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Stefan Tretter

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Reinhard Mößmer
Redaktion: LWF, Deutschland
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Hochwasserschutz im Wald

Die Hochwasserereignisse der zurückliegenden Jahre an Oder, Rhein und zuletzt an der Elbe entfachten die Diskussion um Ursachen und Abhilfemaßnahmen neu. Der vorbeugende Hochwasserschutz auf der Fläche ist einer der wesentlichen Pfeiler des Hochwasserschutzkonzepts für Bayern. Für Wald und Forstwirtschaft stellt sich hier in besonderem Maße die Frage, was sie hierzu beitragen können. Die in diesem Bericht enthaltenen Referate beleuchten die Problematik aus verschiedenen Blickwinkeln (Wasserwirtschaft, Forstwirtschaft, Bodenkunde Moorkunde, Wissenschaft und Praxis). Sie liefern den forstlichen Praktikern und Waldbesitzern Einblicke in die Ursachen dieser periodisch wiederkehrenden Naturgefahr, aber auch eine Fülle von Anregungen, wie sie zum verbesserten Wasserrückhalt bei Starkregenereignissen beitragen können.

Flussleitbilder

Der Deutsche Rat für Landespflege setzte sich mit dem künftigen Umgang mit dem Hochwasserschutz an Fließgewässern auseinander. Wolfgang Haber fasst dessen Erkenntnisse und Auffassungen zusammen. Er weist unter anderem darauf hin, dass neue mittel- und langfristige, ökologisch tragfähige, nachhaltige Flussleitbilder zu entwickeln sind. Darüber hinaus umreißt er grundlegend die Möglichkeiten der Landnutzung und der flussbaulichen Entwicklung zur Minderung des Schadenspotenzials und schlägt einen umfangreichen Maßnahmenkatalog vor.

Aus Sicht der Wasserwirtschaft

Albert Göttle beschreibt aus der Sicht der Wasserwirtschaft das volkswirtschaftliche Schadenspotenzial der Hochwasserereignisse des letzten Jahrzehnts in Bayern. Im geschichtlichen Rückblick zeigt er, dass einerseits gravierende Änderungen in der Landschaft sicher zur Höhe der Schäden beitrugen, andererseits aber auch bis weit zurück ins letzte Jahrhundert über Hochwasserkatastrophen großen Ausmaßes berichtet wurde. Heute sorgt das Aktionsprogramm 2020 zum nachhaltigen Hochwasserschutz in Bayern dafür, dass die bisherigen Bemühungen zur Gewässerentwicklung, zur Reaktivierung natürlichen Rückhalteräume, zur Renaturierung der Flussauen und zur Sanierung der Schutzwälder als integriertes Konzept konsequent fortgeführt werden.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Einen tiefen Einblick in die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Fähigkeiten des Waldes zur Verminderung von Hochwasserereignissen gibt Wolfgang Weinmeister. Er spannt den Bogen von der Entstehung der Hochwasser über die Wirkung von Boden und Waldbestand bis zum daraus sich ergebenden Abflussgang. Er weist auf die besondere Bedeutung des Bodens hin, zeigt aber auch die Grenzen der Waldwirkung in der Vernetzung mit den Standortsverhältnissen auf. Zahlreiche Messergebnisse aus europäischen Untersuchungsflächen und Hinweise auf abzuleitende Schutzmaßnahmen runden seinen Bericht ab.

Hochwasserschäden 1999 bei Oberammergau
Abb. 1: Hochwasserschäden 1999 in der Nähe von Schloß Linderhof/Oberammergau (Foto: Wasserwirtschaftsamt Weilheim).

Peter Lüscher und Kaspar Zürcher zeigen auf, dass die Beurteilung der Waldwirkung auf den Hochwasserschutz eine differenzierte Betrachtungsweise erfordert. Ihre Forschungen weisen darauf hin, dass der Einfluss des Waldes auf das Abflussgeschehen wesentlich von den Bodeneigenschaften im Zusammenspiel mit den Bestandeseigenschaften abhängt. Sie entwickelten eine differenzierte Methode, um aufbauend auf diesen Erkenntnissen Prioritäten beim Einsatz der begrenzten öffentlichen Mittel zur Schutzwaldpflege setzen zu können.

Schlüsselgröße Waldboden

Nach einer kurzen Analyse, welchen Beitrag der Wald im Zusammenhang mit dem vorbeugenden Hochwasserschutz leisten kann, stellen Franz Brosinger und Andreas Rothe die Ziele und Maßnahmen der Bayerischen Staatsforstverwaltung dar, die sie bei der Bewirtschaftung des Bergwaldes und bei der Sanierung der Wälder mit unzureichender Schutzfunktion auch im Hinblick auf den vorbeugenden Hochwasserschutz verfolgt. Neben der Schlüsselgröße Waldboden sind Waldzusammensetzung, Waldaufbau und kleinflächige Verjüngungsmaßnahmen wichtige Faktoren. Bei der Bergwaldbewirtschaftung im Staatswald haben die Schutzfunktionen Priorität. Ein standortsgerechter, stufig aufgebauter und gut strukturierter Mischwald aus den Baumarten Fichte, Buche und Tanne erfüllt die Anforderungen am besten.

Massenspeicher Hochmoor

Auch intakten Hochmooren kommt eine herausragende Bedeutung für das Abflussgeschehen von Mooreinzugsgebieten zu. Diese wichtige neue Erkenntnis stellen Alois Zollner und Hannes Cronauer in den Mittelpunkt ihres Beitrags. An Hand einer differenzierten Auswertung wissenschaftlicher Untersuchungsflächen zeigen sie die Auswirkungen unterschiedlich genutzter Hochmoorflächen auf den Wasserhaushalt. Sie entwickeln daraus Schlussfolgerungen für eine Renaturierung von genutzten Moorflächen, um ihr Potenzial des Wasserrückhalts wieder für den vorbeugenden Hochwasserschutz zu erschließen.

Wald an Gewässern

Jürgen Boddenberg geht besonders auf die Waldbehandlung an Gewässern ein. Er zeigt an verschiedensten praktischen Beispielen aus dem Thüringer Fließgewässerprogramm auf, anhand welcher Mittel und Möglichkeiten man in Verantwortung für den Gesamtlebensraum Wald auch etwas zu Gunsten aquatischer Systeme erreichen kann, ohne dabei allzu große Ressourcen in Anspruch zu nehmen. Die Pflegeund Entwicklung ist dabei Teil des vorbeugenden Hochwasserschutzes, den die Forstwirtschaft leisten kann.

Aufgaben für die Forstwirtschaft

Was kann nun die Forstwirtschaft konkret tun, um bei Starkregen den Oberflächenabfluss aus dem Wald weiter zu verringern? Zum Abschluss strukturiert und fasst Reinhard Mössmer die Empfehlungen zusammen, die Wissenschaftler und Praktiker verschiedenster Fachgebiete und Verbände in einem Workshop erarbeiteten. Aufbauend auf den grundsätzlichen Erkenntnissen der Wissenschaft lässt sich folgende Handlungsweise für den forstlichen vorbeugenden Hochwasserschutz ableiten:

  • Wald erhalten und vermehren;
  • abflussverschärfende Maßnahmen unterlassen;
  • erhaltende und verbessernde Maßnahmen durchführen;

als begleitende Aktionen

  • geeignete Rahmenbedingungen schaffen;
  • ergänzende Entwicklungs- und Forschungsarbeiten durchführen.

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