Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Waldschutz
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| Autor(en): | Berthold Metzler |
| Redaktion: | FVA, Deutschland |
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| Abb. 1: Absterbeerscheinungen der Krone nach einer Infektion mit C. parasitica. Foto: B. Metzler (FVA) |
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| Abb. 2: Wasserreiserbildung. Foto: B. Metzler (FVA) |
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| Abb. 3: Rindennekrosen durch C. parasitica. Foto: B. Metzler (FVA) |
Die Esskastanie ist eine wärmeliebende, landeskulturell wichtige Baumart, die in zunehmendem Maß auch für die Gewinnung von Wertholz eine Rolle spielt. Sie stockt in Baden-Württemberg überwiegend an den Westhängen von Schwarzwald und Odenwald. Auf den Sturmwurfflächen von Vivian/Wiebke und Lothar ist sie sehr konkurrenzstark und sie könnte von einer weiteren Klimaerwärmung profitieren. Jetzt gefährdet aber eine invasive und aggressive Rindenkrankheit diese positiven Aussichten.
Die Pilzart Cryphonectria parasitica, die ursprünglich aus Ostasien stammt, verursacht einen Rindenkrebs. Die Infektion führt zunächst zu einer Rindennekrose, welche zu einer Minderversorgung von Ästen und somit zu Kronenverlichtung führt. Wenn der Stamm betroffen oder sogar geringelt wird, stirbt die Krone ab (Abb. 1). Unterhalb der Befallsstelle kommt es zur Bildung von Wasserreisern. Diese welken oft bereits im gleichen Sommer wieder ab, wenn sie von der benachbarten Pilzinfektion erfasst werden (Abb. 2). Durch Überwallungsversuche des Baumes reißt an den Befallsstellen im Lauf der Jahre die Rinde auf (Abb. 3).
Dieser Rindenkrebs führte zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach ihrer Einschleppung in die USA fast zur Ausrottung der Amerikanischen Esskastanie (Castanea dentata), was als eine der weltweit größten forstlichen Katastrophen bezeichnet werden kann. Seit 1938 ist der Erreger in Europa bekannt und hat sich seither fast im gesamten Esskastanienareal ausgebreitet. 1992 wurde ein erstes Vorkommen in Deutschland bekannt. Die hiesige Esskastanie (C. sativa) leidet ebenfalls stark unter dieser Krankheit, jedoch stirbt sie in der Regel nicht davon ab.
Inzwischen existieren in Deutschland mehrere Befallsherde, insbesondere in der Ortenau und in der rheinland-pfälzischen Weinstrasse. Bei der Untersuchung der Pilzisolate mittels Kreuzungen konnten fünf Typen des Erregers festgestellt werden, die mindestens fünf unabhängigen Einschleppungen entsprechen. Der Import von infizierten Pflanzen durch Pflanzschulen und durch Urlauber wird als Hauptrisiko angesehen. Ziel muss es sein, die weitere Verbreitung der Krankheit möglichst zu erschweren.
Die FVA/Abt. Waldschutz nimmt auch in diesem Fall die gesetzliche Aufgabe der Schädlingsüberwachung wahr und ist für betroffene Forstdienststellen beratend tätig. Primärherde wurden zunächst erfolgreich saniert; konsequente und nachhaltige Maßnahmen wurden jedoch durch die sehr klein parzellierte Besitzstruktur in den Kastanienwäldern teilweise auch durch Überlastung der Revierleiter erschwert.
Seit einigen Jahren ist klar, dass die Krankheit bei uns nicht mehr ausgerottet werden kann. Aufgrund dessen wurden die Quarantäneregelungen der EU für Kastanienholz im Jahr 2004 gelockert und 2005 in die deutsche Pflanzenbeschauverordnung umgesetzt, um weiterhin den Handel mit Esskastanienholz zu ermöglichen. Allerdings bleiben die Meldepflicht und die Pflanzenpasspflicht für die Verbringung von Baumschulpflanzen erhalten. Darin sind auch Eichenpflanzen einbezogen, da sie die Krankheit ebenfalls übertragen können, allerdings ohne davon wesentlich beeinträchtigt zu werden.
Hoffnungen, die Entwicklung des Rindenkrebses unterdrücken und damit die Weiterverbreitung verhindern zu können, liegen in der Hypovirulenz. Diese bedeutet eine spezifische Virusinfektion des Pilzes, wodurch er an Aggressivität verliert. Allerdings ist zur Nutzbarmachung dieses Phänomens noch Forschungsarbeit notwendig. Ansonsten wird durch den Rindenkrebs die durchschnittliche Lebensdauer der Kastanienbäume verkürzt, woraus für die Waldbesitzer quasi ein Zwang zur Niederwaldbewirtschaftung entsteht.