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Alois Zollner

LWF

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Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Schalenwild, Hase oder Maus – wer war´s?

Verbiss kann zu bedeutsamen Schäden an der Waldverjüngung führen. Doch nicht immer ist das Schalenwild der Verursacher. Anhand einiger Diagnosemerkmale lässt sich der jeweilige Verbissverursacher in den allermeisten Fällen sicher bestimmen.

Wildverbiss
Abb. 1: Verbiss am Leittrieb ist für die Qualität der Pflanzen besonders schädlich (Foto: T. Kudernatsch).

Schalenwildverbiss kann, insbesondere bei hohen Wilddichten, zu bedeutsamen Schäden an der Waldverjüngung führen. Verjüngungspflanzen können durch Totverbiss ausfallen, möglich sind Wachstumseinbußen sowie Qualitätsverluste (z. B. Zwieselbildung). Durch selektiven Verbiss des Schalenwildes kommt es immer wieder vor, dass sich Jungbestände zu Lasten seltener oder stark verbissgefährdeter Baumarten entmischen.

Nicht immer ist es Schalenwild

Das Schalenwild ist der bedeutendste Verbissverursacher in unseren Wäldern. Verbissschäden an Verjüngungspflanzen werden aber nicht ausschließlich durch Reh-, Gams- oder Rotwild verursacht; Triebschäden können mitunter auch durch Verbiss anderer Säugetiere wie Hase, Kaninchen, Eichhörnchen oder Maus entstehen. In den allermeisten Fällen lässt sich der jeweilige Verbissverursacher anhand der hier beschriebenen Diagnosemerkmale sicher bestimmen.

Die Unterschiede zwischen den Verbissbildern beruhen im Wesentlichen auf der Gebissausstattung sowie der Größe und Lebensweise der Tierarten(gruppen). So haben die verschiedenen Schalenwildarten beispielsweise im Oberkiefer keine Schneidezähne, sondern eine Kauplatte, weshalb die Triebe eher "abgerupft" und gequetscht werden. Nagetiere besitzen im Ober- und Unterkiefer dagegen scharfe Schneidezähne. Die Verbissoberfläche ist daher i. d. R. glatt und der Trieb nicht gequetscht. Auch die verschiedenen Verbisswinkel sind auf die unterschiedliche Gebissausstattung zurückzuführen.

Nichtsdestotrotz wird es in der Praxis immer wieder einzelne Fälle geben, in denen eine eindeutige Ermittlung des Verbissverursachers nicht zweifelsfrei möglich ist. Gerade bei frischen, weitgehend unverholzten Trieben (Sommerverbiss) oder geringen Triebdurchmessern können die "typischen" Verbissbilder mitunter nur undeutlich ausgeprägt sein.

Verbiss durch Schalenwild
Abb. 2: Schalenwildverbiss (Foto: S. Bahlinger)

Verbiss richtig ansprechen

Schalenwild

  • Verbiss bevorzugt an Eiche, Edellaubbäumen und Tanne
  • Verbiss überwiegend während der Wintermonate (Winterverbiss); Sommerverbiss vor allem an Edellaubbäumen
  • Verbisshöhe: entsprechend der Größe der Tiere; beim Rehwild (ohne Schneedecke) am häufigsten zwischen 20 und 90 Zentimeter
  • gelegentliche (Rehwild, Gams) bis häufige (Rotwild) Quetschung des Triebes
  • überwiegend raue bis gefranste (v. a. beim Rotwild auch stark gefranste) Oberfläche (durch "Abrupfen" des Triebes)
  • überwiegend flacher Verbisswinkel (0°–30°)

Hase

Verbiss durch Hase
Abb. 3: Verbiss durch Hase (Foto: T. Kudernatsch)
  • Verbiss bevorzugt an Laubbäumen (insb. Buche)
  • Verbiss überwiegend während der Wintermonate (Winterverbiss)
  • Verbiss häufig in Waldrandbereichen
  • Verbisshöhe: i. d. R. zwischen 20 und 50 Zentimeter (ohne Schneedecke)
  • häufig Verbiss an mehreren Trieben einer Pflanze
  • keine Quetschung des Triebes
  • überwiegend glatte, kaum ausgefranste Verbissoberfläche (durch "Abschneiden" des Triebes)
  • Verbisswinkel in den meisten Fällen zwischen 30° und 60°

Mäuse

Verbiss durch Maus
Abb. 4: Verbiss durch Maus (Foto: T. Kudernatsch)
  • Verbiss v. a. an Jungpflanzen bis 20 Zentimeter Höhe (ohne Schneedecke)
  • i. d. R. partieller oder vollständiger Fraß der (Gipfel-)Knospe; häufig auch Fraß ganzer Keimlinge
  • Verbissoberfläche glatt bis rau; mit Lupe z. T. feine, durch Schneidezähne bedingte Riefung ("Nagespuren") zu erkennen
  • wo Triebverbiss durch Mäuse vorkommt, sind i. d. R. auch andere Hinweise zu finden, die auf das Vorkommen von Mäusen schließen lassen (z. B. Mauselöcher, Gänge, Fraßschäden an der Rinde)

Eichhörnchen

  • Verbiss überwiegend an Fichte und Tanne
  • gefressen werden ausschließlich die Knospen; "abgeschnittene" Triebe bleiben am Boden liegen
  • Verbiss tritt i. d. R. an mehreren Trieben eines Baumes auf
  • häufig Verbiss ganzer Baumgruppen in allen Altersstadien
  • Verbiss an Jungpflanzen ist ein eher seltenes Phänomen
Verbiss durch Eichhörnchen
Abb. 5: Fraß durch Eichhörnchen (Foto: F. Etschmann)

Weidevieh

In Gebieten mit noch bestehender Waldweidewirtschaft kann auch Verbiss durch Weidevieh eine Rolle spielen. Da es sich bei Weidetieren (Rinder, Schafe, Ziegen) – wie bei den Schalenwildarten auch – um Wiederkäuer handelt, ist eine rein okulare Abgrenzung zum Schalenwildverbiss kaum möglich. Fand der Verbiss allerdings in der weidefreien Zeit statt (Winterverbiss), kann man sich sicher sein, dass es sich um Schalenwildverbiss handelt.

Sonstiges

Auch andere Tierarten, wie Insekten oder Vögel (z. B. Auerwild) verursachen Knospen- und Triebschäden. Bei genauem Hinsehen können diese Schäden i. d. R. aber nicht mit Schalenwildverbiss verwechselt werden.

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