URL: https://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/waldbau/zucht/wsl_wurzeldeformationen/index_DE
Autor(en): Ulrich Wasem
Online-Version: Stand: 22.02.2005
Redaktion: WSL, CH

Wurzeldeformationen bei Topfpflanzen

Bei der künstlichen Pflanzennachzucht lassen sich Deformationen am Wurzelwerk kaum ganz vermeiden. Geeignete Vorsichtsmassnahmen tragen aber dazu bei, dass Wurzeldeformationen die Ausnahme bleiben.

Wurzeldeformation
Abb. 1 - Wurzeldeformation: Diese Wurzeln waren zu lange in einem nicht durchwurzelbaren Topf eingeschlossen.
Foto: Ulrich Wasem (WSL)
 
Wurzeldeformationen
Abb. 2 - Wurzeldeformationen durch zu kleine Töpfe (Drehen der Wurzeln im Topf).
Foto: Ulrich Wasem (WSL)

Ausgrabungen in Aufforstungen der vergangenen 20 Jahren haben gezeigt, dass Wurzeldeformationen bei Topfpflanzen häufig auftreten. In extremen Lagen wachsen die Topfpflanzen in der Regel zwar besser an als Nacktwurzel-Pflanzen, doch zeigen sich öfter unnatürliche Wurzelformen. Die Folgen dieser Missbildungen sind meistens nicht sofort ersichtlich. Erst im Stangenholzalter zeigen sich dann Stabilitätsprobleme. Dabei ist gerade bei Aufforstungen im Gebirge eine stabile Verankerung der Bäume von grosser Bedeutung.

Bei der künstlichen Pflanzennachzucht lassen sich Deformationen am Wurzelwerk leider kaum ganz vermeiden:

Das Drehen der Wurzeln im Topfinneren, wie z.B. bei Blumen in runden Tontöpfen, kann für Forstpflanzen fatale Folgen haben. In vielen Fällen beobachteten Mitarbeiter der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, dass die Bäume schon nach wenigen Jahren einen gedrehten Wurzelknäuel entwickelt hatten. Die Wurzeln schnüren sich so selber langsam gegenseitig ab. Auch wenn der hemmende Topf schon lange entfernt ist oder sich zersetzt hat, findet der Baum nicht zu einem natürlichen, standfesten Wurzelwerk zurück.

Wurzeldeformationen vermindern

Es ist erstaunlich, wie viele Topfpflanzen trotz fachmännischer Herstellung Deformationen am Wurzelwerk aufweisen. Dabei liessen sich durch die Berücksichtigung folgender Punkte Deformationen an den Wurzeln teilweise verhindern:

Für den Transport in das Aufforstungsgebiet und für die Feinverteilung im Gelände empfiehlt es sich bei grösseren Pflanzenmengen, ein oder mehrere Zwischenlager anzulegen. Damit erreicht man, dass die Wurzelpitzen das Pflanzloch frisch und vital erreichen

 
Beispiele von Wurzelnballen aus Hartwandcontainern
Abb. 3 - Verschiedene Pflanzen aus Hartwand-Containern: Bergahorn (links) und Vogelbeere (mitte) ohne Wurzeldeformationen, Fichte (rechts) mit Wurzeldeformation. Fotos: Ulrich Wasem (WSL)
 

Deformationen durch Wurzelschnitt bei Nacktwurzel-Pflanzen

Deformationen an den Wurzeln werden oft durch unsorgfältigen Wurzelschnitt verursacht. Deshalb sollte man auf einen Wurzelschnitt wenn immer möglich verzichten. Auf keinen Fall darf der Wurzelschnitt dazu dienen, die Pflanze einem bestimmten Pflanzverfahren anzupassen. Ist dennoch ein Wurzelschnitt nötig, sind die folgenden Punkte zu beachten:

Wurzelschnitt
Abb. 4 - Unsorgfältiger Schnitt führt oft zu Wurzeldeformationen.

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