Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft
Abt. Waldschutz
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D-85354 Freising
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| Autor(en): | Cornelia Triebenbacher, Sandra Essbauer, Jens Jacob und Rainer Ulrich |
| Redaktion: | LWF, Deutschland |
| Kommentare: | Artikel hat 0 Kommentare |
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| Abb. 1: Rötelmäuse (Myodes glareolus) gehören zu den Hauptüberträgern des Hantavirus (Foto: J. Acker, pixelio.de). |
Anmerkung der Redaktion:
Der Artikel stammt zwar aus 2007, ist aber weiterhin aktuell. Auch in 2010 häuften sich die Hantavirusinfektionen in Bayern (vgl. www.lwf.bayern.de).
In 2007 nahmen die Meldungen über Hantavirus-Infektionen wieder deutlich zu. Vor allem Personen, die im Wald arbeiten, sind besonders gefährdet. Die Ansteckung erfolgt durch Kontakt mit Viren in den Ausscheidungen von Mäusen. Gerade in den Sommermonaten ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch.
In Bayern wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Fälle von Infektionen mit Hantaviren gemeldet, vor allem in Unterfranken, im westlichen Mittelfranken und im östlichen Niederbayern. Gegenüber den Vorjahren ist die Anzahl der gemeldeten Fälle deutlich gestiegen. Im ersten Halbjahr 2007 infizierten sich in Bayern bereits 137 Menschen.
Die Erreger werden von Nagetieren auf den Menschen übertragen. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Die infizierten Tiere erkranken selbst nicht, scheiden jedoch das Virus über Urin, Kot und Speichel aus. Der Mensch nimmt das Virus meist über kontaminierte Aerosole (=feste oder flüssige Schwebteilchen in der Luft) auf. Die Hauptüberträger sind Mäuse. Für eine Übertragung dieser Viren durch Hunde und Katzen auf den Menschen gibt es bisher keine Hinweise, auch wenn diese Tiere bereits infiziert sind.
Hantaviren verursachen beim Menschen typischerweise Nierenfunktionsstörungen. Je nach Virustyp fallen die Krankheitsbilder jedoch unterschiedlich schwer aus. In Deutschland wurde bisher keine tödlich verlaufene Infektion mit dem Hantavirus beschrieben. Eine Infektion wird oft von grippalen Anzeichen wie hohes Fieber, Muskel-, Kopf- und Bauchschmerzen begleitet.
Bei schweren Krankheitsverläufen kann es zu einem akuten Nierenversagen kommen. Meist verläuft die Krankheit jedoch mit unspezifischen Symptomen und wird deshalb gar nicht oder nicht als Hantavirus-Infektion diagnostiziert. Die Diagnose wird in der Regel anhand des Nachweises von spezifischen Antikörpern im Blut gestellt.
Vermutlich steht eine hohe Populationsdichte der Mäuse mit regionalen Ausbrüchen von Hantavirus-Infektionen im Zusammenhang. In Bayern geht die große Zahl humaner Infektionen mit einer starken Vermehrung von Rötelmäusen und hoher Hantavirus-Durchseuchung der Rötelmauspopulation einher.
In bestimmten Regionen Bayerns war wegen der Zunahme der Zahl und Größe forstlicher Schadflächen und der Verlichtung der Wälder durch Sturm oder Borkenkäferbefall sowie aufgrund der milden Witterung zu Beginn des Jahres 2007 mit einer Zunahme der Rötelmauspopulationen zu rechnen. Eine weitere Ausbreitung des Rötelmaus-assoziierten Hantavirus (Puumala-Virus) bei Rötelmäusen und eine Häufung von Infektionen beim Menschen könnten daher möglich sein. Auch in Regionen, aus denen bisher keine humanen Fälle von Hantavirus-Infektionen gemeldet wurden, können diese Viren in den lokalen Nagetierpopulationen vorkommen.
Es gibt bisher keine gegen das Virus wirkende Therapie. Bisher sind nur Symptombehandlungen möglich. Nach überstandener Erkrankung bleiben bei den Patienten keine bleibenden Schäden zurück. Die Phase der Genesung kann jedoch mehrere Wochen bis Monate dauern. Eine Impfung gegen Hantaviren steht ebenfalls nicht zur Verfügung.
Da es derzeit keine Therapie gegen das Virus und auch keine
Impfung gibt, bleibt als einziges Mittel um das Infektionsrisiko zu senken, den
Kontakt mit den Erregern möglichst zu vermeiden. Der Ansteckungsweg (Ausscheidungen
von Nagetieren, Einatmen) deutet bereits an, dass das Kontaktrisiko bei allen
Gelegenheiten hoch ist, bei denen mit Mäusekot oder –urin verseuchter Staub
entstehen kann. Naheliegende Beispiele sind das Reinigen von Schuppen, Jagd- und Diensthütten, Lagerräumen, Kontrolle
von Mäuseködern etc. Mögliche Schutzmaßnahmen sind Gummihandschuhe, Mund- und Nasenschutz
und Staubvermeidung durch Lüften oder Befeuchten.
Cornelia Triebenbacher war Mitarbeiterin im ehemaligen Sachgebiet Waldschutz der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).
Koautoren:
Dr. Sandra S. Essbauer (Institut für Mikrobiologie der
Bundeswehr),
Dr. Jens Jacob (Biologische Bundesanstalt für Land- und
Forstwirtschaft) und
Dr. Rainer G. Ulrich (Friedrich-Loeffler-Institut)