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Autor(en): Koni Häne (externer Autor)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Die Hagebuche (Carpinus betulus)

Die Hagebuche ist dem Menschen für verschiedene Zwecke nützlich. Indem sie sich in fast beliebige Formen schneiden lässt, eignet sich die Baumart hervorragend für lebende Grenzzäune. Im Waldbau dient sie als Begleitbaumart für Laubholz-Wertbestände oder als ideale Art für den Niederwaldbetrieb.

Der Name

Blätter und Samenstand der Hagebuche
Abb. 1 - Die typischen Samenstände der Hagebuche.
Foto: Thomas Reich (WSL)

Die Hagebuche weist je nach Land und Region verschiedene Namen auf, so beispielsweise: Hainbuche, Weissbuche, Hornbaum, Flegelholz oder Jochbaum. Verschiedene Ortschaften und auch Geschlechtsnamen, speziell in den Kantonen Aargau, Zürich, St. Gallen und Thurgau, tragen den Namen dieser Baumart.

Erste urkundliche Erwähnungen gehen auf eine Alemannensiedlung von 850 (Haganbuah) und auf 1189 (Hagenbuochon) zurück. Das Geschlecht "Hagenbuch" erscheint erstmals 1130. Der Name wurde vermutlich abgeleitet vom Gehölz, welches nach Belieben beschnitten werden konnte und mit welchem Hecken oder lebende Zäune – eben Hage – hergestellt wurden.

Der noch oft gehörte Ausdruck "hanebüchen" dürfte aus dem mittelhochdeutschen "hagebüechin" (aus Hagebuchholz bestehend) abgeleitet sein und bedeutet unerhört, aber auch derb, klobig oder grob. Wesentlich humaner hört sich das Volkslied an: "Wenn eine tannigi Hose hät und hegebuechig Strümpf...!"

Der Baum

Weltweit gibt es 40-50 Arten der Gattung Carpinus. Die Hagebuchen sind trotz ihres Namens nicht näher mit den Buchen verwandt, sondern gehören zu den Birkengewächsen. In der Schweiz ist nur Carpinus betulus heimisch; sie kommt hauptächlich im Mittelland und im Jura vor. In Graubünden, in weiten Teilen des Berner Oberlandes sowie im Mittel- und Oberwallis fehlt sie.

unverwechselbare Borke
Abb. 2 - Unverwechselbare Borke.
Foto: Thomas Reich (WSL)

Die Hagebuche hat sperrige, abstehende Äste und einen selten runden Stamm mit glatter, metallisch glänzender, schwarzgrauer und weissgefleckter Rinde. Ihr ovalen, etwa 12 cm langen, zugespitzten Blätter sind doppelt gezähnt und weisen meistens 15 Nervenpaare auf. Sie wird etwa 25 m hoch und 80 bis 120 Jahre alt.

Von allen Laubbäumen verliert die Hagebuche ihre Blätter am spätesten, erst im Verlauf des Winters. Der mit einem dreilappigen Hüllblatt (als Flugeinrichtung) versehene Samen ist ein hartes, flaches und geripptes Nüsschen von etwa 8 Millimeter Grösse. Der Wind kann die Samen bis über einen Kilometer weit tragen. Die Hagebuche verjüngt sich jedoch nicht nur durch Samen, sondern auch durch Stockausschlag. Aus abgestorbenen oder abgeschnittenen Wurzelstöcken wachsen neue Triebe.

Waldbau und ökologische Bedeutung

Die Hagebuche verjüngt sich leicht und ist waldbaulich gesehen eine sogenannt "dienende" Baumart. Schatten gut ertragend eignet sie sich vorzüglich als Begleitbaum in Laubholz-Wertbeständen mit Eichen, Buchen oder Linden. Weil sie ziemlich sturmfest ist, lässt sich die Hainbuche gut in Windschutzstreifen einsetzen.

Dank dem sich leicht und rasch zersetzenden Laub sorgt die Hainbuche für lockere und nährstoffreiche Waldböden. Im Frühjahr trägt sie als einer der ersten Bäume Laub und behält es oft über das Jahresende hinaus. Dadurch bietet sie vielen Vögeln, Insekten und Kleinlebewesen Brutstätte und Lebensraum mit genügend Nahrung.

Wirtschaftliche Bedeutung und Verwendung

Holz mit hohem Brennwert
Abb. 3 - Hagebuchen-Holz ist hart und eignet sich hervorragend als Brennholz.
Foto: Botanische Bilddatenbank Uni Basel

In den vergangenen Jahrhunderten hatte die Hagebuche eine wesentlich grössere wirtschaftliche Bedeutung als heute. Im Niederwald, aber auch im Mittelwaldbetrieb war sie eine äusserst begehrte und deshalb stark genutzte Baumart. Das harte, zähe, weisslich-gelbe Holz war als Brennholz beliebt und hatte zur Herstellung von Holzkohle grosse Bedeutung. Drechsler und Wagner benutzten das Holz des "Eisenbaumes", wie die Hagebuche im Volksmund auch genannt wurde, zur Herstellung von hochbeanspruchten Teilen. Dazu gehören Mühl- und Zahnräder, Speichen, Holzschrauben, Hobelböden, Walzen, Dreschflegel (Flegelholz) oder Joche (Jochbaum).

Auch zur Laubfuttergewinnung (Schneitelung) wurde die Hagebuche rege genutzt. Das Vieh schätzt das saftige, grüne Laub, das früher zur Vorbereitung auf lange Winterzeiten getrocknet wurde: Etwa 840 Gramm Hagebuchenblätter entsprachen einem Futterwert von einem Kilogramm Heu!

Abschliessend noch etwas über die Heilwirkung: In der Volksheilkunde ist die Hagebuche kaum bekannt. In alten Botanikbüchern wird sie hinsichtlich ihrer Anwendung den Ulmen, Ahornen, Birken und Buchen zugeordnet. Mittels Tee, Umschlägen, Waschungen und Bädern aus den Blättern der Hagebuche dürfte der Haupteffekt vor allem in der entzündungswidrigen Wirkungsweise liegen.

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