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Originalartikel: Häne, K. (2009): Der Wald unter der Lupe des Briefmarkensammlers. Bündnerwald 62, 1:62-66.
Autor(en): Koni Häne (externer Autor)
Online-Version: verändert, Stand: 10.03.2009
Redaktion: WSL, CH

Der Wald auf Briefmarken

Viele Länder unterstreichen die grosse Bedeutung des Waldes durch die Herausgabe von Postwertzeichen mit Wald-Sujets. Briefmarken enthalten eine Botschaft und sind deshalb ein hervorragendes Mittel zur Öffentlichkeitsarbeit. Sie können auf eindrückliche Art auf die vielfältigen Funktionen und auf die Bedeutung der Wälder aufmerksam machen.

Das Sammeln von Briefmarken ist ein interessantes Hobby. Besonderes Glück hat, wer seine Freizeitbeschäftigung mit dem Beruf verbinden kann. Koni Häne, ehemaliger Förster an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, hat im Laufe der Jahre eine beachtliche Briefmarkensammlung zum Thema "Wald" zusammengestellt. Seine Sammlung "Wald und Forstwirtschaft" ist im Laufe der Jahre auf über 1000 A4-Albumseiten angewachsen und umfasst rund 200 Blätter für Briefmarkenausstellungen, sei es auf nationaler oder auf internationaler Ebene. Die umfangreiche Motivsammlung umfasst neun mehr oder weniger stark unterteilte Hauptgruppen.

Die Pflanzen- und Tierwelt des Waldes

In der ersten Hauptgruppe wird – wenn auch bei weitem nicht vollständig – die Pflanzen- und Tierwelt des Waldes dargestellt. Mit der Entstehung der ersten Pflanzen vor etwa 440 Mio. Jahren sowie der Unterteilung in Nadel- und Laubbäume, Sträucher, Blütenpflanzen, Pilze bis hin zu Moosen, Flechten und Farnen wird darin den Betrachtern ein Querschnitt durch die Pflanzenwelt gegeben. Die Vielfalt der Tierwelt kann, beginnend mit den Insekten, über einige Waldvogelarten, Nager und Hasen, Paarhufer bis zu den wichtigsten einheimischen Raubtieren, nur andeutungsweise dargestellt werden. Dieses Kapitel endet mit "Totholz lebt und ist für viele Tiere eine Lebensgrundlage".

Ahorn   Luchs   Mittelspecht  
Bergahorn (Acer pseudoplatanus)
Schweiz
  Luchs (Lynx lynx)
Rumänien
  Mittelspecht (Dendrocopos medius)
Ungarn
 
           

Waldstrukturen und Bestandestypen

Das nächste Kapitel geht ausführlich auf die Waldstrukturen und Bestandestypen ein. Dabei werden die Unterschiede zwischen Hoch-, Mittel- und Niederwald, Gebirgswälder sowie verschiedene Bestandestypen wie Rein- und Mischbestände, gleichaltrige und ungleichaltrige Bestände sowie Urwälder dargelegt.

Waldstruktur   Waldbach  
Buchenwald
Liechtenstein
  Fluss fliesst durch Mischwald
Korea

       

Verjüngung und Bestandesbegründung

Die eher kleine Hauptgruppe Verjüngung und Bestandesbegründung zeigt die verschiedenen natürlichen und künstlichen Verjüngungsarten des Waldes. Darin inbegriffen sind Saatgut, Pflanzennachzucht und -erziehung und verschiedene Pflanzmethoden.

Buche mit Buchennüsschen   Föhre mit Föhrenzapfen  
Buchenzweige mit Nüsschen
Deutschland
  Zapfen der Sibirischen Kiefer
Sowjetunion
 
       

Arbeitswissenschaft

Das Kapitel Arbeitswissenschaft umfasst die Bereiche Unfallverhütung, den manuellen und maschinellen Holzeinschlag, die verschiedenen Möglichkeiten des Holztransportes, sei es auf dem Land durch Menschen, Tiere und Maschinen, auf dem Wasser oder in der Luft, die Holzlagerung sowie das forstliche Ingenieurwesen mit Verbauungen, Vermessung und Kartierung des Waldes.

Holzseilen   Waldarbeit  
Holztransport mit Seilkran
China
  Entasten mit Motorsäge
Schweden
 
       

Forstschutz

Die Hauptgruppe Forstschutz macht auf die grossen und kleinen natürlichen "Feinde" des Waldes aufmerksam. Diese sind zunächst Naturgefahren wie beispielsweise Erosion, Überschwemmungen, Stürme, Dürren, Lawinen und Feuer. Als weitere "Waldzerstörer" folgen die tierischen und die pflanzlichen Schädlinge und deren Bekämpfung. Vor allem wegen der Umweltbelastung wird auch der Mensch zu den "Waldfeinden" gezählt und wird mit motivbezogenen Belegen zur "Umweltbelastung" eindrücklich dokumentiert.

Nachtfalter auf Eiche   Borkenkäfer  
Eichenspinner
Schweiz
  Ulmensplintkäfer
Iran
 
       

Forstorganisation und Ausbildung

Im Kapitel Forstorganisation und Ausbildung werden private und öffentliche Forstverwaltungen, forstliche Gewerkschaften, Lehr- und Versuchswaldungen sowie Tagungen und Kongresse vorgestellt.

Förster   Holzernte  
Förster beim Holz einmessen
Liechtenstein
  Zuerst fällen, dann Rücken
Finnland
 
       

Forsterzeugnisse und ihre Verwendung

Die Hauptgruppe Forsterzeugnisse und ihre Verwendung behandelt die verschiedenen Holzsortimente sowie deren Verarbeitung und Nutzung. Daneben werden auch die vielen "Nebenprodukte" des Waldes gezeigt, so das Jagdwesen oder die Verwertung von Baumrinden. Weitere Nebennutzungen wie Schmuckreisig, essbare Waldpflanzen, aber auch Heilpflanzen und Kautschukgewinnung gehören ebenfalls dazu.

Holzbalken   Papierherstellung  
Bretter aus Stämmen
Samoa
  Papierherstellung
Argentinien
 
       

Wald und Mensch

Die zweitletzte Hauptgruppe ist, wie schon der Titel Wald und Mensch erahnen lässt, die umfassendste. Sie beginnt mit Naturund Landschaftsschutz, Pflanzen-, Umwelt- und Gewässerschutz sowie der Wasserversorgung. Mit Aufforstungsaufrufen, Waldtagen oder -wochen, dem Jahr des Baumes sowie Nationalparks wird dieses Kapitel fortgesetzt. Dass der Wald eine Erholungsstätte ist oder dass er Einfluss hat auf Religion, Kunst (Malerei, Musik, Literatur), Brauchtum und das Militär, belegen eine grosse Zahl philatelistischer Wertzeichen aus aller Welt! Für das Militär war die Bedeutung der Wälder während vergangener Kriege gross. So wurden für die Besorgung und Sicherstellung des Baustoffes Holz oft ganze Forstbetriebe vom Militär in Besitz genommen.

Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald   Orientierungslauf  
Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald
Schweiz
  Orientierungslauf
Schweden
 
       

Wald als Namenspender

Den Abschluss der themenbezogenen Sammlung bildet das Kapitel Wald als Namensspender. Viele Ortsnamen, Ortsbezeichnungen und Regionen verdanken ihre Namensgebung dem Wald. So etwa Ortschaften wie Wald, Waldkirch, Waldstätte, Trachselwald (das sich vom "Wald der Drechsler" ableitet), Ob- und Nidwalden und viele mehr. Aber auch Ortsstempel mit Pflanzen- und Tiernamen wie beispielsweise Tann, Forch, Buchen, Eich, Eibenstock, Linden, Chêne, Bärau, Bern, Dachsen, Biberist, Biberach oder Rehetobel sind wichtige Bestandteile der Sammlung.

Interessant sind natürlich Ableitungen von Ortsnamen, die nicht sofort den Wald in den Vordergrund stellen, so Rüti, Rütli, Reute und Reutenen, welche ihren Ursprung der Landgewinnung durch "Waldrodung mit der Axt" zu verdanken haben. Als Gegensatz dazu seien die Ortsnamen Schwanden, Schwendi genannt, die auf die "Rodung mit Feuer" (im althochdeutschen = swentan; heute = schwinden) zurückzuführen sind. Eine weitere Bedeutung von "schwenten" bezieht sich zudem auf das "Entfernen der Rinde" an stehenden Bäumen.

Dorf Linden "Bürchen", das Birkendorf  
Dorf Linden BE
Schweiz
Bürchen VS, das Birkendorf
Schweiz
 
     
Joseph von Eichendorff    
Joseph von Eichendorff
Deutschland
   
     

Ausblick

Mag eine Motivsammlung noch so umfangreich sein, sie lässt sich nie vollständig abschliessen. Neuausgaben oder lange Zeit gesuchte Belege mit noch aussagekräftigeren Motiven als die bisherigen können die Sammlung laufend bereichern.

Die Vielfalt der Natur allgemein, speziell aber der vertiefte Einblick in den Wald mit seiner für ihn eigenen Ausstrahlung ist und bleibt faszinierend. Solch gewonnenes Wissen an die Liebhaber der Natur, speziell an die Waldfreundinnen und die Waldfreunde weitergeben zu können, macht die dringend nötige Öffentlichkeitsarbeit wirkungsvoll und bereitet Freude – nicht nur den Laien, sondern auch dem Förster.

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