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Stefan Tretter

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Fichten-Konzept der Bayerischen Staatsforsten (BaySF)

Die Fichte ist die häufigste Baumart im bayerischen Staatswald. Sie weist einen Flächenanteil von 46 Prozent und einen Vorratsanteil von 55 Prozent auf (Abb. 1). Etwa 170.000 ha (über 90 Prozent) der Fichtenfläche liegen außerhalb der natürlichen Verbreitung von Hochlagenfichtenwäldern.

Flächen- und Vorratsanteile nach Baumarten  
Abb. 1: Flächen- und Vorratsanteile der Baumarten im Staatswald der BaySF (Stand Juni 2008)

Risiken der Fichtenwirtschaft

Fichtenreinbestände besitzen ein hohes Risikopotential aufgrund ihrer Schadensanfälligkeit gegenüber Sturm und Insektenbefall. Daher weist die Fichte im bayerischen Staatswald den größten Schadholzanteil am Einschlag auf: in den vergangenen 15 Jahren betrug der ZE-Anteil (ZE = Zufällige Ergebnisse = außerplanmäßiger Holzeinschlag) circa 50 Prozent des Gesamtfichteneinschlages.

Für dieses Holz fallen höhere Holzerntekosten, Folgekosten durch Waldschutz- und Kulturmaßnahmen, Pflege usw. an. Gleichzeitig ist der Verkaufserlös aufgrund von Qualitätsverlusten geringer. Mehraufwendungen und entgangene Erlöse summieren sich auf mindestens 30 Euro je Erntefestmeter (€/Efm). Hochgerechnet auf die Hälfte des Fichtenhiebssatzes von 3,2 Millionen Efm, ergeben sich für die BaySF finanzielle Einbußen von rund 48 Millionen Euro im Jahr.

Darüber hinaus ist die Fichte die Baumart, die am stärksten von Klimawandel betroffen sein wird. Höhere Jahresdurchschnitts- temperaturen und ungleichmäßig verteilte Niederschläge (Starkregen- und Trockenphasen) schwächen die Fichte. Bereits heute sind in den wärmeren Gebieten Bayerns in Beständen mit führender Fichte vermehrter Borkenkäferbefall und steigende ZE-Anteile zu verzeichnen.

Grundsätze der Neukonzeption

Das Fichten-Konzept zielt letztlich auf die Umwandlung fichtendominierter Wälder in mischbaum-artenreiche Bestände mit dauerwaldartigen Strukturen. Fichten- und Fichtenmischbestände werden künftig konsequent und frühzeitig gepflegt. Es wird mäßig stark, dafür aber häufiger eingegriffen. Die Verjüngung wird beizeiten eingeleitet, Mischbaumarten werden rechtzeitig eingebracht. Der Verjüngungsgang erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte. Baumartenreiche Mischungen werden erhalten und ausgebaut. Dadurch sollen zum einen Sturm- und Borkenkäferschäden minimiert und zum anderen die Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit der Bestände erhöht werden.

Das Konzept

Fichten-Buchen-Tannen Verjüngung
Abb. 2: Aus einer gemischten Fichten-Buchen-Tannen Verjüngung sollen strukturierte und stabile Bestände entstehen (Foto: Archiv LWF).

Bei einer Oberhöhe von 12 Metern (Alter 25) werden 100 vitale, gesunde und gut geformte Zielbäume je Hektar (=Z1) positiv ausgezeichnet. Zielbaum kann sowohl eine Fichte als auch eine Mischbaumart, gegebenenfalls sogar ein "Biotopbaum", sein. Der konsequent geförderte, herrschende Z1 hat über seine gesamte Lebensspanne einen h/d-Wert von maximal 70, d.h. eine Kronenläge von 50 Prozent und mehr. Die Z1 werden mittels einer Zielbaumdurchforstung, also durch eine Entnahme von 1-2 Bedrängern pro Eingriff, zuwachsoptimal gefördert. Die Zwischenfelder bleiben unbehandelt, wodurch Bäume in unterschiedlichen Konkurrenzsituationen erhalten bleiben.

Aus dem Zwischenkollektiv wird ab einer Oberhöhe von 25 Metern (Alter 45) die nächste Generation der Zielbäume (Z2) ausgewählt und jeweils der stärkste Bedränger entnommen. Da damit gleichzeitig ein vitaler Zwischen- und Unterstand erhalten wird, wird die im Zwischenfeld angewandte Form der Hochdurchforstung als "Strukturdurchforstung" bezeichnet. Die Z2 ersetzen in der Phase der Zielstärkennutzung sukzessive die Z1-Bäume. In dieser Phase ist ein kleinflächiger Tannen-Voranbau möglich.

Ab einer Oberhöhe von circa 32 Metern (Alter 65) beginnt die Verjüngungsphase. Neben einem rechtzeitigen Voranbau von Tanne und Buche – die Fichte soll möglichst natürlich verjüngt werden – werden mit dem Erreichen der Zielstärke einzelne Bäume genutzt. Die Z2 werden bei Bedarf durch mäßige Eingriffe weiter gefördert. Der laufende Zuwachs soll abgeschöpft werden. Es erfolgt kein weiterer Vorratsaufbau. Wichtig ist auch, die Strukturen zu erhalten.

Dieses Behandlungskonzept greift bei stabilen Beständen. Für alle anderen Fichtenbestände mit erhöhtem Risiko muss das Grundkonzept der jeweiligen Situation angepasst werden. Dazu zählen:

Labile Bestände mit hohem Risiko: Die Maßnahmen entsprechen prinzipiell denen des Grundkonzepts. Allerdings erfolgt der Einstieg in die Verjüngungsphase deutlich früher (Alter 50). Es werden keine Z2 in der Altdurchforstung ausgewählt und gefördert. Diese werden gegebenenfalls in der Verjüngungsphase herausgearbeitet. Besonderes Augenmerk liegt auf dem frühzeitigen Voranbau von Tanne und Buche.

Bestände auf besonders klimasensiblen Standorten: Auch hier erfolgt bereits im Alter 50 der Einstieg in die Verjüngungsphase. Dabei werden konsequent Mischbaumarten eingebracht (über 50 Prozent). Die Fichtenbestände werden vorrangig in Bestände mit hohen Laubholzanteilen umgebaut. Der Fichtenanteil wird auf höchstens 50 Prozent begrenzt.

Bestände mit sonstigen Risiken und Sonderstandorte: Diese Bestände erfahren eine eigenständige Behandlung, die hier nur mit einigen Stichworten angegeben wird.

  • Bestände mit starken Schälschäden werden mit Hilfe starker Eingriffe rasch in Dimension gebracht
  • Bestände in stark schnee- und eisbruchgefährdeten Regionen werden ohne dauerhafte Z-Baumauswahl behandelt
  • in Beständen mit Fichtenblattwespenbefall wird die Verjüngung frühzeitig eingeleitet
  • auf Sonderstandorten (z.B. Moore) werden die vorhandenen Gruppen und Rottenstrukturen gefördert

Überprüfung des Konzepts mit dem Wuchsmodell SILVA

Entwicklungskorridor für Vorratshaltung
Abb. 3: Entwicklungskorridor für Vorratshaltung bei stabilen Standorten aus SILVA-Simulationen

Pretzsch (2008) hat das Fichtenkonzept mit dem Waldwachstumssimulator SILVA auf seine Umsetzbarkeit hin geprüft. Dies hat gezeigt, dass die vorliegenden Bewirtschaftungsgrundsätze in sich schlüssig und zielführend sind. Der maximale Vorrat wird auf 400 bis 500 Efm/ha begrenzt (Abb. 3). Die Entnahmemengen steigen mit zunehmendem Bestandesalter an, bis der gesamte laufende Volumenzuwachs abgeschöpft wird. Die Bestände weisen mehr Struktur und eine höhere Bestandessicherheit auf.

Bewertung der Behandlungsgrundsätze

einheitlicher Fichtenwald
Abb. 4: Solch einheitliche Strukturen, wie sie vielerorts in Bayerns Wäldern stehen, sollen der Vergangenheit angehören (Foto: Huber, pixelio.de).

Zukunftsfähig sind gemischte, strukturierte Wälder mit größerer Stabilität. Erste Erfahrungen zeigen, dass diese Behandlungsgrundsätze eine Chance für den Weg dorthin darstellen.

Positive Elemente des Konzeptes:

  • Förderung von Stabilität und Struktur
  • Einbezug von Mischbaumarten
  • Geringere Entnahmemengen pro Eingriff
  • Begrenzung der Höhe des stehenden Vorrats
  • Rechtzeitige Einleitung der Verjüngung bei geringeren Baumhöhen
  • Langfristiger Verjüngungsgang
  • Dauerwaldartige Strukturen

Bedingungen:

  • Frühzeitig beginnende Eingriffe
  • Intensiverer, strukturfördernder Durchforstungsturnus
  • Verzicht auf Akkumulation eines hohen stehenden Vorrates

Originalartikel

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