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Autor(en): Monika Offenberger (externe Autorin)
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 2 Kommentare
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Federn erkennen und zuordnen mittels Online-Federsammlung

Wer Vögel anhand von Federn bestimmen will, findet dazu fachkundige Unterstützung im Internet. Verschiedene Sammler haben ihre mehrere hundert Vogelarten umfassenden Federsammlungen im Bild festgehalten und zusammen mit Informationen zu Art und Gefieder online gestellt. Die Seiten helfen, eigene Funde sicher zuzuordnen.

Sumpfmeise in ihrem Lebensraum
Abb. 1 - Sumpfmeise in ihrem Lebensraum.

Foto: Alexander Haase

 
Sumpfmeise
Abb. 2 - Aufgeklebete Federn einer Sumpfmeise - sie war ein Verkehrsopfer von 2012. Anklicken zum Vergrössern!

Foto aus der Online-Datenbank

Wohl jeder hat schon einmal eine lose Feder gefunden und sie mit nach Hause genommen. Aber dann gehen die Fragen los: Welcher Vogel hat sie verloren? Stammt sie vom Flügel oder Schwanz? Hat der Vogel sie bei der Mauser oder im Todeskampf verloren?

Auch Alexander Haase, aus der Nähe von Magdeburg (Deutschland), hat sich schon von klein auf mit Federn beschäftigt. Sein Hobby aus Kindertagen hat er beibehalten und inzwischen perfektioniert. "Früher habe ich mitgenommen, was ich gefunden habe, heute beschränke ich mich auf vollständige Vögel wie Totfunde oder aus Rupfungen", erzählt er. Mehr als 400 Vogelarten umfasst mittlerweile seine Federsammlung, knapp die Hälfte davon sind einheimische Arten. 2009 hat Haase damit begonnen, seine Sammlung anhand von Scans und Fotografien zu dokumentieren und samt den zugehörigen Daten online zu stellen. Mittlerweile sind fast 700 Arten in der Datenbank vertreten. Hier der Link zur Online-Federsammlung.

Rund 1'200 Nutzer machen jeden Monat Gebrauch von diesem Angebot. Haases professionelles Know-how zur Präsentation von Daten macht das Surfen auf seinen Internetseiten zum Vergnügen. Sie sind optisch ansprechend aufbereitet und benutzerfreundich organisiert.

Alle Federbelege sind von A bis Z nach lateinischen Ordnungsnamen aufgelistet – und innerhalb einer Ordnung sowohl systematisch, als auch alphabetisch unter ihren deutschen Artnamen aufgeführt. Ein Klick auf die gesuchte Art, und man findet bis zu einem Dutzend Abbildungen der entsprechenden Federn, dazu detaillierte Informationen zu deren Länge, Farbe und auffälligen Besonderheiten, aber auch allgemeine Hinweise etwa zum Körpergewicht oder zur Verbreitung der betreffenden Vogelart. Ausserdem erfährt man, wann und wo und von wem die Federn gesammelt wurden und, ob sie von einer Rupfung, einem Verkehrsopfer oder sonstigem Totfund, Zucht- oder Wildvögeln stammen.

Ein besonderer Service erleichtert den Vergleich mit selbst gefundenen, realen Federn: Alle Fotos lassen sich vergrössern und mittels eines verlinkten Vermessungstools bis auf Zehntel Millimeter genau vermessen!

Wenn die verwendeten Abkürzungen unbekannt oder Fachbegriffe wie Handschwinge und Oberschwanzdecke (noch) nicht geläufig sind, kann man sich im Glossar und in den Einführungstexten zur Gefiederkunde darüber informieren. In weiteren Kapiteln wird erklärt, wie die Federn üblicherweise nummeriert werden und geordnet werden und worauf es beim Anlegen einer Sammlung ankommt. Hier reichen die Tipps vom systematischen Aufsammeln der Federn bis zur Wahl des richtigen Klebstoffs und Papiers zum Aufbewahren der Fundstücke. Haase versäumt es auch nicht, auf die gesetzlichen Grundlagen beim Sammeln von Federn hinzuweisen. Immerhin zählen alle in Deutschland heimischen Vogelarten nach dem Bundesartenschutzgesetz als streng geschützte Arten. Und obwohl es sich bei Federn nicht um lebende Exemplare der jeweiligen Arten handelt, verlangt der Gesetzgeber in Deutschland in einigen Fällen einen Nachweis über die rechtmässige Herkunft des gesammelten Materials. In anderen Ländern gelten z.T. andere Bestimmungen, über die die man sich im Vorfeld informieren sollte.

Mauserfedern Uhu
Abb. 3 - Mauserfedern eines Uhus.

Foto aus der Online-Datenbank

 
Rotmilan
Abb. 4 - Verkehrsopfer Rotmilan. Anklicken zum Vergrössern!

Foto aus der Online-Datenbank

Ausführlich wird das Thema Rupfung behandelt: Haase gibt Tipps, wie und wo man gezielt nach ihnen suchen kann, um Federfunde nicht dem Zufall zu überlassen. Ein ebenso interessantes wie schwieriges Kapitel ist es, welcher Greifvogel wohl der Urheber einer Rupfung sein könnte. Eine Fülle von Hinweisen dazu fasst Harald Friemann in einem Gastbeitrag zusammen. "Kennzeichnend für den Sperber ist, dass er seine Beutevögel vollständig bis zur kleinsten Feder rupft und meist auch alle Federn am gleichen Platz liegen. Schnäbel, Krallen oder Eingeweide verschmäht er oft", weiss der Experte. Und über den Wanderfalken schreibt er: " Seine Rupfungen sind daran zu erkennen, dass sie an freien, übersichtlichen Plätzen liegen und dass die Flügel meist ungerupft bleiben und über die Schulterblätter noch zusammenhängen." Zwar betont der Autor, dass sich auch solche typischen Rupfgewohnheiten mit jenen anderer Greifvögel überschneiden können und daher nicht eindeutig zur Artidentifizierung taugen.

Dies zeigt, dass das Sammeln und Bestimmen von Federn weit über das Horten toter Tierbestandteile hinausgeht. Es führt zur Beschäftigung mit der Biologie ihrer Besitzer und ihrer Rolle im gesamten Ökosystem.

Denn Federn sind nicht nur schön anzuschauen, sie erzählen auch, welche Vogelarten in einem bestimmten Gebiet oder Biotop vorkommen, welchen Greifvögeln oder anderen Raubtieren sie als Beute dienen und geben Aufschluss über Reviergrenzen, Mauserzeiten sowie das Zug- und Wanderverhalten der Vogelarten.

Haase, dessen Webseite schon heute die grösste online zugängliche Federsammlung ist, will seinen Service noch erheblich erweitern: Geplant sind detailliertere Beschriftungen der abgebildeten Federn, welche insbesondere alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede sowie Abgrenzungen zu anderen Arten aufzeigen. Ausführliche Statistiken, Diagramme und Informationen über Kennzeichen und Lebensweise der zugehörigen Vogelarten werden die Federsammlung ergänzen. Dies alles ist nur durch die Unterstützung zweier weiterer Sammler möglich. Um die Webseiten auch für Naturfreunde ausserhalb des Deutschsprachigen Raumes attraktiv zu machen, sollen sie künftig auch auf Englisch und Polnisch verfügbar sein.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift ANLIEGEN NATUR.

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