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Artikel

Autor(en): Alain Douard (WVS)
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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La Brévine: Wo nichts mehr geht, kommt der Raupentraktor zum Einsatz

Als Forstunternehmer Philippe Masi aus Fleurier/NE auf dem Markt keinen Forsttraktor fand, der seinen Vorstellungen entsprach, suchte er Hilfe beim Landmaschinenmechaniker Martin Bühler. Dieser stellte ihm eine passende Maschine auf die Räder – beziehungsweise auf die Raupen. Das Gerät ist nun seit einigen Jahren im Einsatz und bewährt sich vor allem dort, wo es für Radmaschinen kein Weiterkommen mehr gibt.

Raupentraktor im Einsatz
Abb. 1 - Sehr kompakt gebaut, aber enorm kräftig, wendig und standfest präsentiert sich der umgebaute New Holland Raupentraktor.
 
Seillauf
Abb. 2 - Um die Stabilität des Traktors zu verbessern wurde der Seileinlauf gegen die Mitte verschoben.
 
Windenseile
Abb. 3 - Die 13 mm starken Windenseile sind überall zugänglich und werden durch einfache Rollen geführt.
 
Einsatz in schwierigem Gelände
Abb. 4 - Der Traktor hat sich gut bewährt. Eingesetzt wird er vor allem in schlecht erschlossenen Regionen an den Nordhängen des Juras, wo jahrelang kaum geholzt wurde und wo der Boden kaum je abtrocknet.
 
Fotos: Alain Douard
 
 
 

Ein landwirtschaftlicher Raupentraktor ohne originale Anhänge- und Dreipunktvorrichtungen, dafür aber verstärkt mit zwei Tonnen Stahl und ausgerüstet mit starken Winden und weiteren forstlich benötigten Extras – das war es so ungefähr, was Forstunternehmer Philippe Masi aus Fleurier vorschwebte. Die auf dem Markt erhältlichen "Forstraupen" schienen ihm für das starke Holz zu schwach und ausserdem misstraute er ihren Gummiraupen.

Eigenbau ist gefragt

2007 schliesslich fasste sich Martin Bühler ein Herz und begann die Idealvorstellung seines Kunden Masi umzusetzen. Martin Bühler ist Landmaschinenmecha­niker und Werkstattchef der Zweigniederlassung von Jeanneret Hydro-Mechanique GmbH in La Brévine. Er bekam freie Hand für das Projekt, von der Konzeption bis zur Endabnahme. Martin hatte Erfahrung im Umbau von Maschinen und auch im Führen von Forsttraktoren. Er wusste deshalb genau, worum es ging. Dass es aber 680 Arbeitsstunden und viele schlaflose Nächte brauchen würde, um ans Ziel zu gelangen, war er sich damals wohl noch nicht so recht bewusst…

"Nachdem wir uns auf dem Markt umgesehen hatten, entschieden wir uns für einen New Holland TK100A als Basis. Der entsprach am ehesten unseren Anforderungen", erzählt Martin Bühler. Der 93 PS-starke, voll für die Landwirtschaft ausgerüstete Raupentraktor traf im Februar 2008 in La Brévine ein. Nur die Grundmaschine zu bekommen war unmöglich. Deshalb musste zunächst alles "Überflüssige" abgebaut werden.

In einer Wanne aus Stahl

Dann bekam die nackte Grundmaschine zum Antrieb der Seilwinden eine Frontzapfwelle, angetrieben direkt von der Kurbelwelle aus. Entsprechende "Kits" sind auf dem Markt verfügbar. Die nächste Etappe bestand darin, das Chassis vollständig in eine 25 mm dicke Stahlwanne einzupacken. Man kann sich vorstellen, wie viel Plasmaschneiden, Winkelschleiferei und Schweissen dazu nötig war. Aber ohne diese Verstärkungen – das wusste Martin Bühler – wäre das Fahrzeug den forstlichen Strapazen kaum gewachsen gewesen. Tatsächlich trägt das mit Streben verstärkte Stahlkorsett vorne die Seilwinden und hinten das Rückeschild und nimmt damit den grössten Teil der im Betrieb auftretenden Kräfte und Schläge auf.

Bühlers Ideen und Fähigkeiten waren aber weiterhin gefragt, denn der Dieseltank musste verschoben werden, um genug Platz für die Windenseile und den Führerstand zu bekommen. Und natürlich war eine stabile Forstkabine nötig; die Bedienelemente des Traktors blieben dagegen weitgehend erhalten. An der Front wurde eine kräftige Adler-Doppeltrommelwinde angebaut – relativ hoch, um auch vorne genug Bodenfreiheit zu haben. Ausserdem konnten so die Windenseile oberhalb des Raupenlaufwerkes durchgeführt werden. Für die nötigen Umlenkungen sorgen einfache Rollen.

Kompakt, standfest und extrem belastbar

Der Schwerpunkt des Traktors liegt sehr tief, etwa 20 cm unterhalb der Rücklaufenden Raupe, und das Rückeschild ist sehr nahe angebaut. Deshalb ist der Traktor enorm kompakt sowie standfest und darf voll belastet werden. "Wenn man nicht Angst hat, aber vorsichtig bleibt, kommt man praktisch überall durch", erklärt Traktorführer Martial Oppliger, "auch in steilem, schwierigem Gelände und wo der Boden – wie an den Nordhängen des Juras – praktisch nie abtrocknet." Allzu viel Komfort dürfe man als Fahrer anderseits nicht erwarten.

Inzwischen denkt der Konstrukteur Martin Bühler bereits über eine Weiterentwicklung nach: ein vollständig ferngesteuertes Modell mit Hybridantrieb.

Technische Daten

Basismaschine: New Holland TK100A

Motor: 3,9 l, 4-Zyl. Turbo, 93 PS

Hydraulik (original): max. 45 l/min.

Leergewicht: ca. 7 t (original 4,9 t)

Abmessungen: Länge ca. 4 m (original 3,36 m), Breite 1,75 m

Getriebe: mechanisch, 8/8 Gänge

Seilwinde: Doppeltrommelwinde Adler 2 × 10 t, Seildurchmesser 13 mm,
                    max. 100 m, Funkfernsteuerung, Antrieb über Frontzapfenwelle. 

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Wald und Holz. Wald und Holz

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Kontakt

  • Alain Douard
    Redaktion "La Forêt"
    Rosenweg 14
    4501 Solothurn
    Tel. +41 (0)32 625 88 61
    e-mail: Douard @ wvs.ch

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