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Artikel

Autor(en): Doris Hölling (WSL)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Das Waldlabor Zürich - heute und in 100 Jahren

Mensch und Gesellschaft sind seit jeher stark von ihrer engen Beziehung zum Wald und zur Nutzung seiner Produkte geprägt und werden es auch in Zukunft sein. Genau darum geht es im Waldlabor Zürich auf dem Hönggerberg. Zum hundertjährigen Jubiläum richten die Zürcher Waldeigentümer damit etwas Bleibendes – zumindest für die nächsten 100 Jahre – ein. Im Projekt soll der Bevölkerung, aber auch Fachleuten, das Wesen des vom Menschen gepflegten und genutzten Waldes nähergebracht sowie eine Sensibilisierung für aktuelle und zukünftige Fragen der Waldbehandlung erreicht werden. Die langen Zyklen des Baum- und Waldwachstums erfordern eine langfristige Ausrichtung, eine entsprechende Organisation und Konzeption. Mit der Gründung eines Trägervereins aus Waldeigentümern, Behörden und Forschungspartnern wurde dies nun erreicht und die Umsetzung des "Jahrhundertwerks" kann beginnen.

Das Waldlabor Zürich heute und in 100 Jahren
Abb. 1 - Die Idee des Waldlabors Zürich auf der Infobroschüre von WaldZürich

Der Verband der Zürcher Waldeigentümer möchte mit dem Waldlabor Zürich ein Zeichen für Nachhaltigkeit setzen, indem er der Fachwelt und der Gesellschaft etwas Bleibendes, auf lange Sicht Wirkendes hinterlässt.

Vision

Das Waldlabor Zürich ist ein erlebnisorientierter Bildungs- und Forschungsort, an dem es um die Waldpflege- und –bewirtschaftung geht. Im Zentrum steht der vom Menschen beinflusste Wald, der "Kulturwald"

Die Vision lautet: Das Waldlabor Zürich ist das erste Unterfangen dieser Art in der Schweiz. Es ist auf einen Zeithorizont von 100 Jahren ausgerichtet und hat eine nationale Ausstrahlung. Das Waldlabor befasst sich mit verschiedenen Formen der Waldpflege und –bewirtschaftung, der Leistung der Waldeigentümer und der Bedeutung der Waldleistungen für die Gesellschaft, dies stets im Zeichen der Nachhaltigkeit. Das Waldlabor steht an der Schnittstelle zwischen forstlicher Praxis, Gesellschaft und Forschung. Das Waldlabor ist in der Bevölkerung und in den Schulen im Kanton Zürich und in den angrenzenden Kantonen bekannt. Waldbesuchende können Waldentwicklungen mitverfolgen, ablaufende Ökosystem- und Bewirtschaftungsprozesse verstehen und sich längerfristig mit den Waldorten identifizieren. Das Waldlabor Zürich ist auch der Ort der Ruhe und Erholung. Es ist in forstlichen Fachkreisen in der Schweiz sehr bekannt. Alle Waldfachleute sämtlicher Stufen besuchen das Waldlabor mindestens einmal im Verlaufe ihrer Ausbildung.

Was bisher geschah?

Bereits seit Herbst 2013 begannen die ersten Vorbereitungsarbeiten für das 100-Jahr Jubiläum von WaldZürich. Aus dieser Zeit stammt auch die erste Skizze eines Waldlabors mit dem Arbeitstitel: "Waldlabor Zürich / ForstMiniatur als Lernort – Waldbewirtschaftung für Gross und Klein". Es sollte "etwas Bleibendes" geschaffen werden.
So entstand die Idee des Waldlabors als Erlebnis-, Lern- und Forschungsort der Waldbewirtschaftung. Ende 2017 sprach der Regierungsrat des Kantons Zürich dem Projekt eine halbe Million Franken aus dem Lotteriefonds zu und bezeichnete es als "wegweisend".
2018 entwickelte ein Ausschuss aus Mitgliedern der Trägerorganisationen grundlegende Strukturen und zweckmässige Instrumente für den Aufbau und Betrieb dieses komplexen Vorhabens.
Mit der Gründung des Trägervereins Waldlabor Zürich erfolgte am 27. Februar 2019 der Startschuss für den konkreten Aufbau und Betrieb.

Organisation

Der Betrieb des Waldlabors Zürich wird durch den Verein Waldlabor Zürich sichergestellt. Gründungsmitglieder des Vereins sind folgende sechs Trägerinstitutionen:

  • Stadt Zürich
  • Kanton Zürich
  • ETH-Zürich
  • WSL Birmensdorf
  • Verband Zürcher Forstpersonal
  • WaldZürich, Verband der Zürcher Waldeigentümer

Die Angebote, welche im Waldlabor Zürich stattfinden, sind Projekte und Anlässe, die durch die Trägerinstitutionen oder durch Dritte durchgeführt werden. Zwischen Verein, Waldeigentümergemeinschaft und Träger- oder Partnerorganisationen regeln Einzelvereinbarungen die spezifischen Modalitäten aller Angebote.

Organisation
Abb. 2 -  Organigramm Der Verein ist bewusst sehr schlank organisiert. Anklicken zum Vergrössern!

Der Verein setzt eine Geschäftsstelle ein, welche die Vorbereitung, den Aufbau und den Betrieb von Projekten und Anlässen koordiniert und wesentliche Kommunikationsaufgaben sicherstellt. Des Weiteren stellt der Verein den Betrieb des Waldlabors sicher, was bedeutet, dass die Zusammenarbeit und Vernetzung unter den beteiligten Trägerorganisationen ebenso gefördert wird wie die Kommunikation und Vermarktung der Angebote und Dienstleistungen des Waldlabors. Zudem übernimmt er die Koordination der verschiedenen Vorhaben und die Sicherstellung der Koordination zwischen Waldeigentümern und Projektpartnern sowie die Besucherlenkung und –information und nicht zuletzt die Verwaltung der Kollektivmarke "Waldlabor Zürich". Auch die Durchführung von Veranstaltungen, die Initiierung, Entwicklung und Förderung von Angeboten im Rahmen der Jahresprogramme und der verfügbare Ressourcen wird ebenfalls vom Verein übernommen.

Jedes Jahr soll ein Transfer-Anlass durchgeführt werden, wo Erfahrungen aus Forstpraxis, Forschung und der Öffentlichkeit ausgetauscht werden.

Aufbau Waldlabor
Abb. 3 – Der Aufbau des Waldlabors Zürich erfolgt bis Ende 2021 in drei Schritten.   Anklicken zum Vergrössern!

Aufbau des Waldlabors Zürich

Von 2018 bis 2021 ist die Aufbauphase des Waldlabors, ab 2022 soll dann der Normalbetrieb starten.

Im Normalbetrieb gliedern sich die Finanzen dann in zwei Teile:

  1. Verein
  2. Projekte und Anlässe

Der Verein finanziert seine Ausgaben aus den Finanzierungszuschüssen seiner Mitglieder, den Koordinationsbeiträgen aus Projekten und Anlässen sowie dem Ertrag aus Produktverkauf und Dienstleistungen, Finanzbeiträge von Bund und Kanton, Sponsoring- und Gönnerschaftsbeiträgen sowie Zuwendungen von Dritten.

Gebiet und Infrastruktur

Das Waldlabor erstreckt sich über ein zusammenhängendes Gebiet von rund 150 ha Wald auf dem Zürcher Hönggerberg und ist in 5 bis 10 ha grosse Flächeneinheiten untergliedert, welche langfristig angelegt sind. Die Abgrenzung erfolgt aufgrund von Eigentumsverhältnissen sowie topographischen und infrastrukturbedingten Kriterien.

Perimeter
Abb. 4 - Die Perimeter des Waldlabors Zürich: Wald im Eigentum der Stadt Zürich (grün), des Kantons (blau) und von Privaten (gelb).  Anklicken zum Vergrössern!

Das Waldlabor baut dabei primär auf der bestehenden Infrastruktur auf. So bleibt das bestehende Wegenetz bestehen, ein neues Besucherzentrum ist ebenfalls nicht vorgesehen. Noch nötige Ergänzungen werden sehr zurückhaltend konzipiert. Beispielsweise wird die Besucherinformation und –lenkung sehr zurückhaltend umgesetzt.

Die bestehende Infrastruktur innerhalb des Waldlabor-Perimeters wird zweckmässig integriert:

1. Basis-Infrastruktur (Waldstrassen, Waldwege, Blockhaus, Erholungsstrukturen, etc.)

2. Angebotsspezifische Infrastruktur (Forschungseinrichtungen oder Signaletik).

Es wird ein Waldplan erarbeitet, der die verschiedenen raumrelevanten Projekte aufeinander abstimmt und die massgeblichen Planungen und Grundlagen auf Ebene Waldeigentümer klärt. Zudem soll zu ausgewählten Aspekten wie Holzvorrat oder Habitatstrukturen (Indikatoren) eine Nullmessung durchgeführt werden.

Das Waldlabor führt ausserdem eine zentrale Monitoring-Datenbank, die im Rahmen eines Querschnittprojekts entwickelt wird.

Projekte und Anlässe

Das Waldlabor Zürich bietet grossen Spielraum für eine breite Palette unterschiedlichster Projekte, die sich mit spezifischen Fragestellungen im Gebiet beschäftigen. Dabei können sie ein Jahr dauern oder auch mehr als 10. Es wurden bereits zahlreiche Projektideen angedacht. Die Projekte dienen dazu, Erfahrungen aus der Praxis und Forschung zu verschiedenen Themen der Waldbewirtschaftung zu erschliessen und der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Auch komplexe Aspekte des Waldes und seiner Bewirtschaftung, wie z.B. die langen Zeiträume des Waldzyklus, sollen veranschaulicht werden. Forschungs- und Bildungsinstitutionen können dazu wesentliche Inhalte beitragen. Das Waldlabor dient auch der Ausbildung von Waldfachleuten aller Stufen.
Inhaltlich ist das Waldlabor offen für alle Themen und Aspekte von bewirtschaftetem Wald. Zur Übersicht und bestmöglichen Ausgewogenheit wurden bisher die fünf Themenkategorien gebildet. Hier einige Projektbeispiele:

  • Bewirtschaftungsformen Ein Nebeneinander verschiedener Bewirtschaftungsformen wird die Walddynamik und die dauernde Veränderung des Waldes beobachtbar und erlebbar machen. Der bereits bestehende, idealtypisch ausgeformte Mittelwald auf dem Hönggerberg ist der Spezialfall einer Bewirtschaftungsform und resultiert aus einem Projekt von der damaligen Professur für Waldbau der ETH Zürich.
Zukünftiges Waldlabor
Abb. 5 – Im Zentrum des Waldlabors stehen verschiedene Formen der Bewirtschaftung und die Beobachtung besonderer Wuchs-, Baum- und Waldformen. In der Karte finden Sie einen Überblick über ausgewählte Projekte (beispielhaft, Standort prov.). Anklicken zum Vergrössern!
  • Biodiversität und Ökosystemleistungen Im Arboretum der mitteleuropäischen Gehölzarten soll die gesamte Vielfalt der rund 250 einheimischen Baum- und Straucharten veranschaulicht werden. Das ist nicht nur für Studierende der Umweltnaturwissenschaften mit Wald/Landschaft-Vertiefung von Interesse, sondern für alle Waldinteressierten.
  • Gesellschaft und Wald Ein Projekt zur Untersuchung der Reaktionen der Bevölkerung auf die Waldbewirtschaftung zielt auf den Kern des Waldlabor-Gedankens. Damit werden wichtige Erkenntnisse für die Waldbewirtschaftung gewonnen, und gleichzeitig wird die Bevölkerung für Synergien unterschiedlicher Interessen an den Wald und für die Lösung von Konflikten sensibilisiert.
  • Klimawandel Das Projekt Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten im Bereich Klimawandel soll das Waldlabor an ein Schweiz Weites Testpflanzungs-Programm der WSL anbinden. Damit werden in den nächsten Jahrzehnten wichtige Fragen zur Anpassung unserer Wälder an den Klimawandel beantwortet.
  • Querschnittsthemen Eine zentrale Monitoring-Datenbank stellt eine wichtige Querschnittaufgabe dar. Es geht um ein einfassendes Monitoring von Bäumen, Beständen und Massnahmen mit bereinigten Schnittstellen zu Daten aus Waldbewirtschaftung, modernen Fernerkundungstechnologien und Citizen-Science-Kampagnen zur Einbindung der Bevölkerung in die Erkenntnisgewinnung.

Neben den Projekten können im Waldlabor auch verschiedene Formen von Anlässen durchgeführt werden. Entweder sind sie Bestandteil von laufenden Vorhaben, sie können auch als eigene Events konzipiert sein. Es können Anlässe des Waldlabors sein (jährlicher Transfer-Anlass) oder von den Projektpartnern (Umweltbildung, erlebnisorientierte Events, etc.).

Herausforderungen

Das Waldlabor Zürich ist offen angelegt, sodass auch in Zukunft neue Projektideen integriert werden können. Im Waldlabor sollen Antworten und Lösungen auf aktuelle und künftige Herausforderungen gefunden werden.

Insbesondere folgende zukünftige Herausforderungen sind heute bereits absehbar:

  • Im Schweizer Mittelland werden Bevölkerungswachstum und Verstädterung zu einer starken Zunahme des Drucks auf den Wald führen. Nebst Erholung, Naturschutz, Holzproduktion werden neue Bedürfnisse und Anforderungen an den Wald und seine Bewirtschaftung herangetragen werden.
  • Der prognostizierte Klimawandel wird unsere Waldökosysteme vor spezielle Herausforderungen stellen. Wie die Anpassung von Baumarten und Waldbeständen durch das Waldmanagement bestmöglich unterstützt und die Waldleistungen gesichert werden können, wird zu einer zentralen Frage der Waldbewirtschaftung.
  • Der Hönggerbergwald ermöglicht als Zukunftslabor für Waldfragen eine exemplarische empirische Erprobung von Lösungsansätzen. Gewonnene Erfahrungen und Ergebnisse werden weit über das Waldlabor hinaus für mitteleuropäische Tieflagen-Wälder von Bedeutung sein. Die effektive Koordination und Lenkung aller Projekte und Anlässe wird eine andauernde Herausforderung für das Waldlabor und die Waldbewirtschaftenden bleiben.
Mittelwald auf dem Hönggerberg
Abb. 6 – Der Wald auf dem Hönggerberg.
Foto: Felix Keller (WaldZürich)

Wie sieht die Zukunft aus?

Die Verbindung der Zürcher Bevölkerung zum Wald ist nachhaltig gestärkt worden. Aufgrund des anschaulich erlebbar gemachten Waldwissens kennen und verstehen die Menschen "ihren" Wald und sie wissen was es braucht, um ihn zum Wohle der Bevölkerung zu bewirtschaften.

Das Waldlabor Zürich ist in der ganzen Schweiz und weit darüber hinaus bekannt. Die Nachahmung in anderen Städten und Regionen führte zu einem Waldlabor-Verbundnetz mit koordinierten Projekten und zusätzliche Steigerung empirischen Wissens und Erfahrung. Das gewonnene Wissen wird in Fachkreisen und in der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Interesse?

Nähere Informationen zu Konzeption und Projekten im Waldlabor Zürich erhalten Sie bei der Geschäftsstelle und auf der Waldlabor-Webseite.

Interessierte können im Waldlabor eigene kurz- oder langfristige Forschungsprojekte einrichten oder Anlässe dort durchführen. Ideen und Konzepte dazu inklusive der Darstellung der Finanzierung müssen dem Verein Waldlabor Zürich eingereicht werden. Er entscheidet, ob ein Projekt oder Anlass inhaltlich zur Zielsetzung des Waldlabors passt und die Anforderungen erfüllt.

Mitglied des Vereins können juristische Personen des privaten und öffentlichen Rechts werden, welche bereit sind, als Trägerinstitution aktiv an der Verwicklung der Ziele des Vereins mitzuwirken. Interessierte können eine Gönnerschaft eingehen.

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