die Ergebnisse für Traubeneiche und Tieflandsfichte wird in gesonderten Beiträgen eingegangen.

Evaluierung bereits durchgeführter Maßnahmen an Kiefer

Die forstlichen Generhaltungsmaßnahmen im Tagebauvorfeld begannen im Zeitraum von 1994 bis 2003 mit der Erhaltung von Waldkiefern aus Generhaltungsbeständen durch die Gewinnung von Pfropfreisern von Altbäumen und anschließender Veredelung im heutigen Zentrum für Forstvermehrungsgut des Staatsbetriebes Sachsenforst. Die erhaltenen Altbäume dienten 1997 zur Anlage einer Waldkiefern-Klonsammung in Graupa.

Ziel der Evaluierung der bereits durchgeführten Maßnahmen war, den Zustand der Anlagen zu ermitteln und zusammen mit den Ergebnissen der genetischen Charakterisierung Rückschlüsse auf ihre Eignung und weitere Verwendbarkeit zu erhalten.

In den 10 Jahren seit Begründung der Waldkiefern-Klonsammlung fielen 12 % der erhaltenen Pfropflinge aus. Die erhaltenen Klone waren unterschiedlich von den Ausfällen betroffen, nur 3 % der Klone starben vollständig ab. Auf Grund des Anlagedesigns und der sehr ungleichen Anzahl von Pfropflingen (Kopien) je Klon zwischen einem und sieben Stück kommt die Anlage für eine Produktion von Saatgut, das den Anforderungen an eine repräsentative Erhaltung der genetischen Strukturen dieses Vorkommens entspricht, nicht in Frage.

Genetische Charakterisierung von Waldkiefer

Die Untersuchungen zur genetischen Charakterisierung der bereits erhaltenen Waldkiefern zielten darauf ab, mit Hilfe von biochemisch-genetischen Merkmalen einerseits die Klone zu identifizieren und andererseits die ermittelten genetischen Strukturen mit anderen untersuchten Vorkommen der Waldkiefer aus Sachsen und Brandenburg zu vergleichen.

Mit Ausnahme eines Klons, dessen Kopien unterschiedlichste und nicht zuordenbare Genotypen aufwiesen, konnten alle erhaltenen Waldkiefern-Klone der Klonsammlung Graupa eindeutig mit Hilfe biochemisch-genetischer Merkmale auf Basis von Isoenzymanalysen identifiziert und charakterisiert werden. Die für die Plattenkiefer des "Urwaldes Weißwasser" ermittelten Parameter der genetischen Vielfalt und Diversität fügen sich in das Bild von anderen untersuchten Kiefernbeständen gut ein. Die aus dem bisher erhaltenen Material entstehende Samenplantage weist demzufolge einen ähnlichen Genpool wie intakte und stammzahlreiche Kiefernbestände auf. Wenn die zur Verfügung stehenden 112 Klone der Waldkiefer für die Anlage einer Erhaltungssamenplantage herangezogen werden, ist nicht mit einer genetischen Verarmung zu rechnun.

Die Pfropfarbeiten für die Erhaltung von 112 Plattenkiefern, konnten im Winter 2008/09 erfolgreich abgeschlossen werden. Nach Auswahl einer geeigneten Fläche für die Begründung der Waldkiefern-Erhaltungssamenplantagen im Laufe des Jahres 2009 wurde die Anlage im Frühjahr 2010 begonnen. Im Endzustand werden in der Erhaltungssamenplantage 112 Klone in bis zu fünffacher Wiederholung auf einer Gesamtfläche von 2,0 ha vertreten sein.

Ausblick

Die Bereitstellung von Vermehrungsgut über die Anlage von Erhaltungssamenplantagen stellt – kurzfristig betrachtet – einen höheren Aufwand als die Begründung von Erhaltungsbeständen aus Saat und Pflanzung mit Vermehrungsgut aus den zu erhaltenden Vorkommen dar. Andererseits ist in Erhaltungssamenplantagen bereits relativ kurze Zeit nach der Anlage die Produktion von Saatgut möglich. Wenn von einem Abbau- und Wiederaufschüttungszeitraum von 10 bis 15 Jahren ausgegangen wird, steht – eine Entwicklung ohne gravierende Störungen vorausgesetzt – dann bereits das erste Saatgut aus den Erhaltungssamenplantagen für die Rekultivierungsmaßnahmen zur Verfügung.

Saatgut aus Erhaltungsbeständen kann aus entwicklungsphysiologischen Gründen dagegen erst mit Eintreten der Bäume in das fruktifikationsfähige Alter von 50 bis 70 Jahren erwartet werden. Mit einer Erhaltungssamenplantage kann somit unmittelbar und ohne Zeitverzug Saatgut produziert und verwendet werden, das an das Regionalklima hervorragend angepasst ist. Da das Klima der Zukunft auf vielen Standorten in Ostdeutschland in Hinsicht auf trockene Sommer und auftretende Extremereignisse dem Regionalklima der Lausitz ähneln wird, besitzt das Saatgut für die Forstwirtschaft in der Region und darüber hinaus große Bedeutung.

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