Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Waldschutz
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| Autor(en): | Diana Weigerstorfer |
| Redaktion: | FVA, Deutschland |
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Bei der Japanischen Esskastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus Yasumatsu) handelt es sich um einen Quarantäneorganismus, der im Gegensatz zum inzwischen massiv auftretenden Esskastanien-Rindenkrebs (s. "Der Esskastanien-Rindenkrebs") bisher noch nicht in Deutschland beobachtet worden ist. Die Japanische Esskastanien-Gallwespe stammt aus Südchina. Von dort aus wurde sie über Korea und Japan nach Nordamerika eingeschleppt. 2002 wurde sie in Norditalien (Piemont) festgestellt. Seither haben sich die Befallsherde trotz verschiedener Bekämpfungsmaßnahmen stetig erweitert. 2005 trat die Japanische Esskastanien-Gallwespe erstmals in Slowenien auf. Im Mai 2009 wurde der erste Nachweis eines Befalls aus dem Südtessin in der Schweiz gemeldet (s. "Die Edelkastanien-Gallwespe hat das Tessin erreicht"). Vorläufige Notfallmaßnahmen gegen die Japanische Esskastanien-Gallwespe sind seit dem 27.6.2006 für alle Mitgliedstaaten der EU vorgeschrieben [1].
Das vorrangige Ziel aller beschlossenen Maßnahmen ist es, die Verschleppung dieses gefährlichen Schädlings an der Esskastanie aus den bisherigen befallenen Gebieten zu verhindern. Mit jährlichen amtlichen Untersuchungen ab dem Jahr 2006 in allen Mitgliedsstaaten soll die Verbreitung der Japanischen Esskastanien-Gallwespe überwacht werden. In Baden-Württemberg wird die Untersuchung im Wald in die jährliche Schädlingsmeldung der Landesforstverwaltung integriert.
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| Abb. 1: Gallen der Japanischen Esskastanien-Gallwespe an Blüten- und Blattknospen. (Foto: EuropeanPlant Protection Organisation EPPO) |
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| Abb. 2: Verkrüppelte Blätter durch den Befall mit der Japanischen Esskastanien-Gallwespe. |
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Abb. 3: Beschädigte Knospen durch den Befall mit der
Japanischen Esskastanien-Gallwespe. (Fotos 2+3: D. Weigerstorfer) |
Befallen werden mehrere Arten der Gattung Castanea (Edelkastanien). Dazu gehört die bei uns im Wald, in der offenen Landschaft und in Siedlungsgebieten heimische Esskastanie Castanea sativa. Außerdem sind anfällig: C. crenata (Japanische Edelkastanie), C. dentata (Amerikanische Edelkastanie), C. mollissima (Chinesische Edelkastanie), C. seguinii (kein dt. Name bekannt) und alle Hybriden aus diesen Arten. Es gibt bisher nur erste Hinweise auf resistente Herkünfte [3]. Andere Edelkastanienarten oder Baumarten sind nicht betroffen. Befallen werden alle Altersstufen ab dem Alter von 2 Jahren.
Die Japanische Esskastanien-Gallwespe verursacht bei den befallenen Edelkastanien Zuwachsrückgänge und gravierende Ernteausfälle (Maronen) bis zu 70 %. Aus Nordamerika und Italien wird berichtet, dass befallene Bäume bei sehr schweren Befall und/oder zusätzlichen Stressfaktoren absterben können. Im südasiatischen Raum ist das Schadpotential der Japanischen Esskastanien-Gallwespe aufgrund eines dort vorhandenen wirksamen Parasitoidenkomplexes geringer. Vergleichbar effektive heimische Gegenspieler sind in Europa bisher nicht aufgetreten [2, 3]. Im Befallsgebiet Piemont in Italien wurden jedoch 2006 Parasitoide aus seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet zur biologischen Bekämpfung des Schädlings freigesetzt.
Während des Austriebs beginnen sich Gallen an Blatt-,
Blüten- oder Sprossknospen zu entwickeln. Sie sind in ihrem endgültigen Zustand
zwischen 5-20 mm groß, grün bis leuchtend rosafarben (Abb. 1).
Die Gallen
verhindern eine normale Gewebeentwicklung, so dass die Blätter des befallenen
Baumes verkrüppelt wirken (Abb. 2).
Die Fruchtbildung kann durch den Befall von
Blütenknospen drastisch reduziert werden [4]. Manche Knospen treiben nur noch
ansatzweise aus (Abb. 3).
Beim Öffnen der Gallen findet man je nach Jahreszeit Kammern mit Larven, Puppen oder erwachsenen Gallwespen sowie die Entwicklungsstadien ihrer Parasiten.
Die Japanische Esskastanien-Gallwespe entwickelt eine Generation im Jahr. Sie vermehrt sich parthenogenetisch, also ohne Beteiligung männlicher Exemplare. Männchen wurden noch nie beobachtet.
Ab Ende Mai bis Ende Juli schlüpfen die erwachsenen, nur wenige Millimeter großen, schwarzen Gallwespen und legen anschließend über 100 Eier in kleinen Paketen in die frisch angelegten Blatt- und Blütenknospen der Edelkastanien. In einer Knospe können 20-30 Eier abgelegt werden. Nach wenigen Tagen stirbt die Gallwespe.
Die Eilarve schlüpft nach 30-40 Tagen und entwickelt sich im Verlauf der nächsten Monate nur langsam. Sie überwintert in den Spross-, Blatt- und Blütenknospen.
Während des Austriebs der Knospen im darauf folgenden Frühjahr (wetterabhängig etwa ab April) beschleunigt sich das Wachstum der Larve. Dabei verursacht sie an den neuen Trieben die Bildung der Gallen.
Die Larven fressen 20-30 Tage lang in der Galle. Abhängig von Meereshöhe und Exposition verpuppen sich die Larven Mitte Mai bis Mitte Juli und schlüpfen wenig später als erwachsene Weibchen.
Die Japanische Esskastanien-Gallwespe wird nach bisherigem Stand des Wissens vor allem durch den absichtlichen oder unabsichtlichen Transport von Pflanzen oder Pflanzenteilen wie Äste oder Zweige mit Knospen oder Gallen, nicht jedoch der Früchte oder Samen, verbreitet [3]. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Befallsherde kann bis zu 25 km im Jahr betragen. Das natürliche Flugvermögen der Gallwespe ist nicht gut ausgeprägt. Verbreitung durch Windverdriftung ist bei diesen leichten Insekten jedoch ebenfalls anzunehmen.
Die Einschleppung nach Nordamerika und nach Europa erfolgte wahrscheinlich mit kontaminiertem Baumschulmaterial.
Die Kommissionsentscheidung verpflichtet die Mitgliedsstaaten der EU zur jährlichen amtlichen Überwachung der Esskastanien. Für den Wald in Baden-Württemberg wird diese Untersuchung in die jährliche Schädlingsmeldung der Unteren Forstbehörden unter Punkt 886 aufgenommen. Fehlanzeige ist bei diesen Meldungen unbedingt erforderlich.
Bei nachgewiesenem Befall müssen von den zuständigen Behörden unverzüglich weiterführende Maßnahmen ergriffen werden, wie sie im Anhang der Kommissionsentscheidung 2006/464/EG beschrieben sind.
[1] Entscheidung der Kommission vom 27.6.2006 über
vorläufige Notmaßnahmen zum Schutz der Gemeinschaft gegen die Einschleppung und
Verbreitung von Dryocosmus kuriphilus Yasumatsu. (Bekannt gegeben unter
K(2006) 2881) 2006/464/EG. In: Amtsblatt der Europäischen Union L183/29-L183/32
ff vom 5.7.2006 [2] AEBI A.; SCHÖNROGGE; K.; MELIKA; G.; ALMA; A. ; BOSIO; G.; QUACCHIA; A.; PICCIAU; L.; ABE; Y.; MORIYA; S.; YARA; K.; SELJAK;
G.; STONE; G. N. (2006): Parasitoid Recruitment to the Globally Invasive
Chestnut Gall Wasp Dryocosmus kuriphilus. Unveröffentlicht. [3] BOSIO, G.
(2004): Pericolo cinese per il castagno italiano. Edizioni l'Informatore
Agrario Srl 71-72 Verona, Italia. Informatore Agrario 2004, S. 60(26). [4] MELIKA, G.;
BRUSSINO, G.; BOSIO, G.; CSOKA, G. (2003): Szelidgesztenye-gubacsdarazs
(Dryocosmus kuriphilus Yasumatsu 1951 - Hymenoptera: Cynipidae), a
szelidgesztenye uj kartevoje Europaban (Chestnut gall wasp (Dryocosmus
kuriphilus Yasumatsu 1951 - Hymenoptera: Cynipidae), a new pest of chestnuts in
Europe.). Budapest, Hungary. Agroinform Kiado Novenyvedelem 2003, 39(2):
S. 59-63