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Alois Zollner

LWF

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für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Jörg Müller
Redaktion: LWF, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Ein Berliner im Steigerwald

Der Goldene Prachtkäfer liebt es ausgesprochen warm

Goldener Prachtkäfer
Abb. 1: Der Goldene Prachtkäfer ist im Steigerwald entdeckt worden. Er lebt im besonnten Kronentotholz starker Altbuchen (Foto: J. Müller).

Der Goldene Prachtkäfer (Dicerca berolinensis, auch Berliner Prachtkäfer) konnte in den alten Rotbuchen des Steigerwaldes entdeckt werden. Aus Bayern sind nur wenige Altfunde aus dem 19. Jahrhundert bekannt, aktuelle Nachweise liegen nur aus den warmen Orchideenbuchenwäldern der Frankenalb vor.

Als stark wärmeliebende Art würde man den Käfer eigentlich nicht in den kühlen, schattigen Buchenwäldern vermuten. Doch im besonnten Totholz der Baumkronen starker Altbuchen ist es alles andere als kühl und feucht. An diesem Platz an der Sonne ist es extrem warm. Diese starken Totäste im Gipfelbereich findet man aber nur an Altbuchen, die mindestens 200 Jahre alt sind. Tote Gipfelbereiche sind ein Zeichen für den beginnenden langsamen Zerfall des Baumes. Während der Baum damit seinen ökonomischen Wert als wertvolles Holzprodukt immer mehr verliert, steigt seine ökologische Bedeutung gewaltig. Die angeblich artenarme Buche bietet in der Alters- und Zerfallsphase einer Vielzahl gefährdeter Insekten- und Pilzarten einen einzigartigen Lebensraum.

Bei Untersuchungen dieses wertvollen Kronentotholzes konnten Wissenschaftler der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) die unverwechselbaren Fraßspuren des seltenen Käfers an insgesamt drei Stellen nachweisen.

Dabei war der Steigerwald gerade nach dem Krieg beliebtes Urlaubsziel der West-Berliner. Durch die letzten Reste alter Buchenwälder konnte aber auch der Berliner Prachtkäfer überleben.

Tab. 1: Steckbrief des Goldenen Prachtkäfers
Gefährdung
Deutschland: RL 2 – stark gefährdet
Bayern:        RL 1 – vom Aussterben bedroht
Bestimmung
20-24 mm, metallisch bronzefarben
Gesamtverbreitung
Westsibirien bis Frankreich,
kontinentale Art, die den atlantisch getönten Bereich meidet

Fundmeldungen aus Deutschland (nach 1950) liegen noch aus Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg vor.

Biologie und Ökologie
Wirtspflanze: Rotbuche und Hainbuche

Räumliche Einnischung: besonnte Holzpartien am Übergang von lebendem zu totem Holz, bevorzugt stärkere, absterbende Äste im Kronenbereich

Lebensräume
buchenreiche, urständige Laubwälder, Eichen-Hainbuchenwälder, Orchideenbuchenwälder
Entwicklung
3-4 Jahre

Flugzeit: Mitte Mai bis Ende September

Ansprüche: hochgradig thermophil, Käfer schlüpfen erst ab einer Holztemperatur von 30 °C

Populationsentwicklung
In der Frankenalb kam es zu Populationsausweitungen als Folge von extremen Dürrejahren.
Schirmart Dicerca berolinensis
Der Käfer steht stellvertretend für eine ganze Artengemeinschaft, die an anbrüchiges Rotbuchenholz in besonnter Lage gebunden ist. Die Erhaltung alter Buchen mit starken abgestorbenen Totästen fördert die seltene Vierpunktameise (Dolichoderus quadripunctatus), den Mittelspecht, Halsbandschnäpper und viele andere.

Dr. Jörg Müller war Mitarbeiter im ehemaligen Sachgebiet Naturschutz der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Er ist seit 01.01.2006 in der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald tätig.

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