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Kompetenz-Netzwerk Klimawandel, Krisenmanagement und Transformation in Waldökosystemen (KoNeKKTiW)

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
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Artikel

Autor(en): Yvonne Hengst-Ehrhart
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Klimawandel als soziales und mediales Phänomen

KoNeKKTiW
BMEL BMU

Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. [Weisheit aus China]

Der Klimawandel ist nicht nur ein Phänomen "vor der Haustüre". Die Tatsache, dass es sich dabei um ein globales, vielschichtiges, langfristiges und vor allem konfliktbehaftetes Problemfeld handelt, wirft die Frage auf, wie der Klimawandel "in den Köpfen" aussieht. Damit gemeint ist sowohl die Wahrnehmung des Phänomens als auch die Frage, ob es auch hier einen Wandel gibt, der beobachtet oder sogar positiv beeinflusst werden kann.

Der Kontext in welchem verschiedene Gruppen über den Klimawandel kommunizieren, ist entscheidend dafür, welche Bedeutung ihm zugesprochen wird. Da die direkte Wahrnehmung von Klimaänderungen schwierig und regionale Prognosen häufig nicht verfügbar sind, ist es oft eher die Diskussion um den Klimawandel, die ihn real macht als das eigene Erleben.

Dies sagt jedoch nichts über die Existenz oder Nichtexistenz des Klimawandels aus, sondern vielmehr wo wir ihm begegnen. Die Frage ist, welche gemeinsame Wahrnehmungswelt über den Klimawandel teilen wir und was bewirkt diese in unserem Handeln?

Der Klimawandel hat seit bereits mehreren Jahrzehnten einen festen Platz in der regelmäßigen Berichterstattung. Während zu Anfang vor allem die Tatsache der Veränderung selbst und die Folgenabschätzung im Vordergrund standen, stehen heute die Themen Mitigation (=Abmilderung, häufig auch Klimaschutz genannt) und Adaptation (=Anpassung) im Vordergrund.

Der Klimawandel ist nicht nur ein Phänomen vor der Tür
Abb. 1: Der Klimawandel ist nicht nur ein Phänomen "vor der Tür". (Foto: FVA/Dännart, bearbeitet durch FVA/Hengst-Ehrhart)

Klimawandel in den Medien

Die Medien haben einen hohen Einfluss auf die Wahrnehmung des Klimawandels. Sie transportieren jedoch nicht nur die Ergebnisse der Forschung, vielmehr findet in der Medialisierung auch eine Transformation des Expertenwissens hin zu einem "gefilterten Bild" statt.

Die Wahrnehmung der Medienbotschaft ist nicht unabhängig vom Empfänger (die subjektive Bedeutung der Nachricht ist individuell unterschiedlich), vor allem politische Einstellung aber auch die Relevanz der Nachricht zur eigenen Biographie spielen dabei eine wichtige Rolle. Dennoch formen vor allem die Massenmedien ein geteiltes, oft widersprüchliches Bild des Klimawandels zwischen Katastrophenalarm und häuslichen Energiespartipps. Auch frühere Bedrohungen die nach anfänglich hohem Medieninteresse abflauten, bestes Beispiel ist das Waldsterben, haben einen großen Einfluss auf die Skepsis gegenüber dem Klimawandel. Die mediale Überflutung mit Weltuntergangs-Szenarien steigt heutzutage stetig an und führt nicht selten zu einer ablehnenden oder gleichgültigen Haltung.

„Wenn ein Worst-Case-Szenario nicht eintritt, dann ist das kein Beweis für Hysterie und Irrtum der Prognostiker – denn gerade wegen der Worst-Case-Szenarien könnte uns der Eintritt derselben erspart geblieben sein.“ [Quelle]

Dies verdeutlicht die Problematik der massentauglichen Medien im Hinblick auf komplexe Sachverhalte. Massenmedien neigen zur Generalisierung, differenzierte Meinungen werden kaum vermittelt. Dies führt bei einem mit Unsicherheiten behafteten Thema Klimawandel zwangsläufig zu verwirrenden und widersprüchlichen Aussagen. Darüber hinaus werden wissenschaftliche Ergebnisse häufig überzogen und dramatisiert dargestellt, selbst in den Nachrichten.

Expertendilemma

Medien beeinflussen jedoch nicht nur das Bild des Klimawandels selbst, sondern auch die Wahrnehmung wer ein relevanter Akteur ist. Die Auswahl von Interviewpartnern, Dokumentationsgegenständen und Kommentatoren bestimmt, wer im Namen des Klimawandels sprechen kann.

Die Gletscher im Alpenraum sind besonders vom Klimawandel betroffen.
Abb. 2: Die Gletscher im Alpenraum sind besonders vom Klimawandel betroffen. (Foto: FVA/Hengst-Ehrhart)

Die journalistische Neutralität und der Wunsch der Medien einen lebhaften Diskurs darzustellen vergrößert hier nicht selten die Ungewissheit zusätzlich: Unabhängig von deren Qualität wird zu jeder Studie eine Gegenstudie präsentiert, jeder Experte sieht sich in der Diskussionsrunde einem Gegenexperten gegenüber. Für den Betrachter entsteht der Eindruck, dass die Aussagen zu den Risiken entweder stark umstritten seien oder Experten sogar bewusst manipulieren wollen. Die Fülle an Deutungsmustern, die in den Medien angeboten werden, lässt eine fast beliebige Positionierung zum Thema zu.

Klimawandel "online"

Natürlich ist der Klimawandel auch im Internet angekommen. Nicht nur das, die Begriffe "climate change" und "global warming" gehören zu den fünf am häufigsten genutzten Schlüsselbegriffen in englischsprachigen Blogs und auf Twitter. Dies lässt sich durch die Anstrengungen sehr vieler Akteure erklären, die Aufmerksamkeit für dieses wichtige Thema zu erhöhen und direkte Wege zu nutzen, mit Personen in Kontakt zu treten. Die sozialen Medien haben daher längst den privaten Raum verlassen, vom Unternehmen über Parteien und Interessenverbänden bis zu den klassischen Medien, wird hier die Möglichkeit der Rückkopplung und Interaktion genutzt.

Dies hat jedoch auch eine deutliche Kehrseite: Das Internet steht nicht nur Quellen seriöser Information offen und so ist es für interessierte Nutzende oft schwer, Fakten von Gerüchten zu unterscheiden. Die neuen Medien eignen sicher daher eher, Meinung und Ideen zu verbreiten als fundierte Überlegungen zu kommunizieren. Ohnehin bleibt es den Nutzenden selbst überlassen, in der Fülle an medialen Angeboten, die Thematik völlig zu ignorieren oder sich Botschaften herauszusuchen, die der eigenen Anschauung entsprechen.

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