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Artikel

Autor(en): Claus-Thomas Bues, Jens Triebel (TU Dresden)
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 2 Kommentare
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Mondholz – alles erlaubt?

Sorgloser Umgang mit Mondholz schadet dem Image des Holzes

Einzelne Waldeigentümer, Sägewerke und holzverarbeitende Betriebe haben sich auf die Ernte und Verarbeitung von Mondholz spezialisiert, dem besonders gute Holzeigenschaften nachgesagt werden. Nicht selten erzielt es auch einen höheren Preis als "normales" Holz. Dieser Beitrag beleuchtet das Mondholz kritisch und enthält Leitlinien zum künftigen Umgang mit dem emotionalen Thema.

Mondholz
Abb. 1 - Die dem Mondholz nachgesagten positiven Eigenschaften liessen sich bisher noch nicht reproduzierbar wissenschaftlich beweisen.
Fotos: Ueli Wasem (WSL)

Unter "Mondholz" bzw. "Mondphasenholz " ist solches Holz zu verstehen, das bei einer bestimmten, als "günstig" angesehenen Mondphase geerntet wird und dadurch eine Reihe aussergewöhnlicher Holzeigenschaften besitzen soll (vgl. Tabelle 1). Die durch Beachtung des richtigen Zeitpunktes für den Holzeinschlag angeblich zu erreichenden Effekte auf die Holzeigenschaften sind äusserst vielfältig.

Alle Regelwerke, die sich mit Fällzeitregelungen beschäftigen, sprechen eine klare und eindeutige Sprache, wenn Qualitätsaussagen für das Mondholz gemacht werden: es brennt nicht, es fault/wurmt nicht, es arbeitet nicht! Neben diesen drei Grundaussagen findet man gelegentlich noch weitergehende Qualitätsmerkmale für Mondholz, so z. B. die Aussagen, dass Mondholz besonders trocken und hart ist.

Der richtige Zeitpunkt

In einer umfangreichen Analyse von mitteleuropäischen Forstordnungen und anderem forstlichen Schrifttum liess sich zeigen, dass die Fällung von Holz nach Mondphasen im historischen forstlichen Schrifttum sehr wohl verankert ist, jedoch allein durch die Vielfalt der Regelwerke nicht von einer allgemein gültigen Regel gesprochen werden kann. Häufig finden sich sogar gegensätzliche Aussagen und Regelungen, die auf Willkür hindeuten bzw. bei näherer Betrachtung durch örtliche Gegebenheiten wie Klima, geografische Lage, hoheitliche Interessen und vieles mehr zu erklären sind. Für verschiedene Regeln ist nachgewiesen, dass durch eine über Jahrhunderte übliche Praxis des Abschreibens von Regelwerken Fehler bei der Übertragung und somit eine Sinnentstellung bestimmter überlieferter Regeln eingetreten sind.

Heute wird mehrheitlich dem abnehmenden Mond ein positiver Einfluss auf die Holzeigenschaften nachgesagt. Dies gilt auch für die meisten Natur- und Bauernregeln aus dem deutschsprachigen Raum. Neben dem abnehmenden Mond als "richtigen Zeitpunkt" für die Holzernte, soll an bestimmten Tagen geerntetes Holz besondere Eigenschaften besitzen. Als besonders häufig genanntes Beispiel hierfür gilt der 1. März. An diesem Tag geschlagenes Holz soll nicht brennen, so jedenfalls wollen es "uralte Quellen" wissen.

Diese nach dem Datum starre und von der Bedeutung für die Holzqualität bedeutungsvolle Regel ist im forstlichen Schrifttum sehr früh dokumentiert. Sie findet sich in der Hausväterliteratur des Johannes Colerus (1680) ebenso wie bei Ober (1912; in Paungger und Poppe 1995). Bei diesen und anderen auf bestimmte Tage und Zeiträume bezogenen Fällterminen blieb die im Jahre 1582 vollzogene Umstellung vom Julianischen auf den Gregorianischen Kalender möglicherweise unberücksichtigt.

 
Tab. 1 - Vorzüge von Mond(phasen)-Holz gegenüber Holz aus herkömmlichem Einschlag (Auswahl).
Vorzüge von Mond(phasen)-Holz

Angebliche Beweise

Viele uralte Holzbauten beweisen, dass Holz ein dauerhafter Baustoff ist. Beeindruckende Beispiele hierzu liefern die Stabkirchen in Skandinavien, die rustikalen Holzhäuser der Bergbauern in den Alpen oder die kunstvoll verzierten Pagoden und Paläste in Japan und China. Häufig werden diese Beispiele der Holzbaukunst mit Mondholz in Verbindung gebracht.

Beweise für die Einhaltung bestimmter Einschlagstermine, Mondphasen o. ä. bei der Holzernte liegen erwartungsgemäss meist nicht vor, da zum Teil seit der Errichtung der Gebäude viele Jahrhunderte vergangen sind. Bei der Betrachtung der beeindruckenden Zeugnisse traditioneller Holzbaukunst erkennt das geschulte Auge, dass die jeweiligen Baumeister die vielfältigen Regeln des konstruktiven (baulichen) Holzschutzes beherrschten. Eine Vielzahl eindrucksvoller Beispiele findet sich bei Clausnitzer (1989). Selbst nach Jahrhunderten zeigt Holz, das witterungsgeschützt verbaut wurde, keine nennenswerten Eigenschaftsveränderungen.

Wenn konstruktive Massnahmen nicht ausreichten, das Holz dauerhaft zu schützen, wurden chemische Holzschutzmittel eingesetzt. Im Gegensatz zur vermeintlich naturverbunden und ökologischen Bauweise unserer Altvorderen ist nachgewiesen, dass diese Bauherren im Umgang mit Chemikalien nicht zurückhaltend waren. Clausnitzer (1989) belegt unter anderem eindrucksvoll den Einsatz von Blei, Arsen und Quecksilber während jeder dokumentierten Epoche.

Praxisrelevante Eigenschaftsunterschiede notwendig

Zum besseren Verständnis der Eigenschaften von Holz sind folgende Grundsätze zu berücksichtigen:

  • Die natürliche Schwankungsbreite der Holzeigenschaften ist gross.
  • Die natürliche Schwankungsbreite ist für viele Holzeigenschaften noch nicht ausreichend untersucht.
  • Da die natürliche Schwankungsbreite der Holzeigenschaften gross ist, sollte nicht nach geringfügigen, sondern nach gewichtigen Unterschieden gesucht werden.

In der Holzforschung hat sich eingebürgert, erst dann von praxisrelevanten Holzeigenschaftsunterschieden zu sprechen, wenn die Unterschiede ausserhalb der natürlichen Schwankungsbreite der Holzeigenschaften liegen. Für die wichtigsten Holzeigenschaften liegen praxisrelevante Unterschiede vor, wenn die Mittelwerte der geprüften Eigenschaften um mindestens 10% von denen einer Vergleichsstichprobe abweichen.

Untersuchungen von Holzeigenschaften sind meist nicht einfach durchzuführen. Eine Frage, die von Praktikern schnell beantwortet werden kann: Wann weist der Baum die höchste Holzfeuchte auf, im Sommer oder im Winter? Jeder hat hierzu seine Meinung, gestützt auf eigene Erfahrungen. Prüfen Sie sich selbst und werfen Sie dann einen Blick auf Tabelle 2.

 
Tab. 2 - Jahresgang der Feuchte im Splintholz unterschiedlicher Baumarten. Je nach Untersuchungsmethode, Baumart und Baumalter weisen die Bäume zu fast jeder Jahreszeit einen Höchst- bzw. Niedrigstgehalt an Wasser auf (Wiebe 1992, erweitert).
Jahresgang der Feuchte im Splintholz

Hätten Sie das gedacht? Je nach Baumart, Baumalter und Untersuchungsmethode kommen teilweise vollkommen gegensätzliche Aussagen zum Feuchtegehalt im Splintholz zustande. Dieses relativ einfache Beispiel soll zeigen, dass nur eine grosse Zahl von Untersuchungen mit geeigneten und einheitlichen Methoden allgemeingültige holzkundliche Aussagen zulässt. Einzelbefunde sind daher immer mit der notwendigen Skepsis zu betrachten.

Werbung weckt Wünsche

Mondphasenholz für einen Dachstuhl
Abb. 2 - Mondphasenholz für einen Dachstuhl: Rundholzeinschlag Anfang Februar 2000, 225 fm Fichte und Kiefer. Rundholzeinschnitt in einem Sägewerk während der Sommer- und Herbstmonate. Gesamtschaden durch Pilz- und Insektenbefall am Rund- und Schnittholz ca. EUR 15'000.–
 
Balken aus Mondholz
Abb. 3 - Einstielig geschnittene Balken aus Mondholz mit Schäden durch falsche und zu lange Lagerung. Der Kunde verliess sich darauf, dass Mondholz nicht fault bzw. nicht wurmt.
 
Fotos: Jens Triebel

Die Werbung mit den angeblichen Vorzügen von Mondholz weckt Wünsche und berechtigte Erwartungen. Man stelle sich vor:

  • Ein Bauherr interessiert sich für Mondholz und studiert die Angaben zum richtigen Fällzeitpunkt, z. B. im landbaulichen Mondkalender für 2003, zusammengestellt von Briemle nach Paungger und Poppe: Für "Bretter und Bauholz" sowie für "besonders hartes Holz" wird ein Holzeinschlag bei zunehmendem Mond empfohlen, hingegen für "Möbel- und Werkzeugholz ", "nicht faulendes Holz", "schwundfreies Holz" sowie "Brücken- und Bootsholz " ein Einschlag bei abnehmender Mondphase. Werden Brücken nicht aus Brettern und anderem Bauholz hergestellt? Muss Werkzeugholz nicht besonders hart sein? Ist es nicht von Vorteil, wenn Bretter und Bauholz nicht faulen und schwinden? Wie soll sich nun der mondgläubige Holzfreund entscheiden, der z. B. einen nicht faulenden Dachstuhl aus Bauholz haben möchte?

Oder folgender Fall:

  • Ein Bauherr liest von den angeblichen Vorzügen des Mondholzes und ist verständlicherweise begeistert. Aus solchem Holz muss das Haus für die Familie gebaut werden, Holz, das nicht brennt, nicht fault, nicht arbeitet, besonders trocken und hart ist. Ein Forstamt ist schnell gefunden, denn auf Anfrage wird das Sortiment Mondholz – gegen Aufpreis versteht sich – gerne bereit gestellt. Der Einschlag des Holzes erfolgt termingerecht "im richtigen Schein". Das Rundholz liegt im Wald zur Abfuhr in das Sägerwerk bereit. Doch es wird nicht zügig aus dem Wald zum Sägewerk gebracht.
    "Keine Eile, ist doch ‹Mondholz›, dem kann nichts passieren", entgegnet der Bauherr dem besorgten Förster. Als das Rundholz endlich das Sägewerk erreicht, ist die Ernüchterung gross: Das Mondholz weist die typischen Lagerschäden auf (siehe Abbildung 2,3). Der Bauherr wird nachdenklich. Wenn Mondholz schon solche Probleme bereitet, wie ist denn das erst mit Holz aus herkömmlichen Einschlag? Holz scheint doch ein problematischer Baustoff zu sein. Und so entschliesst sich der Bauherr sehr wahrscheinlich, sein Haus doch lieber sicherheitshalber in Ziegelbauweise zu bauen!

Imageschäden sind zu befürchten

Holz ist neben Naturstein und Lehm der älteste Baustoff des Menschen. Als Bau- und Konstruktionsmaterial verfügt es über nahezu unbeschränkte Einsatzmöglichkeiten. Der Baustoff Holz braucht keine mythische Eigenschaftserklärung, sondern bietet handfeste Vorteile, wie kein anderer Roh- und Werkstoff.

Ein leichtfertiger und unsachgemässer Umgang mit dem vermeintlich sicheren Werkstoff Mondholz (brennt nicht, fault nicht, wurmt nicht, arbeitet nicht) führt unweigerlich zu Schäden am Holz und Problemen bei der Holzverwendung. Das hervorragende Image des Holzes als umweltfreundlicher und nachwachsender Roh- und Werkstoff des 21. Jahrhunderts steht auf dem Spiel. Daher ist im Interesse einer guten Marktposition des Holzes gegenüber anderen Roh- und Baustoffen klar zwischen werbewirksamer Mondpolemik und Produktqualität zu trennen.

Zukünftiger Umgang mit dem Thema Mondholz

Die Ausführungen lassen die Problematik mit dem Spezialsortiment Mondholz erkennen. Diskussionen zum Thema Mondholz werden kontrovers und häufig emotional geführt. Geschäftemacherei mit noch unbewiesenen Eigenschaften von Mondholz birgt die Gefahr, den Rohstoff Holz ganz allgemein in Verruf zu bringen. Daher erscheint es notwendig, im Umgang mit dem Thema Mondholz bestimmte Leitlinien aufzustellen:

  1. Die Forschungen an Mondholz müssen weitergeführt werden.
  2. Die Forschungen an Mondholz dürfen nicht von vorneherein als "esoterisch" abgetan werden.
  3. An Mondholz erzielte Forschungsergebnisse müssen reproduzierbar sein.
  4. Unterschiede der Holzeigenschaften von Mondholz und Holz aus herkömmlichem Einschlag müssen ausserhalb der natürlichen Schwankungsbreite der untersuchten Holzeigenschaften liegen, um praxisrelevanten Charakter zu besitzen.
  5. Eine mathematisch-statistische Absicherung von Eigenschaftsunterschieden von Mondholz und Holz aus herkömmlichem Betriebsvollzug ist Grundlage wissenschaftlicher Aussagen, eine Praxisrelevanz ist damit jedoch nicht automatisch verbunden. Um Mondholz als Spezialsortiment zu höheren Preisen auf dem Markt zu etablieren, müssen die Vorzüge des Mondholzes jedoch praxisrelevant sein.
  6. Wenn jederzeit reproduzierbare und praxisrelevante Eigenschaftsunterschiede zwischen Mondholz und normalem Holz nachgewiesen wurden, ist es Zeit, die Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu geben.
  7. Erst auf der Basis reproduzierbarer und praxisrelevanter Unterschiede von Mondholz zu normalem Holz ist Werbung mit den speziellen Eigenschaften von Mondholz seriös und ein höherer Verkaufspreis gerechtfertigt.
  8. Falsche Versprechungen oder mangelnde Aufklärung über die Eigenschaften von Mondholz können rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Wald und Holz. Wald und Holz

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Kontakt

  • Claus-Thomas Bues
    Technische Universität Dresden
    Institut für Forstnutzung und Forsttechnik
    Professur für Forstnutzung
    Pienner Str. 19
    D-01737 Tharandt
    Tel. +49 35203-3831304
    e-mail: bues @ forst.tu-dresden.de

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