Der Wald auf Briefmarken

Viele Länder unterstreichen die grosse Bedeutung des Waldes durch die Herausgabe von Postwertzeichen mit Wald-Sujets. Briefmarken enthalten eine Botschaft und sind deshalb ein hervorragendes Mittel zur Öffentlichkeitsarbeit. Sie können auf eindrückliche Art auf die vielfältigen Funktionen und auf die Bedeutung der Wälder aufmerksam machen.

Das Sammeln von Briefmarken ist ein interessantes Hobby. Besonderes Glück hat, wer seine Freizeitbeschäftigung mit dem Beruf verbinden kann. Koni Häne, ehemaliger Förster an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, hat im Laufe der Jahre eine beachtliche Briefmarkensammlung zum Thema "Wald" zusammengestellt. Seine Sammlung "Wald und Forstwirtschaft" ist im Laufe der Jahre auf über 1000 A4-Albumseiten angewachsen und umfasst rund 200 Blätter für Briefmarkenausstellungen, sei es auf nationaler oder auf internationaler Ebene. Die umfangreiche Motivsammlung umfasst neun mehr oder weniger stark unterteilte Hauptgruppen.

Die Pflanzen- und Tierwelt des Waldes

In der ersten Hauptgruppe wird – wenn auch bei weitem nicht vollständig – die Pflanzen- und Tierwelt des Waldes dargestellt. Mit der Entstehung der ersten Pflanzen vor etwa 440 Mio. Jahren sowie der Unterteilung in Nadel- und Laubbäume, Sträucher, Blütenpflanzen, Pilze bis hin zu Moosen, Flechten und Farnen wird darin den Betrachtern ein Querschnitt durch die Pflanzenwelt gegeben. Die Vielfalt der Tierwelt kann, beginnend mit den Insekten, über einige Waldvogelarten, Nager und Hasen, Paarhufer bis zu den wichtigsten einheimischen Raubtieren, nur andeutungsweise dargestellt werden. Dieses Kapitel endet mit "Totholz lebt und ist für viele Tiere eine Lebensgrundlage".

Waldstrukturen und Bestandestypen

Das nächste Kapitel geht ausführlich auf die Waldstrukturen und Bestandestypen ein. Dabei werden die Unterschiede zwischen Hoch-, Mittel- und Niederwald, Gebirgswälder sowie verschiedene Bestandestypen wie Rein- und Mischbestände, gleichaltrige und ungleichaltrige Bestände sowie Urwälder dargelegt.

Verjüngung und Bestandesbegründung

Die eher kleine Hauptgruppe Verjüngung und Bestandesbegründung zeigt die verschiedenen natürlichen und künstlichen Verjüngungsarten des Waldes. Darin inbegriffen sind Saatgut, Pflanzennachzucht und -erziehung und verschiedene Pflanzmethoden.

Arbeitswissenschaft

Das Kapitel Arbeitswissenschaft umfasst die Bereiche Unfallverhütung, den manuellen und maschinellen Holzeinschlag, die verschiedenen Möglichkeiten des Holztransportes, sei es auf dem Land durch Menschen, Tiere und Maschinen, auf dem Wasser oder in der Luft, die Holzlagerung sowie das forstliche Ingenieurwesen mit Verbauungen, Vermessung und Kartierung des Waldes.

Forstschutz

Die Hauptgruppe Forstschutz macht auf die grossen und kleinen natürlichen "Feinde" des Waldes aufmerksam. Diese sind zunächst Naturgefahren wie beispielsweise Erosion, Überschwemmungen, Stürme, Dürren, Lawinen und Feuer. Als weitere "Waldzerstörer" folgen die tierischen und die pflanzlichen Schädlinge und deren Bekämpfung. Vor allem wegen der Umweltbelastung wird auch der Mensch zu den "Waldfeinden" gezählt und wird mit motivbezogenen Belegen zur "Umweltbelastung" eindrücklich dokumentiert.

Forstorganisation und Ausbildung

Im Kapitel Forstorganisation und Ausbildung werden private und öffentliche Forstverwaltungen, forstliche Gewerkschaften, Lehr- und Versuchswaldungen sowie Tagungen und Kongresse vorgestellt.

Forsterzeugnisse und ihre Verwendung

Die Hauptgruppe Forsterzeugnisse und ihre Verwendung behandelt die verschiedenen Holzsortimente sowie deren Verarbeitung und Nutzung. Daneben werden auch die vielen "Nebenprodukte" des Waldes gezeigt, so das Jagdwesen oder die Verwertung von Baumrinden. Weitere Nebennutzungen wie Schmuckreisig, essbare Waldpflanzen, aber auch Heilpflanzen und Kautschukgewinnung gehören ebenfalls dazu.

Wald und Mensch

Die zweitletzte Hauptgruppe ist, wie schon der Titel Wald und Mensch erahnen lässt, die umfassendste. Sie beginnt mit Naturund Landschaftsschutz, Pflanzen-, Umwelt- und Gewässerschutz sowie der Wasserversorgung. Mit Aufforstungsaufrufen, Waldtagen oder -wochen, dem Jahr des Baumes sowie Nationalparks wird dieses Kapitel fortgesetzt. Dass der Wald eine Erholungsstätte ist oder dass er Einfluss hat auf Religion, Kunst (Malerei, Musik, Literatur), Brauchtum und das Militär, belegen eine grosse Zahl philatelistischer Wertzeichen aus aller Welt! Für das Militär war die Bedeutung der Wälder während vergangener Kriege gross. So wurden für die Besorgung und Sicherstellung des Baustoffes Holz oft ganze Forstbetriebe vom Militär in Besitz genommen.

Wald als Namenspender

Den Abschluss der themenbezogenen Sammlung bildet das Kapitel Wald als Namensspender. Viele Ortsnamen, Ortsbezeichnungen und Regionen verdanken ihre Namensgebung dem Wald. So etwa Ortschaften wie Wald, Waldkirch, Waldstätte, Trachselwald (das sich vom "Wald der Drechsler" ableitet), Ob- und Nidwalden und viele mehr. Aber auch Ortsstempel mit Pflanzen- und Tiernamen wie beispielsweise Tann, Forch, Buchen, Eich, Eibenstock, Linden, Chêne, Bärau, Bern, Dachsen, Biberist, Biberach oder Rehetobel sind wichtige Bestandteile der Sammlung.

Interessant sind natürlich Ableitungen von Ortsnamen, die nicht sofort den Wald in den Vordergrund stellen, so Rüti, Rütli, Reute und Reutenen, welche ihren Ursprung der Landgewinnung durch "Waldrodung mit der Axt" zu verdanken haben. Als Gegensatz dazu seien die Ortsnamen Schwanden, Schwendi genannt, die auf die "Rodung mit Feuer" (im althochdeutschen = swentan; heute = schwinden) zurückzuführen sind. Eine weitere Bedeutung von "schwenten" bezieht sich zudem auf das "Entfernen der Rinde" an stehenden Bäumen.

Ausblick

Mag eine Motivsammlung noch so umfangreich sein, sie lässt sich nie vollständig abschliessen. Neuausgaben oder lange Zeit gesuchte Belege mit noch aussagekräftigeren Motiven als die bisherigen können die Sammlung laufend bereichern.

Die Vielfalt der Natur allgemein, speziell aber der vertiefte Einblick in den Wald mit seiner für ihn eigenen Ausstrahlung ist und bleibt faszinierend. Solch gewonnenes Wissen an die Liebhaber der Natur, speziell an die Waldfreundinnen und die Waldfreunde weitergeben zu können, macht die dringend nötige Öffentlichkeitsarbeit wirkungsvoll und bereitet Freude – nicht nur den Laien, sondern auch dem Förster.