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Kompetenz-Netzwerk Klimawandel, Krisenmanagement und Transformation in Waldökosystemen (KoNeKKTiW)

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Artikel

Autor(en): Tillmann Friederich, Katrin Dännart
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Der Risikomanagementzyklus als Daueraufgabe

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"Risiko", "Katastrophe" oder "Krise" sind Begriffe, die bei jedem sofort Bilder im Kopf entstehen lassen. Die meistens synonyme Verwendung dieser Begriffe im Alltagsgebrauch trägt zu Missverständnissen bei. Ist der Klimawandel ein Risiko für die Forstbetriebe? Oder handelt es sich dabei um eine Krise? Wir arbeiten mit einem Risikobegriff (Was ist Risiko?), der die Eigentümerziele ins Zentrum der Betrachtung rückt.

Risiko ist all das, was die Erreichung der Ziele eines Betriebes gefährdet. Der Vorteil an dieser Begriffsdefinition liegt auf der Hand: Nur wirklich relevante Problemsituationen werden als solche ins Risikomanagement einbezogen. Die Auswirkungen eines Ereignisses stellen also das Risiko dar. Mit anderen Worten: Wenn eine Katastrophe keine negativen Auswirkungen auf meine Betriebsziele entfaltet, ist sie für mich auch nicht mit einem Risiko verbunden.

Der Umgang mit Risiken erfolgt häufig situationsabhängig und reaktiv. Präventionsmaßnahmen spielen dabei oft nur eine untergeordnete Rolle. Doch eigentlich sollte gelten, dass Rettungsboote bei Schönwetter gebaut werden und nicht erst bei Sturmflut. Das Beispiel Sturm soll den Unterschied der beiden Wege erklären:

Der Unterschied zwischen Prävention und Reaktion anhand von Sturmwurf.
Abb. 1: Der Unterschied zwischen Prävention und Reaktion anhand von Sturmwurf. (FVA/Dännart)
  • Reaktion: Der Sturm wirft Bäume und hinterher wird, grob gesagt, aufgeräumt. Die Betriebsziele (z.B. geringer Anteil ZN, Wirtschaften mit weniger Kunstverjüngung, etc.) sind erheblich beeinträchtigt worden.
  • Prävention: Im Vorfeld kann viel dafür getan werden, dass Bestände sturmstabil erzogen werden, z.B. durch die Wahl standortgerechter Baumarten und passender Durchforstungsregime. An diesen Stellschrauben wird präventiv gearbeitet.

Durch Risikomanagement werden zielgefährdende Risikofaktoren identifiziert bevor sie sich manifestieren. Des Weiteren werden Maßnahmen festgelegt, um diese Risikofaktoren zu handhaben. Der Umsetzung dieser Maßnahmen folgt am Ende des Zyklus eine Erfolgskontrolle (vgl. Abb. 3).

Da sich die Risikofaktoren von Jahr zu Jahr unterscheiden können, sollte der Zyklus jährlich von Neuem durchlaufen werden. Innerhalb des Risikomanagementzyklus können sich Krisen herauskristallisieren, die dann durch Anwendung des Krisenmanagementzyklus aufgearbeitet werden. Das Risikomanagement läuft davon unberührt weiter.

Folgende Tabelle fasst die Unterschiede zwischen Risiko- und Krisenmanagement übersichtlich zusammen:

Tab. 1 : Wesentliche Unterschiede zwischen Krisen- und Risikomanagement.
Wesentliche Unterschiede zwischen Krisen- und Risikomanagement

Aus dem Risikomanagementprozess ergeben sich laut Diederichs (2012) diverse Aufgaben:

  • Schaffung eines unternehmensweiten Risikobewusstseins
  • Schaffung von Transparenz über die bestehenden Risiken
  • Systematischer und kontinuierlicher Umgang mit den unternehmerischen Risiken
  • Aufbau und Integration einer Risikomanagement-Organisation (Gremium, RM-Beauftragte(r) u. Ä.)
  • Anpassung des Risikomanagement-Systems an sich verändernde Rahmenbedingungen

Risikomanagement ist ein dem Krisenmanagement übergeordneter Prozess, welcher sich am gesamten Betrieb und dessen Zielen in der ökonomischen, ökologischen und sozialen Sphäre orientiert. Laut DIN ISO 31000 umfasst Risikomanagement koordinierte Aktivitäten zur Lenkung und Steuerung einer Organisation in Bezug auf Risiken.

Auch Diederichs schreibt in seinem Buch: "Das Risikomanagement als immanenter Bestandteil der Unternehmensführung stellt die Gesamtheit der organisatorischen Maßnahmen und Prozesse dar, die auf die Identifikation, Beurteilung, Steuerung und Überwachung von Risiken abzielen und eine Gestaltung der Risikolage ermöglichen." (Diederichs 2012: S. 13). Risikomanagement hat daher einen stark präventiven Charakter.

Der Risikomanagement-Zyklus

Die Internationale Organisation für Normung (ISO, Sitz in Genf) hat die internationalen Normen ISO 31000 und ISO 31010 erarbeitet. Diese Normen beschreiben in allgemeiner Form, wie Organisationen mit externen und internen Einflüssen, die die Zielerreichung in Frage stellen, umgehen sollen und welche Verfahren zur Risikobeurteilung es gibt. Abbildung 2 veranschaulicht die Teilschritte des Risikomanagement-Prozesses gemäß der ISO 31010.

Ablaufschema des Risikomanagement-Prozesses gemäß ISO 31010:2009
Abb. 2: Ablaufschema des Risikomanagement-Prozesses gemäß ISO 31010:2009.

Ein intuitiveres Schema für den Risikomanagementprozess wurde von Diederichs erarbeitet. Dieses leicht verständliche Schema nutzen wir im KoNeKKTiW-Projekt (Kompetenz-Netzwerk Klimawandel, Krisenmanagement und Transformation in Waldökosystemen) zur Strukturierung von Risikomanagementprozessen.

Diederichs gliedert den Risikomanagement-Zyklus folgendermaßen (vgl. Abb. 3).

Der Risikomanagementzyklus
Abb. 3: Risikomanagementzyklus nach Diederichs (2012). (FVA/Tillmann Friederich)
  1. Risikoidentifikation erfolgt z.B. durch Brainstorming, strukturierte- und semistrukturierte Befragungen oder durch Prüflisten. Das Ziel ist es, zu erkennen, "was geschehen könnte oder welche Situationen entstehen könnten, durch die das Erreichen der Zielsetzung […] beeinträchtigt werden könnte" (DIN EN 31010).
  2. Die Risikobeurteilung gliedert sich in die Risikoanalyse und die Risikobewertung. Bei der Analyse werden die potentiellen Folgen einer Risikoquelle abgeschätzt und mit der angenommenen Eintrittswahrscheinlichkeit ins Verhältnis gesetzt. Im Rahmen der Risikoanalyse kann bereits eine Vorauswahl getroffen werden, welche denkbaren Risiken zu unbedeutend sind, um eine Behandlung zu erfahren und welche Risiken einer tiefer gehenden Risikobewertung unterzogen werden sollten. In diesem Schritt wird eine Priorisierung der Risikobehandlung vorgenommen, um eine maximale Schutzwirkung bei minimalem Mitteleinsatz sicherzustellen (Optimalprinzip).
  3. Risikosteuerung erfolgt durch die Umsetzung von Behandlungsmaßnahmen. Durch Überprüfung (Effizienz und Effektivität der Maßnahmen) und Anpassung stellt die Betriebsleitung sicher, dass die Maßnahmen zur aktuellen Risikosituation passen.
  4. Der Übergang zur Risikoüberwachung ist fließend. Die Evaluation von Risikomanagementprozessen erfolgt fortlaufend und wiederkehrend.

Ein solcher 4-phasiger Prozess lässt sich in bestehende Managementprozesse (z.B. forstliche Jahresplanung) integrieren. Die periodisch wiederkehrende Auseinandersetzung mit aktuellen Risiken sichert den Betrieben Gestaltungsspielräume. Gleichzeitig sinkt der Aufwand eines institutionalisierten Risikomanagementsystems mit der Zeit.

Literatur

  • DIN/ISO (2009): Risikomanagement – Grundsätze und Leitlinien (zurückgezogen), Deutsches Institut für Normung e.V., 33. S.
  • CENELEC (2010): DIN EN 31010 Risikomanagement – Verfahren zur Risikobeurteilung, Deutsche Norm, 91 Seiten
  • Diederichs, Marc (2012): Risikomanagement und Risikocontrolling. 3. Auflage, Verlag Franz Vahlen, München

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