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Dr. Ralf Petercord

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Waldschutz
Hans-Carl-von-Carlowitz-Pl. 1
D-85354 Freising

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Ist er ´s oder ist er ´s nicht?

Behaarte Raupen, die an Eiche fressen und das in Gruppen – da läuten bei Waldschützern schon die Alarmglocken. Aber es muss nicht zwingend der Eichenprozessionsspinner sein, der hier frisst. Darum erst mal genau hinsehen!

Raupenspiegel
Abb. 1: Junge Raupen des Mondvogels fressen in sogenannten Raupenspiegeln. Durch die Behaarung können sie bei Fraß auf Eiche mit dem Eichenprozessionsspinner verwechselt werden (Foto: M. Kunz, wikipedia).

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) war in Bayern bisher hauptsächlich in den warmtrockenen Eichenwäldern der Fränkischen Platte verbreitet. Durch die Klimaerwärmung hat er sich sukzessive ausgebreitet und tritt in den letzten Jahren auch in Nordschwaben, in der Oberpfalz oder in Oberfranken auf. Vorkommen südlich der Donau waren bislang unbekannt.

Allerdings wurde zuletzt ein Verdacht auf Eichenprozessionsspinnerbefall südlich von München geäußert. Die Experten der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) wurden hellhörig: Ein Befall an Eiche und Raupen, die in Gruppen fressen – das spricht schon für den Eichenprozessionsspinner. Aber erst im Juli/August? Das spricht eher dagegen.

Des Rätsels Lösung

ältere Raupe
Abb. 2: Ältere Raupen sind schwarz, mit orangen Quer- und gelblichen Längsstreifen und einem V oder Y am Kopf (Foto: G. Slickers, wikipedia).

Bei der Ortsbesichtigung stellten sich die vermeintlichen Eichenprozessionsspinnerraupen dann als Raupen des Mondvogels oder Mondflecks (Phalera bucephala) heraus. Die schwarz-gelben Raupen des Mondvogels fressen in den Anfangsstadien gemeinsam an Blättern und sitzen in sogenannten Raupenspiegeln beieinander (Abb. 1). Sie werden bis zu 70 Millimeter lang, haben im Alter orangegelbe Quer- und gelbliche Längsstreifen. Der schwarze Kopf trägt ein gelbes V oder Y (Abb. 2) und beginnen erst in den letzten beiden Raupenstadien sich zu vereinzeln.

Falter im Geäst
Abb. 3: Die Falter ahmen mit ihrer Tarnfärbung ein abgebrochenes Ästchen nach und sind kaum zu entdecken (Foto: schmetterling-raupe.de).

Die Raupen sind äußerst polyphag und befressen verschiedenste einheimische und fremdländische Baum- und Straucharten. Besonders häufig an Salweide und Haselnuss, aber auch an Winterlinde, Eiche, Birke oder Aspe. Im Forstlichen Versuchsgarten Grafrath traten vor einigen Jahren Mondvogelraupen massenhaft an jungen Hickory-Heistern (Carya spec.) auf.

Biologie und Lebensweise

Die Falter des Mondvogels haben einen abgestutzten und gelbgefärbten Brustabschnitt und einen weiteren gelben Fleck auf den Hinterflügeln. Damit ahmen sie in Ruhestellung ein abgebrochenes Aststück nach (Abb. 3). Diese Tarnung ist so perfekt, dass die Falter ziemlich Bewegungslos den Tag im Geäst von Bäumen oder Sträuchern verbringen können. Nachts schwärmen sie dann aus, um sich zu paaren und ihre Eier abzulegen. Die Flugzeit erstreckt sich von Mai bis Ende Juli. Die Falter sind hauptsächlich in Laubwäldern, Parks und Gärten zu finden. Als Schmetterlinge nehmen sie keinerlei Nahrung mehr zu sich.

Falter mit Eiern
Abb. 4: Falter mit Eiern
(Foto: W. Müller, schmetterling-raupe.de)

20 bis 40 Eier legen die Weibchen im Mai oder Juni meist an die Blätter verschiedener Laubgehölze (Abb. 4). Die Raupen schlüpfen meist im Juli und verpuppen sich Ende September/ Anfang Oktober in einer mit Gespinst ausgekleideten Höhle im Boden. Die Puppe überwintert und im Mai des nächsten Jahres – manchmal auch erst des übernächsten – schlüpfen wieder die Falter.

Der Mondvogel ist wegen seiner außergewöhnlichen Tarnfärbung und des Verhaltens seiner Raupen ein interessanter Schmetterling; forstlich verursacht er jedoch keinerlei Schäden.

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