Suche

    
Suche nur in dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Kontakt

Thomas Wohlgemuth

Forschungsanstalt WSL

Eidg. Forschungsanstalt WSL
Störungsökologie
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 Birmensdorf

Tel: +41 44 739 23 17
Fax: +41 44 739 22 54

Die waldwissen.net-App!

App Waldwissen

Waldwissen Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich per E-Mail über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten. Ihre E-Mail-Adresse wird lediglich zum Zweck der Zustellung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden oder Ihre Einwilligung per E-Mail an uns widerrufen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Reinhard Lässig
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 53.6753.6753.6753.6753.67 (109)

Zehn Jahre nach dem Waldbrand von Leuk: Pionierwald wächst, Schutzwald braucht Zeit

Ein Jahrzehnt nach dem Waldbrand bei Leuk (Kanton Wallis) ist buchstäblich Gras über die verkohlte Bergflanke gewachsen. Untersuchungen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL zeigen, dass auch junge Pappeln, Weiden und Birken bereits zahlreich vorhanden sind. Es dürfte allerdings noch rund 30 bis 50 Jahre dauern, bis der Wald die Bevölkerung wieder wie gewohnt vor Naturgefahren schützt.

Erstaunlich schnell haben Pflanzen und Tiere nach dem grossen Brand vom 13. August 2003 die Waldbrandfläche über dem Dorf Leuk wieder besiedelt. Dem grossartigen Farbenspektakel der vielen Krautpflanzen in den ersten Jahren nach der Feuersbrunst folgte in den unteren Lagen eine Art Versteppung: "Es ist buchstäblich Gras über die Fläche gewachsen", sagt Thomas Wohlgemuth, Forschungsleiter der WSL auf der Brandfläche in Leuk, "und zwar in einer Vielfalt, die deutlich grösser ist als im früheren Wald." Unter den Erstbesiedlern waren Pionierbäume wie Pappel, Weide und Birke, die heute bereits Höhen von über 5 Metern erreichen.

 
Übersicht über die Waldbrandfläche
Abb. 1 - Blick auf einen Teil der Waldbrandfläche 10 Jahre nach dem Feuer. Anklicken zum Vergrössern.
Foto: Gilbert Projer (WSL)

 

Wann wird es wieder Schutzwald geben?

Vor allem die Bevölkerung von Leuk, aber auch viele Fachleute fragten sich 2003: Wann wird es oberhalb von Leuk wieder einen Wald wie vor dem Brand geben, einen Wald, der vor Naturgefahren wie Steinschlag schützt und gleichzeitig zur Erholung einlädt? Die Untersuchungen der WSL zeigen: Nach 10 Jahren kommt fast überall Buschwald auf, wenn auch in den untersten, sehr trockenen Lagen etwas später als in höheren.

eine über fünf Meter hohe Zitterpappel
Abb. 2 - Pionierhölzer wie Pappel, Birke und Weide wachsen schon zahlreich. Diese Espe (Populus tremula) ist über 5 Meter hoch.
Foto: Reinhard Lässig (WSL)
 

Doch dieser Laubwald aus Pioniergehölzen wird nur vorübergehend bestehen, vor allem in Lagen über 1500 m ü. M. An den Rändern der Waldbrandfläche wird der Nadelwald in einigen Jahrzehnten den Buschwald überwachsen. Das zeigen heute schon die knapp kniehohen Lärchen und Fichten, die sich dort angesamt haben. Weit vom Waldrand entfernt wird man unter 1500 m noch rund 30 bis 50 Jahre auf den ursprünglichen Nadelwald warten müssen. Die Narbe des Waldbrands wird also für lange Zeit sichtbar bleiben.

Hohe Artenvielfalt nach dem Brand

Die Forschung auf der Waldbrandfläche von Leuk zeigt, dass die Artenvielfalt auch 10 Jahre nach diesem Extremereignis noch deutlich grösser ist als im benachbarten Nadelmischwald. Und weil die Besiedlung von Brandflächen durch Pflanzen im trockeneren Wallis länger dauert als beispielsweise im Tessin, kann sich ein artenreiches Zwischenstadium der Sukzession über längere Zeit entwickeln.

So stellt zum Beispiel WSL-Insektenforscher Beat Wermelinger auf der Brandfläche deutlich mehr bedrohte Insektenarten fest als im benachbarten Wald. Auffällig sind zahlreiche blütenbestäubende Arten wie Wildbienen, Pflanzenfresser wie Heuschrecken und wichtige Totholzbesiedler wie Bockkäfer.

Unter den seltenen Pflanzen ist vor allem der als verschollen gegoltene Erdbeerspinat (Blitum virgatum) zu erwähnen, dessen Samen Jahrzehnte im Boden überdauert haben. Im Hinblick auf den Natur- und Artenschutz kann ein Waldbrand also durchaus positive Aspekte haben.

Waldentwicklung wird weiter beobachtet

Gräser breiten sich aus
Abb. 3 - In den trockeneren Lagen breiten sich Gräser aus. Langfristig ist aber auch hier wieder mit Wald zu rechnen.
Foto: Thomas Wohlgemuth (WSL)
 

Die aufwendige Untersuchung der Wiederbesiedlung der grossen Waldbrandfläche von Leuk hat den Forschenden die Regenerationsfähigkeit der Natur deutlich vor Augen geführt. Ohne Dazutun des Menschen dauert die Wiederbewaldung des Waldes allerdings seine Zeit. Rascher geht es dort, wo es feuchter ist. Im untersuchten Gebiet sind das die höheren Lagen. Doch ist auch in den tiefsten und trockensten Lagen wieder mit Wald zu rechnen, obschon die Sommer infolge des Klimawandels immer heisser und ab und zu trockener werden dürften.

Die Wissenschaftler der WSL planen, die Entwicklung der Waldbrandfläche in 5 bis 10 Jahren ein nächstes Mal zu dokumentieren. Als Vergleich untersuchten sie 2013 ein erstes Mal die Waldverjüngung auf der Waldbrandfläche von Visp, das unweit von Leuk entfernt liegt und wo 2011 ein ähnlich grosses Feuer im Bergwald loderte.

Download

Mehr im Web

Mehr auf waldwissen.net