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Bernhard Perny

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Artikel

Autor(en): Bernhard Perny
Redaktion: BFW, Österreich
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Hagelschäden an Bäumen

Hagelkörner
Abbildung 1: Große Hagelkörner in Niederösterreich im Frühsommer 2007

Hagelschäden machen in der Forstwirtschaft nicht so große Schlagzeilen wie Sturm und Schnee. Dennoch können die meist kleinflächigen Auswirkungen massiv sein. Hagel kann die Befallsdisposition für Schädlinge erhöhen und sogar das Absterben ganzer Bestände verursachen.

Hagelschäden in Wäldern finden selten den Weg ans Licht der breiten Öffentlichkeit, da fast nie große zusammenhängende Flächen wie bei Wind- oder Schneeschäden betroffen sind. Meist sind es kleine, lokal scharf abgegrenzte Gebiete. Wie in Wein- und Obstbau können jedoch auch Waldflächen durch Hagel massiv geschädigt werden (Abbildung 1 und 2).

Vom Hagel geschädigter Bestand
Abbildung 2: Fichtenwald auf der Koralpe/Kärnten, der 2006 durch Hagelschlag schwer geschädigt wurde

In Kärnten war eine Waldfläche so stark betroffen, dass die Forstbehörde nur noch die Räumung des betroffenen Waldes und dessen Wiederaufforstung empfehlen konnte.

In Österreich hat in den letzten Jahren die Zahl schwerer Hagelereignisse zugenommen. Auch heuer gab es wieder große Schäden durch Hagel, unter anderem im Frühjahr und Frühsommer mit Schwerpunkten in Niederösterreich (Abbildung 2), wo besonders auch in Christbaumkulturen große Schäden entstanden, sowie im Spätsommer in Kärnten und der Steiermark.

Schadwirkung von Hagel

Schäden an Laub und Nadeln: Vergleichsweise gering ist jener Schaden, der vor allem an Laubblättern, aber auch an Nadeln entsteht. Ab einer bestimmten Größe der Hagelkörner werden die Blätter durchschlagen. Die Blätter bekommen ein "zerfledertes" Aussehen und verfärben sich entlang der Risse.Wunden an Trieben und Zweigen mit Folgeinfektion: Durch den Aufprall erleiden Triebe und Zweige stumpfe Verletzungen, die später aufplatzen können und anschließend meist überwallt werden. Häufig werden geschädigte Triebe rasch von sekundären Pilzen befallen und sterben in der Folge meist bis zur Hagelwunde zurück ab (Triebsterbenspilze).

Stumpfe Wunden an Ästen und am Stamm: Wunden an grobborkigeren Baumteilen werden meist durch größere Hagelkörner verursacht, je nach Intensität entstehen stumpfe Verletzungen oder Platzwunden. Nach starken Hagelereignissen können jüngere Pflanzen oder Kronen älterer Bäume über die ganze Länge mit Wunden übersät sein. In der Folge kommt es zu einem partiellen Absterben der betroffenen Pflanzenteile, diese Nekrosen platzen rissig auf und Wundfäulepilze können über die Wunden in die Pflanzen eindringen.

Hagelschäden an Fichtennadeln Leittrieb durch Hagel gebrochen
Abbildung 3: Triebe und Nadeln von Abies nordmanniana durch Hagelschlag geschädigt Abbildung 4: Durch Hagel gebrochener Leittrieb in einer Christbaumkultur

Abschlagen von Trieben und Ästen: Ist die Energie der Hagelkörner groß genug, kommt es zum Abschlagen ganzer Triebe (Abbildung 3). Besonders ungünstig und schwer sind die Folgen, wenn der Wipfeltrieb betroffen ist (Abbildung 4). Diese Schäden führen zu Problemen in der Produktion von Christbäumen und Schmuckreisig, besonders wenn sie kurz vor der geplanten Nutzung auftreten.

Höhere Befallsdisposition: Hagelschlag schwächt aufgrund des Verlustes von Assimilationsmasse - in Abhängigkeit von Korngröße und Ereignisdauer des Hagels - im Allgemeinen die Pflanze. Da die Wurzeln voll leistungsfähig bleiben, kann die Pflanze bis zu einem gewissen Ausmaß diese Verluste relativ rasch ausgleichen. Allerdings weisen geschwächte Bäume eine erhöhte Disposition für den Befall durch sekundäre Schadorganismen auf.

Entwicklung und Befallsdisposition nach Hagelschlag

Die Entwicklung einer im Juli 1993 durch Hagel schwer geschädigten Fläche im Kärntner Gurktal wurde vom Institut für Waldschutz des BFW genau verfolgt. Betroffen war ein zirka 300 Meter breiter und mehrere Kilometer langer Waldstreifen zwischen St. Veit/Glan und dem Gurktal. Vor allem Kiefern, aber auch Fichten waren damals so stark verwundet, dass sie sich nicht mehr erholten und großteils entfernt werden mussten.

Die Lärche erholte sich erstaunlich gut, obwohl sie teilweise praktisch "astfrei" geschlagen wurde. Das während der nachfolgenden Aufforstung auftretende Rüsselkäferproblem dauerte allerdings lange an, da von den verbliebenen Bäumen immer wieder einzelne an Stress oder durch Fäule im Ast- und Stammbereich, ausgelöst durch die zahlreichen Hagelwunden, abstarben und so dem Rüsselkäfer immer wieder neues Brutmaterial zur Verfügung stand.

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