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Autor(en): Richard Büchsenmeister
Redaktion: BFW, Österreich
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Verbreitung und Leistung der Fichte in Österreich

Die Fichte verliert in Österreichs Wald an Fläche. Geht damit ein Leistungsrückgang dieser Baumart einher, sodass sie den Stellenwert als Brotbaum der Forstwirtschaft verlieren könnte?

 Die Fichte ist die am weitesten verbreitete Baumart im heimischen Wald, dabei nimmt sie nicht nur Flächen ein, die zu ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet gehören (Abbildung 1). 

Fichte: Verbreitung
Abbildung 1: Verbreitung der Fichte

Nachfolgend wird die Fichte in Österreichs Ertragswald hinsichtlich ihrer Leistung anhand der  klassischen Inventurkennzahlen Fläche, Vorrat, Zuwachs und Nutzung beurteilt.

Fichtenfläche nimmt ab

Die Fichte hat im Ertragswald in den letzten dreißig Jahren mehr als 5%-Punkte an Fläche verloren, jetzt liegt ihr Anteil bei 51%, während jener der Hartlaubbäume einschließlich Buche um knapp 4%-Punkte zugenommen hat.

Insgesamt hat sich in diesem Zeitraum der Nadelholzanteil kontinuierlich von 71% auf 64% verringert zugunsten von Laubholz, dessen Anteil von 21% auf fast 25% zugenommen hat, und Blößen und Lücken, die mit über 9% um 3%-Punkte mehr Fläche einnehmen. Der Anteil an Sträuchern und Strauchflächen mit weniger als 3% hat sich nur marginal im Zehntelprozentbereich verändert.

Rückgang der Fichten-Reinbestände

Die Fichte ist in rund 86% aller Bestände im Ertragswald zumindest als Mischbaumart vorhanden. In den letzten drei Waldinventurperioden hat der Anteil an Fichten-Reinbeständen um 6%-Punkte auf 38%  abgenommen, während  Mischbestände mit Fichte mehr geworden sind. In den restlichen 14% der bestockten Fläche findet man Fichte gar nicht oder nur vereinzelt.  

Fichte: Bestände im Ertragswald
Abbildung 2: Bestände im Ertragswald – Fichte in %

Vorratsentwicklung der Fichte

Der Gesamtvorrat ist seit den 80-iger Jahren um rund 21% auf 1,135 Milliarden Vfm  angestiegen, der Vorrat der Fichte hat mit 22% relativ nur unmerklich mehr auf  695 Mio. Vfm zugenommen. Der Anteil der Fichte am Gesamtvorrat liegt sehr konstant bei 61%  im selben Zeitraum. Insgesamt nahm der Fichtenvorrat zu auf nahezu gleichbleibender bestockter Fläche mit abnehmendem Fichtenanteil. Die Anzahl der Bäume beträgt fast unverändert seit 30 Jahren 3,4 Milliarden, von denen sind rund 2 Milliarden Fichten.

Vergleicht man die Vorratsentwicklung nach Eigentumsarten, zeigt sich, dass die gesamte Vorratsaufstockung der Fichte im Kleinwald bis 200 ha stattfand, während  der Gesamtvorratsanstieg aller Baumarten zum Teil auch von den Betrieben über 200 ha und nicht nur vom Kleinwald stammt. Bei der Österreichischen Bundesforste AG hat der Vorrat insgesamt und auch bei der Fichte leicht abgenommen.

Interessantes Detail: das Einzelstammvolumen erhöhte sich in den letzten 30 Jahren. Dies lässt sich aus der Entwicklung des Volumens des Vorratsmittelstammes in den einzelnen ÖWI-Perioden von 0,29 auf 0,34 Vfm und der annähernd gleichbleibenden Anzahl von Bäumen ablesen. Das Volumen des Mittelstammes ist in den Eigentumsarten von vornherein unterschiedlich und entwickelte sich auffallend ungleich (Abbildung 3). In den traditionell intensiver bewirtschafteten Wäldern der Betriebe über 200 ha und der ÖBf AG liegt das Volumen des Mittelstammes in den 80-iger Jahren bei  0,31 Vfm und 0,40 Vfm, im Kleinwald dagegen bei nur 0,25 Vfm.

Insgesamt scheinen sich diese Mittelstammvolumina auf einen von der Eigentumsart unabhängigen Wert hin zu entwickeln, denn derzeit beträgt dieser Wert im Kleinwald 0,35 Vfm, bei den Betrieben 0,32 Vfm und bei der ÖBf AG 0,37 Vfm.

Fichte: Vorratsmittelstamm
Abbildung 3: Vorratsmittelstamm nach Eigentumsarten

Zuwachsanstieg der Fichte

Der Gesamtzuwachs ist nach einem deutlichen Anstieg von rund 27 Mio. Vfm/Jahr auf 31 Mio. Vfm/Jahr in den 90-iger Jahren auf 30 Mio. Vfm/Jahr im letzten Jahrzehnt fast gleichgeblieben. Der Anteil des Zuwachses der Fichte an diesen Gesamtzuwachswerten hat in diesem Zeitraum  von 63% auf 66% zugenommen und beträgt 20 Mio. Vfm/Jahr. Die Zuwachsentwicklung erklärt damit teilweise den Vorratsanstieg der Fichte.

Mehr Fichte wurde genutzt

Die Gesamtnutzung hat in den letzten zehn Jahren sehr stark zugenommen, aus verschiedensten Gründen wie etwa wegen Sturmkalamitäten und durch die verstärkte Motivation der Kleinwaldbesitzer zu intensiverer Nutzung durch Politik und Interessensvertretung. Die Gesamtnutzung  liegt bei 25,9 Mio. Vfm/Jahr.

Fichte: Zuwachs und Nutzung
Abbildung 4: Zuwachs und Nutzung der Fichte

Damit ist die Schere zwischen Zuwachs und Nutzung gegenüber den 80-iger und 90-iger Jahren wieder deutlich zugegangen. Der Anteil der Nutzung am Zuwachs beträgt nach einer Abnahme von 71% auf 60% nunmehr 85%. Das Verhältnis Nutzung zu Zuwachs war bei der Fichte mit 70% und 62% sehr ähnlich und ist bereits 89%. Es stehen seit dem Jahr 2000 durchschnittlich pro Jahr 17,8 Mio. Vfm Nutzung einem Zuwachs von 20,1 Mio. Vfm gegenüber.

Hoher Katastrophenholzanfall

Die Zufallsnutzung von 2,5 Mio. Vfm/Jahr hat sich im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts gegenüber den 90-iger Jahren aus bereits angeführten Gründen mehr als verdreifacht. Die planmäßigen Nutzungen haben um mehr als ein Viertel von 11 Mio. auf 14 Mio. Vfm/Jahr zugenommen, die Holzmenge der im selben Zeitraum abgestorbenen Fichten hat sich mehr als verdoppelt.

Auffallend erhöht hat sich in diesem Zeitraum auch die angefallene Holzmenge aus planmäßiger Vornutzung mit 2,3 Mio. Vfm/Jahr, obwohl ihr Anteil an der Gesamtnutzung mit 13% kleiner ist als in den früheren Beobachtungszeiträumen.

Bedeutung der Fichte

Die Wichtigkeit der Fichte dokumentiert auch der durchschnittliche Anteil am Sägerundholz aus den Holzeinschlagsmeldungen (HEM) der letzten zehn Jahre (Tabelle 1), dies unterstreicht ihre derzeitige hohe wirtschaftliche Bedeutung für die Forst- und Holzwirtschaft. Die Fichte ist und bleibt Hauptbaumart in Österreichs Wald.

Tabelle 1: Bedeutung der Fichte 
Fichtenanteile 
%
Fläche
51  
Vorrat 61
Zuwachs
66  
Nutzung
69
Sägerundholz inkl. Tanne 86

Fiktive Deckungsbeitragsrechnung Fichte versus Buche

Mit einer beispielhaften Deckungsbeitragsrechnung soll aufgezeigt werden, wie unter derzeitigen Voraussetzungen die Deckungsbeiträge von Fichte und Buche zueinander stehen.

Die Ausgangssituation (Tabelle 2) für die Kalkulation ist ein Buchenbestand, je nach Stammzahl im Endbestand mit einer Umtriebszeit von 90 bzw. 120 Jahren mit einer 10. Bonität und ein Fichtenbestand im Alter 60 mit Bonität 17+. In den angeführten Grundflächen für die Endbestände ist der daneben noch vorhandene ausscheidende Bestand einkalkuliert.

Tabelle 2: Ausgangssituation für die Kalkulation
  Buche N=120 Buche N= 60 Fichte N=250
G Endbest. 45
45
62
BHDmitt 63
72
48
Erntekosten €/efm 20 - 30 20 - 30 25 - 30
Erlöse €/efm A
130
130
-
Erlöse €/efm B 110
110
95
Erlöse €/efm C 90
90
68
Rest
50
50
45

Bei den Holzpreisen sind die Relationen zueinander wichtiger als die absolute Größe. In die Berechnung flossen die aktuellen durchschnittlichen Erntekosten für Buche und Fichte ein.

Die Annahme, dass alle Z-Bäume im 1. Bloch A-Qualität liefern, ist bei Buche laut Stehendansprache der ÖWI nicht ganz realistisch. Bei der Fichte hingegen gibt es Ergebnisse von Dauerversuchen, die die Ausformungsannahmen realistisch erscheinen lassen. Die (wirtschaftliche) Realität sieht etwas anders aus: Es wird selten ein A-Bloch als Furnier verkauft.

Der Vergleich der Deckungsbeiträge (Tabelle 3) zeigt, dass durch Verkürzung der Umtriebszeit um ein 1/3 bei der Buche kaum einen Einfluss auf den Deckungsbeitrag I pro Hektar und Jahr besteht. Bei der Fichte dagegen erreicht man in der halben Umtriebszeit einen deutlich höheren Deckungsbeitrag I. 

Tabelle 3: Deckungsbeitrag (DB I) in € pro Hektar und pro Jahr
  Buche N=120 Buche N=60 Fichte N=250
A+B+C 360 360
-
B+B+C 340 340 575
C+C+C 300 305 450
Energieholz 190 210 280
Umtriebszeit 120 Jahre
90 Jahre
60 Jahre

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