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Artikel

Autor(en): Wolfgang Jirikowski
Redaktion: BFW, Österreich
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Überlegungen zur Qualitätssicherung von Aufforstungsmaßnahmen

optimale Wurzelausbildung
Abbildung 1: Optimale gleichmäßige, dichte Bewurzelung als Voraussetzung für eine gute Bestandesentwicklung
schlechtes Wurzel-Spross-Verhältnis
Abbildung 2:  Das ungünstiges Spross/Wurzelverhältnis beeinträchtigt die Vitalität des Baumes

Nach den Schadereignissen der vergangenen Jahre wurden die Kalamitätsflächen verstärkt aufgeforstet. Kostendruck und die Forderung nach einer raschen Durchführung stellten die Verantwortlichen vor eine große Herausforderung. Die zentrale Frage ist es allerdings, inwieweit dabei eine für die künftige Bestandesentwicklung notwendige Qualität der Arbeit erreicht werden konnte. An der Forstlichen Ausbildungsstätte Ort des BFW wurden Überlegungen zur Durchführung eines Qualitätsaudits von Aufforstungsmaßnahmen angestellt.

Der Begriff Qualitätssicherung steht für unterschiedliche Ansätze und Maßnahmen zur Sicherstellung festgelegter Qualitätsanforderungen. Als Audit werden allgemein Untersuchungsverfahren bezeichnet, die dazu dienen, Arbeitsabläufe hinsichtlich der Erfüllung von Anforderungen und Vorgaben zu bewerten. 

Im Zusammenhang mit der Qualitätssicherung  kommt den Audits eine erweiterte Bedeutung zu. Sie dienen nicht nur der Erfassung von Sachverhalten, sondern geben den Verantwortlichen wichtige Rückmeldungen zur Gestaltung künftiger Arbeiten und sollen alle Beteiligten zu bestmöglicher Ausführungsqualität motivieren.

Durchführung des Qualitätschecks

Der nachfolgende Fragenkatalog ist für die allgemeine  Zustandserhebung von Kulturen im Jahr nach erfolgter Pflanzung gedacht. Er kann jedoch auch als Leitfaden zur Feststellung der Arbeitsqualität auf Wunsch des Waldeigentümers verwendet werden.

Für die Beurteilung von Aufforstungsmaßnahmen auf Sonderstandorten, wie beispielsweise im Schutzwald, ist dieses Schema allerdings nicht geeignet. Zur Durchführung dieses Qualitätschecks, der sinnvollerweise im Zweierteam erfolgt, ist mit einem Zeitaufwand von etwa einer halben Arbeitsstunde zu rechnen. An Hilfsmitteln werden neben dem Formblatt mit Schreibunterlage ein Spaten, Maßband, Schublehre sowie eine Federwaage benötigt.

Erhebung der Eingangsdaten

Zunächst werden die Eingangsdaten der zu überprüfenden Fläche erhoben. Neben den allgemeinen, für eine Kontrolle relevanten Informationen, wie Waldeigentümer, Revier, Waldort, sind auch Angaben zu Wuchsgebiet und Standortseinheit zu machen.
Weiters sollte der Zeitpunkt der Arbeitsdurchführung evident sein und ob es sich um eine Frühjahrs- oder Herbstpflanzung handelte. Außerdem sind das Datum der Qualitätssicherung zu vermerken und der Name des für die Durchführung der Aufforstung Verantwortlichen festzuhalten.

Bei Pflanzungen, die von forstlichen Dienstleistungsunternehmen durchgeführt wurden, ist der Name der Partie zu eruieren und festzustellen. Sofern für die Aufforstung eine Leistungsvereinbarung erstellt wurde, sollte auch diese in die Beurteilung einbezogen werden. Fehlt sie, dann ist das Vorsehen einer derartigen schriftlichen Übereinkunft ein wichtiger Ansatzpunkt bei künftigen Maßnahmen. Ein  schriftlicher Arbeitsauftrag sollte alle in der nachstehenden Liste formulierten Aspekte berücksichtigen (Artikel zur Abnahme von Pflanzgut und Pflanzung).

  • Schriftlicher Arbeitsauftrag vorhanden/vollständig? (ja/nein)
Fragen zur Erfolgskontrolle bei vorhandenem schriftlichem Arbeitsauftrag
  ja
nein
Wurde die Aufforstung kartenmäßig dokumentiert?           
Wurden Angaben zu Pflanzenherkunft, Anerkennungszeichen und Lieferant dokumentiert? 
   
Ist ein Abnahmeprotokoll für die durchgeführte Arbeit vorhanden? 
   
Wurden Nebentätigkeiten vereinbart?       
Wurde der Arbeitsauftrag eingehalten? 
   
War der Auftrag zweckmäßig/richtig – bezogen auf Heute?      
Wie erfolgte die Leistungsabrechnung (nach Stück/nach Zeit/nach Leistung und Arbeitsqualität)    

Beurteilung der Aufforstungseinheit

In einem weiteren Schritt sollte die Aufforstungseinheit gesamtheitlich beurteilt werden. Durch die Beantwortung nachstehender Fragen kann ein guter Überblick zum Gesamteindruck der Fläche gewonnen werden (starke Wurzeln, stabile Wälder).

Entenfuss
Abbildung 3: Einseitige Wurzeldeformation "Entenfuss"; die Stabilität des Baumes ist nachhaltig reduziert (Artikel zu Wurzeldeformation)
  • Flächengröße bis 1.000 bis 5.000 über 5.000 m²
  • aufgeforstetes Baumartensortiment (Angabe in 1/10 Anteilen)
  • geschätzte Zahl der gesetzten Pflanzen je Hektar (Stück/ha)
  • Wurden bei der Pflanzung auf kleinstandörtliche Gegebenheiten Rücksicht genommen?  (ja/nein)
  • Ist der gewählte Pflanzabstand in Ordnung?  (ja/nein)
  • Ist der vorgegebene Pflanzverband in Ordnung? (ja/nein)
  • Wurde im Pflanzverband Rücksicht auf die spätere Feinerschließung genommen? (Ausrichtung der Pflanzreihen)  (ja/nein)
  • Wurde die vorhandene Naturverjüngung bei der Aufforstung berücksichtigt? (ja/nein)
  • Verjüngungsziel aktuell
  • Übereinstimmung des derzeitigen Zustandes mit Pflanzziel gegeben? (ja/nein)
  • Ist die Baumartenwahl bezogen auf den Standort in Ordnung? (ja/nein)
  • Wurde die potentiell natürliche Waldgesellschaft beachtet? (ja/nein)
  • Wurde die richtige Pflanzenherkunft gewählt? (ja/nein)
  • Einzelpflanzung/trupp/gruppenweise/kleinflächige Mischung passend zur Baumartenwahl?  (ja/nein)

Schadensdiagnose

Bei Vorliegen von sichtbaren Schäden ist der Kulturerfolg unmittelbar infrage gestellt, sodass umgehend Maßnahmen zur Ursachenbeseitigung und Reduzierung von Schadfolgen eingeleitet werden müssen. Die Beantwortung der Fragen erfolgt gutachtlich.

  • Pflanzausfall (Beurteilung der Aufforstung bis 1 Jahr nach der Pflanzung): bis 5%, bis 10 %, über 10%
  • Wildschäden (Anteil der gesetzten Pflanzen – Schätzwert): bis 5 %, bis 10%, über 10 %
  • Wurde Schutz gegen Wildschäden vorgenommen?  (ja/nein)
  • Wurden sonstige Schäden an der Kultur festgestellt? Wenn ja, welche? (ja/nein)
  • Ist ein Nachbessern der Aufforstung erforderlich? (ja/nein)
  • Wenn ja, wie viele Pflanzen sind dazu notwendig? (Stück)

Beurteilung der Einzelpflanze

Anschließend wird die Aufmerksamkeit auf die einzelne Pflanze gelenkt. Dazu ist es erforderlich, die gesamte Fläche zu begehen. Für die Beurteilung der Setzqualität ist eine Anzahl von Forstpflanzen,  etwa im Mittelpunkt der Aufforstungsfläche,  auszuheben. Von dort ausgehend wird dann eine Prüflinie, die Pflanzenreihen schräg schneidend, gelegt und  eine Kontrolle an mindestens fünf Pflanzen vorgenommen.

 Kontrolle an mindestens fünf Pflanzen
  Pflanze 1 Pflanze 2 Pflanze 3 Pflanze 4 Pflanze 5
Steht die Pflanze gerade? (j/n)          
Setztiefe (Tag / Nacht Zone) (richtig – zu tief – zu seicht) 
         
Fester Sitz der Pflanze (Angabe der Zugfestigkeit daN)  
         
Wurde Pflanze in Baumschule unterschnitten? (j/n)  
         
Wurzelschnitt an Hauptwurzel? (j/n)    
         
Zustand der Hauptwurzel? (deformiert / nicht deformiert)                 
Ausrichtung der Wurzel im Boden? (gut/schlecht)             
Hauptwurzel erschließt den Mineralboden? (j/n)             
Zustand des Wurzelhabitus? (Klasse 1 – 2 – 3 – 4  lt. Abb.)         
         
Zustand der Seitenwurzel? (deformiert / nicht deformiert)
         
Konnte bei Containerpflanzung der Containerraum durchwachsen werden? (j/n)                 
 Wurzelformen
wurzelform1 wurzelform2 wurzelform3 wurzelform4
Wurzelform 1
Wurzelform 2
Wurzelform 3
Wurzelform 4

Nach erfolgten Wurzelgrabungen und Beurteilung der einzelnen Pflanzen ist mit der Beantwortung der folgenden Fragen ein Urteil über die Pflanzqualität zu fällen (deformierte Wurzel - Gefahr für Stabilität).

  • Beurteilung des Pflanzmaterials (Baumschulware, Containerpflanze, Wildlinge)
  • Pflanzenqualität, Spross zu Wurzelverhältnis, Wurzelhalsdurchmesser,  Knospenzahl, Stufigkeit
  • aufgeforstetes Pflanzensortiment  (Bezeichnung) Sämlinge, Verschulpflanzen
  • versetzte Pflanzengröße (in cm)
  • Angewendetes Setzverfahren (Angaben in 1/10) Lochpflanzung, Winkelpflanzung, Schrägpflanzung, Containerpflanzung, motormanuelle Pflanzung
  • Ist ausgeführtes Verfahren wurzel-/standortsangepasst? (ja/nein)

Gesamtbeurteilung der Aufforstung

Die Beantwortung der angegebenen Fragen führt zu einer Gesamtbeurteilung der Aufforstung und ermöglicht dem Auditor die Prognose, ob aufgrund der erhobenen Daten eine positive Bestandesentwicklung für die jeweilige Fläche als gegeben erscheint. Bei festgestellten Abweichungen sollten diese der Anlass zur Beseitigung, jedenfalls aber zu einer Verbesserung künftiger Aufforstungen sein.

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