Suche

    
Suche nur in dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Kontakt

Dr. Norbert Asche

Wald und Holz NRW
Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald
Brößweg 40
45897 Gelsenkirchen

Tel: +49 02931 7866 180
Fax: +49 0209-94773-220

Lehrbeauftrager
Hochschule Ostwestfalen-Lippe
An der Wilhelmshöhe 44
37671 Höxter
Tel: +49 05271 687 7122

Die waldwissen.net-App!

App Waldwissen

Waldwissen Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich per E-Mail über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten. Ihre E-Mail-Adresse wird lediglich zum Zweck der Zustellung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden oder Ihre Einwilligung per E-Mail an uns widerrufen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Norbert Asche
Redaktion: WUH, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 90.090.090.090.090.0 (20)

Holzproduktion und Holzbedarf in den Kreisen von NRW und der ökologische Fußabdruck des Landes

Holz wird in großen Mengen für zahlreiche Zwecke von den Menschen benötigt. Die Holzernte in heimischen Wäldern wird jedoch zunehmend in Frage gestellt. Folge ist, dass der Bedarf durch Importe gedeckt wird und der aktuelle ökologische Fußabdruck der Holznutzung größer wird.

Ökologischer Fußabdruck
Abb. 1: Der ökologische Fußabdruck der Holznutzung ist ca. 3-4-mal größer als die derzeitige Holzproduktion. Grafik: Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Projektarbeit des FB 9, Dr. N. Asche
Karte 1
Abb. 2: Die Holzproduktion in den Kreise in NRW nach dem statistischen Mittel in m3 pro Jahr. Grafik: N. Asche
Karte 2
Abb. 3: Einwohner in den Kreisen in NRW. Grafik: N. Asche
Karte 3
Abb. 4: Holzverbrauch und Holzproduktion in NRW auf Basis der Kreise. Grafik: N. Asche

Holz ist einer der wichtigsten nachwachsenden Rohstoffe. Die Menschen nutzen diesen Rohstoff schon seit langer Zeit. In den Zeitläuften gab es auch Perioden, in denen der Holzbedarf u.a. für Hausbau, Werkholz, Salinen und Hüttenwerke aus den umliegenden Wäldern nicht oder nur ansatzweise gedeckt werden konnte und die Menschen diese Holzknappheit spürten. Bis ins frühe 19. Jahrhundert war der Holztransport teuer und aufwendig (Stichworte: Fuhrwerke, Flöße) und der Bedarf konnte kaum oder nur schwer durch Importe aus anderen Regionen gedeckt werden. Mit der Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur und der Transportmittel (Stichworte: Eisenbahn, LKW) sanken die Transportkosten deutlich und Holz wird heute weltweit gehandelt. Das ermöglicht uns derzeit, den Holzbedarf regionaler Zentren aus entfernten Waldgebieten zu decken.

In Nordrhein-Westfalen deckt die nachhaltige Erzeugung von Holz nur ca. 30 % des Bedarfes. Das bedeutet, dass der Fußabdruck der Holznutzung ca. viermal so groß ist wie die aktuellen Produktionsmöglichkeiten in den Wäldern des Landes. Betrachtet man diesen Zusammenhang auf Ebene der Kreise für das Bundesland Nordrhein-Westfalen, so können die Kreise mit einer hohen Holzernte und die mit einem hohen Holzverbrauch beschrieben und visualisiert werden.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Holz beträgt im statistischen Mittel 1,3 m3 pro Jahr in Deutschland (Bonn Sustainability Portal 2012). Hiervon werden ca. 0,8 m3 pro Kopf jedes Jahr in den Wäldern frisch geerntet, ca. 0,5 m3 Holzäquivalent stammen aus verschiedenen Stufen der Wiederverwertung (u.a. Altpapier, Altholz). Für die Kreise in Nordrhein-Westfalen ist die (statistische) Holzernte in Abbildung 2 dargestellt. Nutzt man diese Zahlen und führt sie mit der Einwohnerzahl der Kreise (Abbildung 3) zusammen, so lässt sich ein Quotient berechnen, der angibt, ob die Menschen in dem Kreis bzw. der kreisfreien Stadt mehr frisch eingeschlagenes Holz verbrauchen als in dem Gebiet geerntet wird.

Das Ergebnis dieser Rechnung ist in Abbildung 4 dargestellt. Aus der Grafik ist deutlich zu erkennen, dass in den städtischen Siedlungsräumen Ruhrgebiet, Düsseldorf, Köln und Bonn der Holzbedarf nur zu ca. 10 % aus der jährlichen Holzernte in den jeweiligen Wäldern gedeckt wird und ca. 90 % des Holzbedarfs aus anderen Regionen bezogen werden muss. Auf der anderen Seite wird im Hochsauerlandkreis mehr als 2,5-mal so viel Holz geerntet wie die Menschen dort benötigen. Zu den Kreisen mit einer Holzernte, die den regionalen Bedarf übersteigt, gehören auch die Kreise Olpe, Siegen-Wittgenstein, Höxter, Euskirchen und der Oberbergische Kreis. In allen anderen Kreisen übersteigt im statistischen Mittel der Holzbedarf die jährliche Holzernte in den Wäldern mehr oder weniger deutlich.

Diskussion

Holz ist auch heute noch ein wichtiger nachwachsender Rohstoff und seine Bedeutung wird in Zukunft noch steigen (Stichworte: Holzchemie, Werk- und Baustoff; BMEL 2014). Nordrhein-Westfalen deckt seinen Holzbedarf derzeit nur zu ca. 30 % durch die Holzernte in den eigenen Wäldern (Asche 2017). Selbst das waldreiche Bundesland Hessen kann den Holzbedarf seiner Bevölkerung lediglich zu ca. 80 % aus eigenen Wäldern decken (Schultze 2018), und Deutschland ist seit 2009 ein Netto-Holz-Importeur (Dieter 2015). Das bedeutet aber auch, dass diese Bundesländer bzw. Deutschland große Waldflächen außerhalb der Landesgrenzen für die Holzversorgung der Bevölkerung beanspruchen. Ökologisch nachhaltig sind diese Lieferbeziehungen nur solange, wie die dortigen biologischen Kapazitäten nicht überbeansprucht werden und die dort lebende Bevölkerung ausreichend mit Holz versorgt ist. Dieser Zusammenhang ist einem großen Teil der Bevölkerung in den städtischen Siedlungsgebieten nicht bewusst oder wird negiert. Eine Holznutzung in heimischen Wäldern wird daher von dieser Bevölkerungsgruppe tendenziell als unwichtig eingestuft (Lorenz und Elsasser 2018, Ibisch 2018). Folge ist, dass der Bedarf durch Importe z.T. aus Regionen mit einer weniger an ökologischen Kriterien und weniger nachhaltig ausgerichteten Waldwirtschaft gedeckt wird.

Ob die reibungslose und kostengünstige Versorgung mit Holz und Holzprodukten auch in Zukunft möglich sein wird ist ungewiss. Ungewiss, da der Bedarf an Holz weltweit steigt und die Waldfläche auf unserer Erde aber um ca. 3 - 4 Mio. ha jährlich kleiner wird (Grün 2011). Zudem ist ungewiss, ob die derzeitige Holzproduktion in unseren Wäldern auch in Zukunft noch nachhaltig realisiert werden kann. Ungewiss, weil die Waldzustandserhebung auf erhebliche Beeinträchtigungen der Vitalität der Waldbäume hinweist, bisher hier unbekannte Pilze zum Absterben wichtiger Waldbaumarten führen, Veränderungen von Standortmerkmalen durch Bodenversauerung und Trockenstress die Produktivität der Wälder beeinflussen und auf für den Biotop- und Artenschutz reservierten Flächen eine Holznutzung nicht vorgesehen ist.

Eine an den Kriterien der Nachhaltigkeit orientierte Waldwirtschaft sollte jedoch zum Ziel haben, die biologischen Kapazitäten der Holzerzeugung in den heimischen Wäldern zu stärken und vorhandene Nutzungspotenziale auszunutzen, ohne die Stabilität der Waldökosysteme negativ zu beeinträchtigen. Das erfordert auch, Wälder an vorhandene und erwartete Standort- und Klimaveränderungen anzupassen. Dazu gehört, strukturreiche Mischbestände zu entwickeln und auch wuchsstarke Baumarten aus anderen biogeografischen Regionen in diese Wälder zu integrieren, die an erwartete Umweltänderungen angepasst sind. Zudem sollte überprüft werden, ob eine integrative, multifunktionale Waldnutzung (Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion) nicht aus ökologischer und auch ökonomischer Sicht zukunftsfähiger ist, als die derzeit praktizierte Segregation in Schutzgebiete und Produktionsräume.

Literatur

Asche, N. (2017): Ökologischer Fußabdruck und Holznutzung in NRW. AFZ-DerWald 3: 15-16.

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ( Hg., 2014): Nationale Politikstrategie Bioökonomie. Nachwachsende Ressourcen und biotechnologische Verfahren als Basis für Ernährung, Industrie und Energie. Berlin. https://www.bmbf.de/files/BioOekonomiestrategie.pdf

Bonn Sustainability Portal (2012): BMELV: 1,3 Kubikmeter Holzverbrauch pro Kopf in Deutschland. https://bonnsustainabilityportal.de/de/2012/09/bmelv-13-kubikmeter-holzverbrauch-pro-kopf-in-deutschland/

Dieter, M. (2015): Versorgung und Absatz auf internationalen Märkten: Der Handel wird es schon richten? Vortrag Thünen-Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie, 01.12.2015, Berlin. http://waldstrategie2020.info/fileadmin/allgemein/images/veranstaltungen/Waldstrategie_2020_Holzdialog/Dieter_151201.pdf

Grün, G. C. (2011): Satellitendaten beziffern den Verlust der Wälder. ZEIT online, 30. November 2011. https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-11/fao-zahlen-bewaldung

Ibisch, P. L. (2018): Unter allen Wipfeln ist keine Ruh. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2018, S. 9.

Lorenz, M. und Elsasser, P. (2018): Ansichten und Einstellungen zu Wald und Forstwirtschaft in Deutschland. Allg. Forst- u. J-Ztg., 189, 1\2: 1-15.

Schultze, Ch. (2018): Naturschutz contra Wirtschaft. Allgemeine Zeitung – Rhein-Main-Anzeiger, 17.08.2018, S. 21.

Mehr auf waldwissen.net