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Dr. Ralf Petercord

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Waldschutz
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D-85354 Freising

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Eindämmung des Eschentriebsterbens

"resistente" Eschen
Abb. 1: Prozentualer Anteil an "resistenten" Eschen in 20 Versuchsbeständen

Die dreijährige bayernweite Bonitur von über 1.000 Eschen zeigte eine deutliche, standorts- und altersunabhängige Vitalitätsabnahme. So führte im Jahr 2011 die Infektion mit dem "Falschen Weißen Stengelbecherchen" (Hymenoscyphus pseudoalbidus) und seiner Nebenfruchtform Chalara fraxinea beispielsweise zum Absterben von 20 Prozent der im Stangeholz befindlichen Eschen.

Allerdings wurden selbst in Beständen mit hohem Infektionsgrad potetiell resistente oder tolerante Individuen gefunden. Diese konnten in den letzten drei Jahren der Vitalität 0 (gesund) bzw. 1 (leicht erkrankt) zugeordnet werden (Abb. 1). Die Anzahl gesunder Bäume lag 2011 für die Versuchsbestände im Mittel bei sechs Prozent. Die weitere Entwicklung dieser Eschen wird in den folgenden Jahren Aufschluss über eine tatsächlich vorhandene Resistenz geben. Dann gilt es, diese Bäume gezielt zu fördern, um Samen zur Erzeugung resistenter Nachkommen zu gewinnen.

Diese Resistenzprüfung ist aber langwierig und ein Fortbestehen der Resistenz kann durch weitere Anpassungen des Pilzes nicht gewährleistet werden. Daher müssen Behandlungsmaßnahmen entwickelt werden.

Bodenbehandlungen gegen den Infektionsdruck

Neuinfektionen können nur verhindert werden, wenn es gelingt, in den Entwicklungszyklus des Pilzes direkt oder indirekt eizugreifen. Daher müssen Möglichkeiten gefunden werden, die Fruktifikation oder Sporulation zu unterbinden oder zumindest zu verzögern bzw. den Sporenflug einzudämmen. Ein möglicher Angriffspunkt sind die Blattspindeln der Eschen, die dem Pilz am Boden als Wachstumssubstrat dienen.

Experimente zu Kalkung und Beleuchtung
Abb. 2: Direkte oder indirekte Beeinflussung des Pilzwachstums durch Bodenbahandlungen; Kalkungsexperimente (links oben) und Beleuchtungsverhältnisse (rechts oben lichtundurchlässige, unten lichtdurchlässige Folie) (Foto: H. Lenz).

Durch Abdeckversuche mit Folien (Abb. 2) soll der Einfluss des Lichts auf das Pilzwachstum untersucht werden. Eine definiert Anzahl an Blattspindeln wurde unter lichtdurchlässiger bzw. lichtundurchlässiger Folie ausgebracht und das Pilzwachstum zu verschiedenen Zeiten quantifiziert. Erste Ergebnisse unterstützen einen Laborbefund, der auf die Lichtbedürftigkeit des Pilzes hingewiesen hatte. Fortführend werden nun verschiedene spindelabdeckende Laubbeimischungen untersucht. Diese könnten aufgrund unterschiedlicher Inhaltsstoffe bzw. der Ausbildung eines unterschiedlichen Mikroklimas Einfluss auf das Pilzwachstum nehmen. Langfristig könnte die Einbringung von Mischbaumarten das Pilzwachstum und die Fruktifikation einschränken oder gar hemmen.

Ein indirekter Ansatz wäre, die Verrottung der Blattspindeln zu beschleunigen und dem Pilz so seine Nahrungsgrundlage zu entziehen. Dazu wurden Kalkungsexperimente (Abb. 2) durchgeführt und der Spindelzustand sowie das Pilzwachstum beobachtet. Künftig soll der Einfluss des Bodens näher analysiert werden. Dünge- und Mangelversuche mit Stickstoff, Phosphor und andere Pflanzennährstoffen sollen zeigen, ob diese einerseits einen Einfluss auf die Zersetzung haben und ob andererseits die Eschen damit in ihrer Vitalität gestärkt werden können.

Ausbreitung über Sporenflug

Um die Verbreitung des Pilzes zu verhindern, sind Informationen über die Sporenverbreitung notwendig. 2011 wurden bereits im Mai die ersten Fruchtkörper von H. pseudoalbidus in allen Versuchsbeständen gefunden. Die Sporulation dauerte nachweislich bis mindestens September an. Sporendichte und -verbreitung wurden anhand von verschiedenen Sporenfängern untersucht. Einmal wurden Objektträger horizontal zum Boden in 40 Zentimeter Höhe angebracht, um den unmittelbaren Flug zu detektieren. Desweiteren wurden Höhengradienten befestigt, die den Sporennachweis in zwei bis zehn Metern Höhe ermöglichen. Sie lassen so Abschätzungen zum Gefährdungspotential in der Kronenhöhe älterer Bestände zu. Zusätzlich wurde die Anzahl der Sporen durch aktives Ansaugen über einen Ventilator alle sechs Stunden auf beschichteten Deckgläschen quantifiziert.

Sporulation
Abb. 3: Bestimmung der Sporendichte im 6-Stunden-Intervall; die blauen Pfeile markieren das Einsetzen dies Niederschlags.
 
Pilzanzucht
Abb. 4: Etablierung der Pilzanzucht unter Laborbedingungen (Foto: H. Lenz)
 
Eschenanzucht
Abb. 5: Eschenanzucht in der Klimakammer
(Foto: H. Lenz)

An allen Sporensammelstationen wurden die Temperaturen in verschiedenen Höhen, die Windgeschwindigkeit und der Niederschlag erfasst und in ihren Wirkungen auf den Sporenflug analysiert. Untersuchungen im Sommer 2011 zeigten, dass die Sporen vor allem nach Niederschlag freigesetzt wurden (Abb. 3).

Durch weitere Sporensammlung soll nun die Korrelation zwischen Niederschlagsereignissen und nachfolgenden Sporenflug bestätigt werden. Die Kenntnis über den Sporenflug könnte dazu beitragen, einen ökologisch und ökonomisch angepassten Behandlungszeitraum zu ermitteln.

Wirt und Pathogen

Die Sporen des Falschen Weißen Stengelbecherchens infizieren das Blattgewebe und die Spindeln und bilden ein Hyphengeflecht. Aus diesem wächst nach wenigen Tagen die Nebenfruchtform C. fraxinea aus, die für die folgende rasche Besiedlung des Wirtsgewebes verantwortlich ist. Untersucht werden soll, welche Keimfähigkeit und Infektiosität die Sporen nach unterschiedlichen Stressbehandlungen wie Trockenheit, Hitze oder Quellung besitzen. Daher wurde an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) eine Pilzanzucht zur Sporengewinnung unter Laborbedingungen etabliert (Abb. 4).

Da die genauen Bedingungen, die eine Infektion herbeiführen, nach wie vor unbeschrieben sind, sind künstliche Infektionsversuche vorgesehen. Dazu wurden Eschen in eine Klimakammer kultiviert (Abb. 5), die vor äußerem Sporenflug abgeschirmt sind. Nun sollen die abiotischen Faktoren ermittelt werden, die sich infektionsbegünstigend oder -hemmend auswirken. So lässt sich beispielsweise herausfinden, welche Blattnassdauer, Luftfeuchte, Temperatur oder Sporenmenge für eine Infektion benötigt wird.

Der Vergleich potentiell resistenter mit anfälligen Bäumen könnte den zugrunde liegenden Resistenzmechanismus klären. Sollten Unterschiede im Nährstoffgehalt der Blätter oder Hormonmengen gefunden werden, könnten damit potentiell resistente Bäume schneller ermittelt werden. Ein weiterer bedeutsamer Schritt ist die Suche nach Pilzen, die gegenüber dem Eschentriebsterben antagonistisch wirken.

Ausblick

Insgesamt zeigen sich vielfältige Ansätze zur Eindämmung des Eschentriebsterbens. Die Verbreitung der Krankheit erfolgt ausschließlich über Sporen. Diese werden bei der jährlichen Fruktifikation des Pilzes auf den letztjährigen Blattspindeln am Boden gebildet. Der Krankheitsverlauf am Einzelbaum wird maßgeblich über die jährliche Re-Infektion durch diese Sporen bestimmt. Gelingt es, diese Prozesse zu behindern oder gar zu unterbinden, kann der Krankheitsverlauf möglicherweise positiv beeinflusst werden. Die zwingende Notwendigkeit zur jährlichen Fruktifikation des Pilzes und die Re-Infektion der erkrankten Eschen sind damit Ansatzpunkte für Pflanzenschutzmaßnahmen. Das Vorkommen resistenter Eschen sowie die beschriebenen potentiellen Bekämpfungsmöglichkeiten können maßgeblich zum Erhalt der Eschen beitragen. Daher gilt es, die vorhandenen Forschungsansätze weiterzuverfolgen und konsequent zu fördern.

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