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Uta Schulte

Landesbetrieb Wald und Holz NRW

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Artikel

Autor(en): Uta Schulte
Redaktion: WUH, Deutschland
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Die Stechpalme auf dem Vormarsch

Stechpalme
Abb. 1: Blätter und Früchte der Europäischen Stechpalme (Ilex aquifolium). Foto: J. Preller
Stechpalmen NWZ Petersberg
Abb. 2: Die Ausbreitung der Stechpalme in der Naturwaldzelle "Petersberg" im Siebengebirge. Foto: U. Schulte

Die vielerorts zu beobachtende Zunahme immergrüner Arten wie der Stechpalme wird vielfach im Zusammenhang mit dem Klimawandel diskutiert. Im Folgenden wird die Ausbreitung der Stechpalme in einer nordrhein-westfälischen Naturwaldzelle skizziert.

Die Stechpalme ist als atlantisch-submediterranes Gehölz mit mild-humiden Klimaansprüchen (Callauch 1983) in der planaren und collinen Stufe des Rheinlandes weit verbreitet. Nach Pott (1985) wurde sie durch die Niederwaldwirtschaft stark gefördert und konnte in den Stockausschlagwäldern aufgrund des günstigen Lichtklimas oft dichte und hochwüchsige Bestände bilden.

In dem durchgewachsenen Kopfbuchenbestand der Naturwaldzelle (NWZ) Petersberg am klimatisch begünstigten Westabhang des Siebengebirges findet die Stechpalme optimale Lebensbedingungen. Auch mehrere Jahrzehnte nach Beendigung der Ramholzwirtschaft – hierbei wurden zur Gewinnung von Rebstecken im "Stickholzbetrieb" Rotbuchen geköpft und in einem meist 2- bis 4-jährigen Abtrieb die wieder ausgeschlagenen Stangen geerntet - und 20 Jahre nach Ende jeder forstlichen Nutzung nimmt ihre Bedeutung weiter zu.

Bei der Erstaufnahme 1987 war sie insbesondere auf den stark geneigten Hangpartien vertreten. Seitdem hat sie sich hangabwärts ausgebreitet. Auf dem ungezäunten Probestreifen hat die Fläche der Strauchgruppen um 30 % von 619,8 m2 auf 805 qm zugenommen. Auf dem gezäunten Probestreifen ist sogar eine Zunahme der Stechpalmenbestände von 122,2 m2 auf 557,6 m2 zu verzeichnen. Aufgrund ihrer Schattenverträglichkeit bleibt sie auch im geschlossenen Rotbuchenbestand trotz des ungünstigen Lichtklimas konkurrenzfähig. Dabei kommt ihr die Fähigkeit zur intensiven vegetativen Vermehrung durch Bewurzelung und Ausschlag am Boden liegender Zweige sowie der Verbissschutz durch ihre stacheligen Hartlaubblätter zugute.

Eine Ausbreitung der Stechpalme ist in zahlreichen Naturwaldzellen zu beobachten, wie beispielsweise in den Eichen-Buchenwäldern des Bergischen Landes, am Niederrhein und in den Hainsimsen-Buchenwäldern des Sauerlandes. Die vielerorts zu beobachtende Zunahme immergrüner Arten wird in der aktuellen Literatur vielfach im Zusammenhang mit dem Klimawandel diskutiert. Stetzka und Roloff (1996) führen aus, dass überdurchschnittliche Temperaturen im Herbst und Winter die Vegetationszeit verlängern, wovon in erster Linie Pflanzen profitieren, die in dieser Zeit noch grüne Blätter haben und Photosynthese betreiben können. Walther et al. (2005) beschreiben eine Erweiterung des Verbreitungsgebietes der Stechpalme in nordöstlicher Richtung als Folge der Klimaerwärmung. 

Strukturdiversität und Baumartenanteile
Abb. 3: Naturwaldzelle Nr. 57 "Petersberg": Strukturdiversität und Baumartenanteile von 1987 bis 2007 (N / ha)

Literatur

Callauch, R. (1983): Untersuchungen zur Biologie und Vergesellschaftung der Stechpalme (Ilex aquifolium). Dissertation, Universität Kassel.

Pott, R. (1985): Vegetationsgeschichtliche und pflanzensoziologische Untersuchungen zur Niederwaldwirtschaft in Westfalen. Abhandlungen des Westfälischen Museums für Naturkunde 47(4): 1-28.

Stetzka, K. und Roloff, A. (1996): Nützt Klimaerwärmung winter- und immergrünen Gefäßpflanzen? AFZ 51(4): 210-212.

Walther, G.-R.; Berger, S. und Sykes, M. T. (2005): An ecological ‘footprint’ of climate change. Proceedings of Royal Society, B 272: 1427-1432.

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