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Artikel

Autor(en): Elke Gregory, Hans Schlegel, Sebastian Hein
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 1 Kommentar
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Zeitbedarf und Kosten der Birkenästung

Auf den durch Sturm verursachten Sukzessionen der letzten Jahre fordert nun die Sand-Birke (Betula pendula Roth) die Entscheidung zwischen Brenn- oder Wertholz. Die Wertästung kann eine Möglichkeit für die Produktion qualitativ hochwertigen Holzes sein. Die folgende Untersuchung kombiniert daher wachstumskundliche Grunderhebungen mit Zeitstudien und Kostenberechnungen zur Wertästung.

Die Birke gilt als Totasterhalter, da Dichtstand in der Jugend meist nicht zur vollständigen Astreinigung ausreicht. Gerade auf Sukzessionen verbleiben einzelne abgestorbene Äste ohne Ästung noch recht lange am Stamm. Unklar sind jedoch weitgehend der Zeitbedarf und die Kosten für solche Maßnahmen. Aus diesem Grund erfassten die Autoren auf sturmverursachten Sukzessionsflächen mit sehr hohem Birkenanteil die Ästigkeit dieser Baumart, führten Zeitstudien zur Wertästung durch, leiteten Kostensätze ab und untersuchten Zusammenhänge zwischen Arbeitszeiten und ausgewählten Baum- und Asteigenschaften (z. B. BHD, Anzahl der Äste, Astdurchmesser).

Methoden

Die Zeitstudie erfolgte nach der REFA-Methodenlehre. Es handelt sich um eine Arbeitsablaufstudie und einen Arbeitsversuch (d. h. Durchführung der Studie unter festgelegten, geplanten Bedingungen). Ein Zyklus entspricht der Wertästung eines einzelnen Baums. Die Arbeit an einer Birke wurde untergliedert in Arbeitsablaufabschnitte, die durch genau definiert Messpunkte getrennt werden (Tab. 1).

Tab. 1: Darstellung der Messpunkte der Arbeitsablaufabschnitte der Reinen Ästungszeit und der RAZ.
Darstellung der Messpunkte der Arbeitsablaufabschnitte der Reinen Ästungszeit und der RAZ
Wertästung an Birken mit dem Distel-Leitersystem
Abb. 1: Wertästung an Birken mit dem Distel-Leitersystem.

Folgende Zeiten wurden mit Stoppuhren gemessen: Reine Arbeitszeit (RAZ), allgemeine Zeiten (Rüst-, Pausenweg-, Verteil- und Erholzeiten) (AZ), Gesamtarbeitszeit (GAZ), sowie die reine Ästungszeit ohne Leiterarbeit für den Tot- und Grünastbereich. Es galt dabei wie üblich: RAZ + AZ = GAZ. Die Zeitmessung wurde im Einzelzeitverfahren mit Kontierung durchgeführt. Für die Kostenberechnung wurde der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, (Forstwirte, letzte Änderungstarifvertrag) verwendet. Zur Berechnung der Stundenlöhne diente eine monatliche Arbeitszeit von durchschnittlich 163,8 h bei 130 % Lohnnebenkosten. Abweichend von den üblichen Ansprüchen an die Durchführung von Zeitstudien erfolgt die Wertästung mit Lehrlingen des zweiten Ausbildungsjahres.

Ästigkeit in Birkensukzessionen

Die Untersuchungsflächen liegen im Staatswald des Rammerts, eines Höhenzuges des Neckarberglandes/Baden-Württemberg. Die insgesamt 149 bearbeiteten Birken stammen aus sekundärer Sukzession nach dem Sturm "Lothar" vom Dezember 1999. Die waldwachstumskundlichen Aufnahmen umfassten die Situation vor und nach der Wertästung (Tab. 2). Die Birken wiesen typische Baumkenngrößen für junge Sukzessionen auf: eine durchschnittliche Baumhöhe von 10,6 m, einen BHD von 10,1 cm sowie eine Höhe des Totastansatzes von 0,7 m (Lebendastansatzhöhe: 1,3 m) (Tab. 2). Die Verteilung der ästungswürdigen Birken auf den Sukzessionsflächen war sehr unregelmäßig.

Die Wertästung mit dem Distel-Leitersystem erfolgte im Mittel von 0,7 m auf 5 m am Schaft, der Totastbereich wurde dabei vollständig reduziert, der Grünastbereich um durchschnittlich gut 3 m eingekürzt (Abb. 1, Tab. 2). Vor der Ästung zeigten die Birken eine relative Kronenlänge von 81 % (nach Ästung 52 %). Im Durchschnitt wurden 29 % der grünen Krone entfernt (max. 47 %). Der durchschnittliche Astdurchmesser eines entfernten Grünastes betrug 13 mm (max. 33 mm). Die Anzahl der entfernten Äste je Birke schwankte sehr: im Mittel wurden 38 Äste/Baum entfernt.

Tab. 2: Wachstumskundliche Kenngrößen der Birken sowie der entfernten Tot- und Grünäste.
Wachstumskundliche Kenngrößen der Birken sowie der entfernten Tot- und Grünäste

Ästigkeit und Ästung

Dicker oder höher gewachsene Birken wiesen die nahezu gleiche Anzahl an entfernten Ästen auf wie dünnere oder niedrigere Bäume: offensichtlich unterscheiden sich locker stehende Birken-Sukzessionen in diesem Entwicklungsstadium noch nicht. Mit zunehmender Länge des durch die Wertästung reduzierten Kronenbereichs steigt jedoch die Anzahl der pro Birke entfernten Grünäste an (Abb. 2). Für Totäste gilt dies nicht, sie sind im Unterschied dazu in der gesamten Ästungszone zu finden.

Ästigkeit und Zeitbedarf

Die Gesamtarbeitszeit schwankt zwischen 5 und 10 min (GAZ,  = 9,9 min/Baum). Die reine Arbeitszeit (RAZ = 8,0 min/Baum), die Allgemeinen Zeiten (AZ = 1,6 min/Baum) und auch die Gesamtarbeitszeit zeigen wie schon die Anzahl der zu entfernenden Äste/Baum keinen Zusammenhang zur Baumhöhe und zum Brusthöhendurchmesser (Abb. 3). Daraus kann eine erste waldbauliche Konsequenz abgeleitet werden: Es ist sinnvoller, bei der Wertästung die dicken Birken zu bevorzugen, wenn schon keine Unterschiede in der Gesamtarbeitszeit und folglich damit in den Kosten zu erwarten sind.

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Anzahl der entfernten Äste/Birke (Grünäste, grün, Raute; Totäste, blau, Viereck), in Bezug zur Länge des Reduktionsbereichs insgesamt   Reine Arbeitszeit (blau, Viereck), Allgemeine Zeit (rot, Dreieck) und Gesamtarbeitszeit (grün, Raute), im Bezug zum BHD
Abb. 2: Anzahl der entfernten Äste/Birke (Grünäste, grün, Raute; Totäste, blau, Viereck), in Bezug zur Länge des Reduktionsbereichs insgesamt.   Abb. 3: Reine Arbeitszeit (blau, Viereck), Allgemeine Zeit (rot, Dreieck) und Gesamtarbeitszeit (grün, Raute), im Bezug zum BHD.
eine Arbeitszeit (grün, Raute) und reine Ästungszeit (blau, Viereck) in Abhängigkeit von der Summe aller entfernten Astdurchmesser
Abb. 4: Reine Arbeitszeit (grün, Raute) und reine Ästungszeit (blau, Viereck) in Abhängigkeit von der Summe aller entfernten Astdurchmesser.

Allerdings ist der Zusammenhang zwischen der Reinen Arbeitszeit, bzw. Reinen Ästungszeit und der abgeleiteten rechnerischen Größe "Summe aller Astdurchmesser aller entfernten Äste je Birke" enger (Abb. 4): Je mehr und zugleich je dickere Äste pro Baum entfernt werden müssen, desto mehr steigt die Reine Ästungszeit oder – etwas schwächer – die Reine Arbeitszeit. Die Reine Ästungszeit ist somit in erster Linie durch die Ästungshöhe (hier bis knapp 5 m) beeinflusst. Dies bedeutet auch, dass mit zunehmender Länge des Reduktionsbereiches, die nötige Bearbeitungsdauer zunimmt. Bedingt durch die unregelmäßig stehenden Birken in der Sukzession waren die Zusammenhänge zwischen der Gesamten Arbeitszeit und den Kennwerten der Ästigkeit sehr variabel.

Ästigkeit und Kosten

Mit den oben genannten Werten für die Gesamtarbeitszeit lassen sich für unterschiedliche Lohnstufen Kostensätze berechnen: Die Wertästung auf durchschnittlich 4,95 m kostet bei voll ausgebildeten Forstwirten über alle Stufen hinweg durchschnittlich 5,18 €/Baum (Stufe 1: 4,42 €/Baum, Stufe 6: 5,68 €). Für die Kosten pro Laufmeter ergeben sich bei den Forstwirten im Durchschnitt über alle Stufen 1,05 €/lfm.

Vergleich und Ausblick

Zur Wertästung an Laubbäumen liegen nur wenige Arbeitszeitstudien (GAZ) vor. In einer Untersuchung zur Wild-Kirsche mit dem Distel-Leitersystem wurde bei einer Ästungshöhe von 4,5 m zusammen mit dem zusätzlichem Anstrich der Schnittflächen 8,1 min bzw. 1,73 €/Baum benötigt. Bei der Schwarz-Erle mit Leiterästung auf 4,5 m berechnet der selbe Autor 3,4 Minuten bzw. 0,73 €/Baum. Auch bei der Eichen-Ästung wurde die Distel-Leiter zur Ästung auf 4,5 m verwendet und 5,4 Minuten bzw. 1,15 €/Baum gemessen. Andere Autoren verwenden für die Wertästung bei der Birke einen Zeitansatz von 8 min bei Kosten von 4 €/Baum und liegen damit nicht sehr weit von den hier gefundenen Werten.

Unterschiedlicher Zeitbedarf und Kostenangaben können vielfältige Ursachen haben: In Birkensukzessionen beeinflusst besonders der räumliche Abstand der zu ästenden Bäume die GAZ stark. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass bei der Arbeit mit voll ausgebildeten Forstwirten ein reduzierter Zeitbedarf und folglich auch reduzierte Kosten zu erwarten sind. Die hier gefundenen Zusammenhänge stellen jedoch eine erste, orientierende Entscheidungsgrundlage für die Wertästung der Birke dar. Eine Gegenüberstellung dieser Kosten mit den Mehrerlösen für geästetes Birkenrundholz steht noch aus. Ebenso bedarf es weiterer Einsichten in die Folgen der Ästung: Vor allem der Pilzeintritt in die Schnittflächen und wertmindernde Holzverfärbungen sollten beobachtet werden.

Über die Autoren

Elke Gregory ist Absolventin der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg und ausgebildete Forstwirtin. Hans Schlegel ist Revierleiter im Lkrs. Tübingen. Dr. Sebastian Hein ist Professor für Waldbau an der Hochschule für Forstwirtschaft, Rottenburg.

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