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Kompetenz-Netzwerk Klimawandel, Krisenmanagement und Transformation in Waldökosystemen (KoNeKKTiW)

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Forstökonomie

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D-79100 Freiburg

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Fax: +49 761 4018 333

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Artikel

Autor(en): Hansjochen Schröter, Holger Veit, Jutta Odenthal-Kahabka
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 67.067.067.067.067.0 (113)

Vorbeugung und Bekämpfung von Holzbrütern

Handbuch Sturm
Ratgeber "Forstliches Krisenmanagement"

Vor allem der Gestreifte Nutzholzborkenkäfer (Trypodendron lineatus) und der Sägehörnige Werftkäfer (Hylecoetus dermestoides) sind wichtige Vertreter der Holzbrüter, die zumeist an lagerndem Holz wirtschaftliche Schäden anrichten können.

Die Zunahme der Holzbrüterpopulationen in den letzten Jahren basiert auf folgenden Faktoren:

  • Der wirtschaftliche Druck und die hohen Kosten verlangen zunehmend rationalisierte Holzerntemaßnahmen. Durch die extensivierte Bewirtschaftung kommt es zur Anreicherung von Rest- und Totholz in den Flächen, die idealen Brut- und Lebensraum für holzbesiedelnde Insekten darstellen.
  • Holz aus Winterstürmen oder Wintereinschlag, das im Herbst/ Frühwinter anfällt und nicht abgefahren wird bzw. ungeschützt im Wald verbleibt, ist zur beginnenden Schwärmzeit im Frühjahr aufgrund der herabgesetzten Holzfeuchte extrem fängisch. Nach Sturmereignissen im Spätwinter bzw. Frühjahr, wie nach "Wiebke und Vivian", war das Holz insbesondere für die Besiedelung von frühschwärmende Arten noch zu feucht.
  • Auch mangelhaft beregnetes Nasslagerholz ist im Frühjahr besonders gefährdet.
  • Gegenüber dem langjährigen Mittel erhöhte Temperaturen begünstigen zusammen mit Trockenheit die allgemeine Entwicklung von Insekten und führen zu verkürzten Generationsabfolgen sowie zu größerer Disposition von Bäumen.
Werftkäfer-Larve
Abb. 1: Larven des Sägehörnigen Werftkäfers. (Foto: Holger Veit)

Allgemein vorbeugende Maßnahmen

  • Schnellstmögliche Abfuhr des (Nadel-) Holzes außerhalb des Waldes (oder in Laubwaldgebiete) während der Flugzeit und bei einsetzendem Befall.
  • Nutzung von Lagerorten ohne ortsbürtige Populationen: Lagerung außerhalb des Waldes, Meidung von Lagerplätzen mit Vorjahresbefall.
  • Rundholzlagerung: Trockenlagerung von entrindetem Holz, Nasslagerung auf Beregnungsplätzen oder Folienlagerung.

Objektschutz

Behandlung mit einem gegen Holzbrüter zugelassene Insektizid mit der Indikation "unmittelbar nach beginnendem Befall" zum Schutz von wertvollem Lagerholz. Diese Anwendung sollte auf wenige Ausnahmefälle auf der Basis von Vorjahres­erfahrungen begrenzt werden, etwa bei Gefährdung von wertvollen Hölzern (z. B. Eichenstammholz). Zur Zeit ist für den Sägehörnigen Werftkäfer nur das Mittel KARATE mit Zeon Technologie für den Einsatz bei festgestellter Gefährdung genehmigt und kann zur Schutzspritzung vor der Flugzeit an Nadel- und Laubholz eingesetzt werden. Im Falle von großen Schadereignissen wie z.B. "Lothar" erreichen die Forstbetriebe meist die Grenzen der organisatorischen Freiräume sowie der verfügbaren Personal-, Maschinen- und Lagerkapazitäten. Ein Holzbrüter-Befall kann daher nicht immer ausgeschlossen werden. Der Forstbetrieb steht bei wertvollen Holzsortimenten vor der Entscheidung, erhebliche ökonomische Einbußen auf Grund der Entwertung durch den Befall hinzunehmen oder Schutzmaßnahmen zur Erhaltung der Qualität zu ergreifen.

Ausblick allgemein

Werftkäfer können an Stöcken und Stubben aller bewirtschafteten Flächen (besonders in feuchten und schattigen Lagen) auftreten und sind somit potenziell fast flächendeckend vorhanden. Durch Stürme oder sonstige Großschadereignisse kann das Brutraumangebot jedoch drastisch erweitert werden. Deshalb ist davon auszugehen, dass der Sägehörnige Werftkäfer in erster Linie nach Sturmereignissen oder anderen Kalamitäten, die Holzaufarbeitungs- oder Absatzprobleme mit sich bringen können, größere Bedeutung erlangen kann. Im Rahmen des "normalen" Einschlaggeschehens, das die zügige Abfuhr von Stammholz einschließt, ist kaum ein gravierender Befall zu erwarten.

Ausblick auf die kommenden Jahre (Prognose für Baden-Württemberg)

Bei Sturmwürfen durch Winterstürme wird wegen der weiten Verbreitung des Werftkäfers in den nächsten Jahren ein hohes Befallsrisiko bestehen bleiben. Aus Sicht des Waldschutzes wird eindringlich darauf hingewiesen, dass besonders Stammholz oder Sturmholz wenn irgend möglich vor dem Beginn der Schwärmflüge (spätestens ab Ende März) zur Werterhaltung aus dem Wald abgefahren werden sollte. Wo dies nicht gewährleistet werden kann, ist ggf. der Einsatz von geeigneten Pflanzenschutzmitteln in Erwägung zu ziehen.

Leitfaden für den integrierten Waldschutz gegen Holzbrüter

  Ziele Grundsätze Maßnahmen
Saubere Waldwirtschaft
  • Reduktion der Reproduktionsrate der Holzbrüter durch Entzug von Brutraum
  • Vorbeugung
  • Planung der Arbeits-, Maschinen-, Holzabsatz- und Lagerkapazitäten
  • hoher Aufarbeitungsgrad

(z. B. mit Vollerntern)

  • zügige Holzabfuhr außerhalb Waldes
  • Verbrennen, Häckseln oder Mulchen von Restholz
  • keine Anhäufung von frischem Totholz
Rundholzlagerung
  • Qualitätssicherung bei wertvollen Sortimenten
  • nur wertvolle Sortimente, keine Kompromisse· nur frischesHolz· 120 % < Holzfeuchte halten < 30 %
  • kein Instrument ausschließlichzur Holzbrüterprophylaxe
  • grundsätzlich keineBekämpfungs­maßnahme gegen Rindenbrüter
  • Käuferwünsche beachten
  • Plätze in luftfeuchten Lagen (Bohrkäfer, Pilzbefall) und mit ortsbürtigen Holzbrüterpopulationen (Befall in Vorjahren) generell meiden (auch für kurzfristige Lagerung)
  • Keine Einlagerungbereits befallenen Holzes langfristig einlagern
  • Lagerung in Rinde:bei großen zu erwartenden Holzbrüterdichten zu hohes Risiko, Bedingungen nicht kontrollierbar, deshalb nicht zu empfehlen.
  • Trockenlagerungvon rasch entrindetem und starkem Nadelrundholz aus Wintereinschlag: Einlagerung bis März/April, Unter- und Zwischenlagen, luftige und warme Lagen, Halbschatten oder Überdachung, Polterlängsseite in Hauptwindrichtung, kontinuierliche Kontrolle notwendig, maximal eine Vegetationsperiode, siehe auch Merkblatt "Trockenlagerung"
  • Nasslagerung: Holz (unbehandelt!) zügig einlagern (innerhalb von 14 Tagen nach Einschlag), Holz mit Rindenbrüterbefall nur bei frühzeitiger Aufarbeitung (Krone noch intakt) einlagern
Befallskontrolle
  • Grundlage für Planung effektiver Gegenmaßnahmen (Befallsbeginn und -verlauf)
  • Bestimmung der Käfer-/Insektenart ist wegen unterschiedlicher Lebensweise und Maßnahmen konzeption sehr wichtig (im Zweifelsfall Beratung durch FVA Baden-Württemberg anfordern)
  • kontinuierliche Kontrolle während der gesamten Vegetationsperiode ab Mitte Februar (je nach Witterung, 12 °C); alle Holzbrüter (auch die Frühschwärmer) können bis in den Herbsthinein befallen
  • weißes Bohrmehl(artspezifische Konsistenz, Menge und Anhäufung auf der Stammoberfläche)
  • Einbohrlöcher(Durchmesser und Dichte) in Rinde (nicht bei allen Arten) und im Holz
  • Fraßgängez. T. in Rinde und Holz
Pheromonfallen
  • Monitoring des Schwärmverlaufes des Gestreiften Nutzholzborken­käfers(Terminierung der Befalls­kontrolle)
  • Fakultativ
  • Grundsätzlich nur Monitoring
  • Personal- und Materialplanung
  • eine Monitoringreihe pro Forstamt (Höhenzonierung muss abgebildet werden), gut erreichbar
  • ab Mitte Februar (wärmere Lagen)
  • nicht in unmittelbarer Nähe von Holzlagern
  • Kontrolle je nach Witterung und Schwärmverlauf alle 1-2 Wochen
  • Für Monitoring Einzelfalle, erhältliche Präparate z. B. Tryposan, Fa. Flügel
  • Regelmäßige Entleerung und Köderkontrolle

(2 Köder pro Vegetationsperiode), auf Beifänge achten
z. B. Bohrkäfer

  • Dokumentation (Schwärmverlauf)
Insektizide
  • Qualitätssicherung bei wertvollen Sortimenten(Objektschutz)
  • Schutz angrenzender Bestände (Objektschutz)
  • Rechtl. Grundlagen:Sachkundenach­weis, Abstand zu offenen Gewässern, Schutzgebietsverordnungen, Zertifi­zierungsregelung (FSC, PEFC), Arbeitsschutz
  • nur zugelassene Hilfsstoffe (Vorsicht: kein gesetzl. geforderter Wirkungs­nachweis
  • Mittelzulassung für verschiedene Schädlinge beachten
  • Käuferwunsche bachten
  • keine Vorbeugemaßnahme
  • Anwendung erst nach Ausschöpfung aller Alternativen
  • Nur bei unmittelbar drohender Gefahr (nach Feststellung des Erstbefalls), Käuferwunsche beachten
  • Behandlung von Rundholz mit und ohne Rinde
  • Keine Behandlung in der Fläche, Rundholz am Rückeweg / Waldstraße vorkonzentrierten
  • Zulassung sieht einzelstammweise Behandlung vor, Polterbehandlung führt in Abhängigkeit von der Polterhöhe zu geringeren Wirkungsgraden (3,5 m, ca. 60 % Wirkung), das Ergebnis wird aber i. d. R. von den Käufern akzeptiert
  • Terminierung der Maßnahme abhängig von der Lebensweise des Zielorganismus
  • Schutz angrenzender Bestände durch Vorausflugspritzung nur bei Holzbrütern, die zu Stehend­befall übergehen können (z.B. Lärchenbockkäfer, Fichtenbockkäfer, Holzbrüter an Eiche), gegebenenfalls Beratung durch die FVA anfordern
  • Kennzeichnung der behandelten Polter mit "SP & Datum", Dokumentation der Behandlung in den Holzlisten

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