Schon bei den ersten Schritten der Schadensbewältigung können sich folgende Fragen stellen:

  • Kann angefallenes Holz als Energieholz vermarktet werden?
  • Ist das Hacken des (Rest-) Holzes eine sinnvolle Alternative gegenüber der Aufarbeitung als Stamm-/ oder Industrieholz bzw. gegenüber dem Liegenlassen?
  • Müssen aufgearbeitete Flächen geräumt werden oder kann darauf verzichtet werden?

Zur Klärung dieser Fragen sollten folgende Überlegungen mit einfließen.

Hackschnitzelanfall und Nachfrage

Berechnung des theoretischen Angebots

  • Als Kenngröße kann davon ausgegangen werden, dass ca. 20% des geworfenen Nadelholzes und ca. 40% des geworfenen Laubholzes nicht als Rundholz verwertbar sind und damit theoretisch als Energieholzpotenzial zur Verfügung stünden.
  • Je nach geographischer Ausprägung sollten zudem eine Korrektur auf den Anteil befahrbarer Lagen erfolgen.
  • Ein weiterer Einflussfaktor sind die Vergabe von Selbstwerbeverträgen und die Erhöhung des Brennholzanteils.
  • Nach "Lothar" 1999 wurde in Baden-Württemberg davon ausgegangen, dass von den zunächst geschätzten 25 Mio. Fm Sturmholz 3 Mio. Fm Energieholzpotenzial zur Verfügung stünden.

Nachfrage

Die Nachfrage nach Hackschnitzel ist nach Regionen unterschiedlich und steigt durch den verstärkten Bau vor allem kommunaler Holzheizwerke an. Eine mögliche Übersicht gibt es bei Kommunen, evtl. können auch die höheren Forstbehörden Auskunft über die Nachfrage in der Region geben.
Allerdings sollte nach Katastrophenfällen bedacht werden, dass durch evtl. höheren Einschnitt der Sägewerke auch der Anteil an Sägeresthölzern steigt. Dies führt zu einem weiteren Angebotsschub, der möglicherweise nicht durch erhöhte Nachfrage ausgeglichen werden kann.
Nach "Lothar" 1999 lag deshalb das theoretische Angebot an Hackschnitzeln in Baden-Württemberg weit über der Nachfrage und der Engpass damit im Absatz der Hackschnitzel. Durch die zunehmende Anzahl an Holzheizkraftwerken muss dies aber bei einem künftigen Sturmereignis nicht zwangsläufig wieder so sein.

Notwendigkeit der Flächenräumung

Waldbaulich
Die waldbauliche Notwendigkeit einer Flächenräumung ist im allgemeinen nicht gegeben; selbst wenn eine Räumung, z. B. zur Neuanpflanzung zwingend erforderlich ist, so sollte sie aufgrund der Entstehung von Befahrungsschäden nur plätzeweise und nicht flächig erfolgen, es reicht i.d.R. das Zusammenschieben auf der Fläche auf Wälle bzw. Haufen.

Waldschutz
Im Sturmjahr selbst ist die Notwendigkeit der Hackung häufig nicht gegeben, da ein großes Überangebot an bruttauglichem Material besteht. Die Hackung kann nicht wirksam zum Absenken der Käferpopulation beitragen. Im Folgejahr ist das liegengebliebene Material dann i.d.R. nicht mehr fängisch. Nur dort, wo durch die Beseitigung bruttauglichen Materials vor Ausflug der Jungkäfer eine Käfergradation und damit eine Gefährdung benachbarter Bestände wirksam verhindert werden kann, und eine Insektizidbehandlung bruttauglichen Materials nicht in Frage kommt, ist das Hacken aus Waldschutzgründen zu empfehlen.

Sonstiges
Im Einzelfall kann gezieltes Hacken von Material entlang von Wegen bei der Vollbaumbringung sinnvoll sein. Sinnvoll ist der Einsatz also nur dort, wo mehrere der nachfolgenden Punkte zutreffen:

  • Wenn der Hackschnitzel-Absatz gesichert ist
  • Wenn ein kostengünstiges Arbeitsverfahren möglich ist
  • Wenn Waldschutz oder waldbauliche Gründe eine Räumung unumgänglich erscheinen lassen.

Arbeitsverfahren und Kosten der Hackschnitzelproduktion

Grundsätzlich werden im Wald zwei Haupt-Bereitstellungslinien unterschieden:

  • Hacken mit LKW-Hacker auf der Fahrstraße
  • Hacken mit auf Forwarder-Fahrgestellen aufgebauten Hackern auf der Rückegasse

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Aufbereitung von Fichten-Gipfeln mit Unternehmern. Im Einzelfall sind je nach Einsatzbedingungen und Hackertyp bei den Kosten große Streubreiten möglich.

Die hohen Kosten für das Vorrücken des Hackmaterials entstehen nur bei Rückegassenabständen von mehr als 20 m und lassen sich reduzieren, wenn es im Zuge der Aufarbeitung in den Kranbereich gebracht wird oder beim Hacken auf der Fahrstraße in der Zange des Schleppers zusätzlich zum Stammholz gerückt wird.
Das Hacken im Bestand außerhalb von Rückegassen sollte wegen der flächigen Befahrung unterbleiben.

Hacken mit LKW-Hacker auf der Fahrstraße/ an zentralen Plätzen
Kostengünstige Hackschnitzelproduktion ist vor allem dort möglich, wo große Holzmengen im Kranbereich von Großhackern erreichbar sind. Dies ist vor allem der Fall im Bereich von Wegen und Aufarbeitungsplätzen. Material aus der Fläche muss i.d.R. von der Rückegasse aus mit dem Forwarder an die Fahrstraße gerückt und dort konzentriert abgelegt werden.

Kosten (einschl. Mehrwertsteuer):

 Kosten (Stand 2000)Kosten (Stand 2000)Leistung
 €/Fm****€/Srm**** 
LKW-Hacker (130,-- bis 180,--€/Std.)12-165-920-40 srm/Std.
Vorkonzentration mit Forwarder entlang Fahrstraße18-134-6 
Vorrücken in den Kranbereich entlang der Rückegasse* (nur bei 40-m-Rückegassenabstand26-40 **5-9 **/
3-4 ***
 


Der Einsatz der Hacker wird häufig nach Stundensätzen abgerechnet.

Hacken mit auf Forwarder-Fahrgestellen aufgebauten Hackern auf der Rückegasse
Der Hacker fährt auf der Rückegasse und hackt das mit dem Kran erreichbare Material; die Reichweite beträgt je nach montiertem Kran 8(-10) m. Aufgrund des verhältnismäßig hohen Gewichtes ist der Einsatz bis max. 20 % Hangneigung möglich.

 Kosten (Stand 2000)Kosten (Stand 2000)Leistung
 €/Fm****€/Srm**** 
Forwarderhacker (bei Verwertung der Hackschnitzel)18-237-920-30 Srm/Std.
Forwarderhacker (Hacken und auf der Fläche verblasen)16-216-825-35 Srm/Std.
Vorrücken in den Kranbereich entlang der Rückegasse26-40 **5-9 **/
3-4 ***
 

* Bei 40 m Rückegassenabstand; günstiger, wenn Vorrücken im Rahmen der Aufarbeitung der Hauptsortimente erfolgt.
** bezogen auf das vorgelieferte Holz
*** bezogen auf die Gesamthackmasse

Durch den hohen Massenanfall auf den Sturmflächen können die hektarbezogenen Räumungskosten bis über 2.500,-- EURO betragen (Stand 2000).

Transport der Hackschnitzel in das Heizwerk

Für den Transport der Schnitzel zum Heizwerk sind nochmals ca. 2,5 – 4,5 € je Srm3 (Stand 2000) zu kalkulieren.

Zwischenlagerung

Aus organisatorischen Gründen und wegen der begrenzten Aufnahmefähigkeit des Hackschnitzelmarktes wird in vielen Fällen eine Zwischenlagerung nötig sein. Grundsätzlich muss unterschieden zwischen einer Lagerung als Rundholz und einer Lagerung als Hackschnitzel.
Die Rundholzlagerung ist dabei einfacher und kostengünstiger. Dabei sollte, sofern Lagerplatz vorhanden ist, Holz mit hohem Derbholzvolumen auf möglichst großen Haufen gelagert werden. Ideal wäre gleichörtige Polterung, damit sich das Holz nicht verkeilt. Für eine langfristige Lagerung besteht die Möglichkeit, das Holzpolter mit einem Spezialvlies (WISA-WRAP, bituminiertes Spezialpapier, das Papier wird später mit dem Holz zusammen gehackt) abzudecken. Es ist jedoch stets darauf zu achten, die Kosten so gering wie möglich zu halten.

Die Hackschnitzellagerung ist erheblich aufwändiger. Sie sollte auf die Lagerung nur des besten Materials begrenzt bleiben. Schwaches Derbholz mit hohem Nadelanteil oder stark verschmutztes Holz scheidet daher aus. Die an sich wünschenswerte überdachte Lagerung ist sehr kostenintensiv. Diese Mehrkosten können über die erhöhte Qualität nicht ausgeglichen werden. Wenn in Einzelfällen trotzdem in Gebäuden gelagert wird, sollte beachtet werden, dass eine gute Belüftung wegen der hohen Feuchtigkeitsverdampfung unumgänglich ist.
Die Lagerung im Freien ist für einen Zeitraum von max. 1 Jahr möglich, wenn folgendes beachtet wird:

  • Befestigter Untergrund zur Vermeidung der Durchmischung mit Erde und Steinen
  • Hohe Schüttkegel mit steilen Flanken
  • Keine Wassersäcke (Mulden im Kegel, die Regenwasser in den Haufen leiten)
  • Möglichst hohe Materialverdichtung
  • Möglichst keine Grünmasse, die den Zersetzungsprozess beschleunigt
  • Abdeckung nach ca. 6 – 8 Wochen mit Spezialpapier kann zur Heizwert-Erhöhung beitragen.

Für die Zwischenlagerung von Hackschnitzeln muss mit Mehrkosten von ca. 1,5 - 4,-- €/Srm3/a gerechnet werden. Hinzu kommen Kosten für den gebrochenen Transport von ca. 3,-- €/Srm3.

Betriebswirtschaftliche Bewertung

Den vorgenannten Kosten von je nach Verfahren zwischen 7,-- und 24,-- €/Srm3 frei Werk stehen Erlöse von max. ca. 10,-- € gegenüber. Die Vermarktung der Hackschnitzel ist vor einem Hackeinsatz auf jeden Fall abzuklären. Potentielle Abnehmer sind v.a. kommunalen Holzheizwerke.

Zusätzlich zu den direkten Erlösen können mit dem Hacken jedoch Einsparungen in anderen Arbeitsbereichen realisiert werden. Zulässig ist die Einbeziehung jedoch nur dann, wenn die kalkulierten eingesparten Aufwendungen auch wirklich erforderlich sind.
Denkbare Bereiche sind:

  • Geringere Folgegefahr durch Käfer (gilt nicht bei großem Angebot an bruttauglichem Material)
  • Verzicht auf motormanuelle Industrieholzaufarbeitung im Nadelholz mit Regiearbeitskräften
  • Verzicht auf das Kleinsägen von Gipfeln
  • Keine Flächenräumung erforderlich
  • Wald in Erholungsgebieten "aufgeräumt"

Betriebswirtschaftliche interessant könnte die Verwertungsvariante "Hackschnitzel" dann sein, wenn waldbesitzende Gemeinden im Besitz kommunaler Heizanlagen (Kindergärten, Bauhof etc.) sind.

Ratgeber Forstliches Krisenmanagement

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