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Dr. Norbert Bartsch

Uni Göttingen
Institut für Waldbau
Büsgenweg 1
D-37077 Göttingen

Tel.: +49 551 393676
Fax: +49 551 393270

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Artikel

Autor(en): Christian Kühne, Norbert Bartsch (Uni Göttingen)
Redaktion: FVA, Deutschland
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Verjüngung der Stieleiche am Oberrhein

Die Überflutungsaue stellt in ihrem derzeitigen Zustand ein labiles Ökosystem dar. Nachdem die Feldulme (Ulmus minor) für lange Zeit ausgefallen ist und unklar bleibt, inwieweit die Flatterulme (Ulmus laevis) diese ersetzen kann, bleiben als hochwassertolerante Baumarten nur die sich vegetativ vermehrenden Pappeln (Populus spec.) und Weiden (Salix spec.), sowie die sich ganz selten generativ verjüngende Stieleiche (Quercus robur).

Eichenmittelwald
Abb. 1: Ehemaliger Eichenmittelwald im Morgennebel. (Foto: FVA/Gössl)

Daneben gibt es eine weitgehend hochwassertolerante Strauchschicht, die in der Überflutungsaue wüchsiger ist als auf anderen Standorten. Die sich reichlich aus Samen verjüngende Esche (Fraxinus excelsior) fällt bei extremem Hochwasser immer wieder in großem Umfang aus oder zeigt Rindenschäden im unteren Stammbereich.

Diese alte Erfahrung (Esslinger 1911; Tubeuf 1912) konnte in neueren Untersuchungen bestätigt werden (Biegelmaier 2002; Späth 2002; Volk 2002). Der noch weniger hochwassertolerante Bergahorn (Acer pseudoplatanus, s. Literatur zur Esche) dürfte sich in der Überflutungsaue allenfalls auf höher gelegenen Kleinflächen einige Zeit halten, wenn auch nicht ohne beträchtliche Ausfälle und Schäden.

Überflutungsaue - schwieriger Standort für Naturverjüngung und Pflanzung

Auf den von der Wasserführung des Rheins stark beeinflussten Flächen der Überflutungsaue bieten Naturverjüngung und Saat für die Erhaltung der Stieleiche keine Möglichkeiten. Ursachen hierfür sind hohe Samenverluste durch Tiere, Hochwasser in der Vegetationszeit und Konkurrenz durch die Begleitvegetation (hier nicht dargestellt; S. Kühne 2005). Der Erfolg von Pflanzungen wird vor allem durch die Hochwassersituation im Jahr der Pflanzung bestimmt. Geringe Höhenunterschiede im Flächenrelief beeinflussen die Ausfallrate.

Exponierte Stellen wie etwa Mulden, Senken und Rinnen sollten deshalb nicht mit Eichen bepflanzt werden. Für die künstliche Verjüngung der Stieleiche kommt – auch aus ökonomischen Gründen – nur eine sorgfältige, das Pflanzmaterial schonende truppweise Heisterpflanzung in Betracht. Jedoch muss nach lang anhaltendem Hochwasser in der Vegetationszeit auch hierbei mit beträchtlichen Ausfällen gerechnet werden.

Naturverjüngung
Abb. 2: Reichlich Verjüngung von Ahorn und Esche, jedoch kaum Stieleiche. (Foto: FVA)

Gepflanzte Stieleichen benötigen ausreichend Licht um den Pflanzschock rasch zu überwinden und mit dem Höhenwachstum beginnen zu können. Trotz der von einem höheren Lichtangebot ebenfalls begünstigten wüchsigen Begleitvegetation erscheinen hierzu Lichtverhältnisse von mindestens 30 % des Freilandlichtes notwendig. In Buchenaltbeständen Südniedersachsens wurden in Femellöchern von 30 bis 50 m Durchmesser derartige Strahlungsbedingungen gemessen (vgl. Lüpke 1982; Schmidt et al. 1996; Lüpke 2004). Je nach Bestandesaufbau und den beteiligten Baumarten sind im Auenwald vergleichbare Lückengrößen zu wählen, um die Stieleiche kleinflächig einzubringen. Durch Absenkung des Bestockungsgrades auf 0,7 wurden in einem ähnlich strukturierten Nachbarbestand der Versuchsfläche Oberer Salmengrund Strahlungswerte von über 30 % des Freilandlichtes erreicht.

Auf den Untersuchungsflächen der Überflutungsaue fand sich zeitweise eine reichliche Naturverjüngung von Ulme, Esche und Bergahorn ein. Doch traten nach starkem Hochwasser hohe Ausfälle der Edellaubholzsämlinge, z. T. auch noch im Jungwuchsstadium, ein. Im Altbestand sind neben der Stieleiche vor allem Esche und in geringerem Maße auch Bergahorn, Silberpappel (Populus alba) und Silberweide (Salix alba) vertreten.

Ältere Eschen und Bergahorne zeigten auf den Untersuchungsflächen nach dem Hochwasser von 1999 ausnahmslos Rindenschäden im unteren Stammbereich, die bisher jedoch nicht zum Absterben der Bäume geführt haben.

Ständige Pflegemaßnahmen zwingend

Aus den Ergebnissen und Beobachtungen der durchgeführten Untersuchungen ergibt sich die Folgerung, die Standorte der Überflutungsaue zwischen Karlsruhe und Speyer waldbaulich extensiv zu behandeln und die Stieleiche nur sehr begrenzt durch Pflanzung einzubringen. Die Erhöhung des Stieleichenanteils ist nur unter sehr hohem Aufwand möglich. Auch dann gilt, dass ohne Nachbesserungen und ständige Pflegemaßnahmen die Stieleiche in den Rheinauenwäldern nicht nachhaltig erhalten werden kann.

Als künftiges Bestockungsziel sollte eine wechselnde Mischung von Esche, Pappeln und Silberweide mit einem geringen Anteil von Stieleiche und Wildobstbäumen (Malus sylvestris, Pyrus pyraster) angestrebt werden.

Die Erhaltung der Stieleiche in der durch Hochwasserdeiche geschützten Altaue durch Naturverjüngung, Saat und Pflanzung ist wenig problematisch. Die gegenwärtigen Wasser- und Nährstoffverhältnisse sind hierfür sehr gut geeignet. Die Verjüngungserfolge in der vorgestellten Untersuchung belegen, dass die von Lüpke (1995; 1998) und Hauskeller-Bullerjahn et al. (2000) entwickelten Ansätze zur kahlschlagfreien Verjüngung von Traubeneiche (Quercus petraea) unter Einbeziehung des Eichenvoranbaus bei ausreichender Pflege auch für die Stieleiche in der Altaue erfolgsversprechend sein können.

Die Stieleiche wird allerdings nur als Mischbaumart eine Rolle spielen. Als lichtbedürftige Art kann sie nur unter lichtem Schirm oder in größeren Femellücken verjüngt werden. Ebenso wie in der Überflutungsaue müssen die für Eichenpflanzungen geschaffenen Kronendachauflichtungen Schatten ertragende unterständige Bäume mit umfassen. Durch die Konkurrenz wuchskräftiger Begleitvegetation bedarf die Eiche ständiger Jungwuchspflege.

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