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Ulrich Wasem

Forschungsanstalt WSL

Eidg. Forschungsanstalt WSL
Störungsökologie
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Artikel

Autor(en): Ulrich Wasem
Redaktion: WSL, Schweiz
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Wurzeldeformationen bei Topfpflanzen

Bei der künstlichen Pflanzennachzucht lassen sich Deformationen am Wurzelwerk kaum ganz vermeiden. Geeignete Vorsichtsmassnahmen tragen aber dazu bei, dass Wurzeldeformationen die Ausnahme bleiben.

Wurzeldeformation
Abb. 1 - Wurzeldeformation: Diese Wurzeln waren zu lange in einem nicht durchwurzelbaren Topf eingeschlossen.
Foto: Ulrich Wasem (WSL)
 
Wurzeldeformationen
Abb. 2 - Wurzeldeformationen durch zu kleine Töpfe (Drehen der Wurzeln im Topf).
Foto: Ulrich Wasem (WSL)

Ausgrabungen in Aufforstungen der vergangenen 20 Jahren haben gezeigt, dass Wurzeldeformationen bei Topfpflanzen häufig auftreten. In extremen Lagen wachsen die Topfpflanzen in der Regel zwar besser an als Nacktwurzel-Pflanzen, doch zeigen sich öfter unnatürliche Wurzelformen. Die Folgen dieser Missbildungen sind meistens nicht sofort ersichtlich. Erst im Stangenholzalter zeigen sich dann Stabilitätsprobleme. Dabei ist gerade bei Aufforstungen im Gebirge eine stabile Verankerung der Bäume von grosser Bedeutung.

Bei der künstlichen Pflanzennachzucht lassen sich Deformationen am Wurzelwerk leider kaum ganz vermeiden:

  • Schon mit dem ersten Wurzelschnitt, der für die Verschulung der Bäume nötig wird, kann die negative Entwicklung des Wurzelwerkes beginnen (vgl. unten).
  • Bei der maschinellen Verschulung kommt es oft zum ersten Abknicken der Wurzelspitzen.
  • Durch die Vertopfung entstehen weitere Wurzeldeformationen.

Das Drehen der Wurzeln im Topfinneren, wie z.B. bei Blumen in runden Tontöpfen, kann für Forstpflanzen fatale Folgen haben. In vielen Fällen beobachteten Mitarbeiter der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, dass die Bäume schon nach wenigen Jahren einen gedrehten Wurzelknäuel entwickelt hatten. Die Wurzeln schnüren sich so selber langsam gegenseitig ab. Auch wenn der hemmende Topf schon lange entfernt ist oder sich zersetzt hat, findet der Baum nicht zu einem natürlichen, standfesten Wurzelwerk zurück.

Wurzeldeformationen vermindern

Es ist erstaunlich, wie viele Topfpflanzen trotz fachmännischer Herstellung Deformationen am Wurzelwerk aufweisen. Dabei liessen sich durch die Berücksichtigung folgender Punkte Deformationen an den Wurzeln teilweise verhindern:

  • Bei der maschinellen Verschulung knicken oft Wurzelteile ab. Davon sind vor allem Bäume mit Pfahl- oder Herzwurzeln betroffen. Die manuelle Verschulung mindert zwar die Wurzelschäden, ist jedoch zeit- und kostenintensiver.
  • Ein Wurzelschnitt ist bei kleinen Pflanzen oft nicht nötig. Man sollte den Wurzelschnitt nur dann durchführen, wenn die Wurzeln keine natürliche Lage im Topf finden. Auf eine Ausgewogenheit zwischen Wurzeln, Feinwurzeln und Spross sollte man besonders achten, und zwar im Verhältnis „ein Drittel im Topf und zwei Drittel oberirdisch“.
  • Die Topfgrössen sollten immer den zu vertopfenden Wurzelwerken angepasst sein.
  • Die Wurzeln der Bäumchen dürfen nie austrocknen. Alle Arbeiten sollten sollten deshalb unter Dach oder im Freiland nur bei windstillem, regnerischem Wetter durchgeführt werden.
  • Die Pflanzen sollten nicht zu lang im Topfquartier verweilen, da die Wurzeln in benachbarte Töpf wachsen können.
  • Keine Weichwand-Conatiner mit schlecht durchwurzelbaren Wänden verwenden. Bei der Pflanzung in hohen Lagen sollte man die Töpfe entfernen.

Für den Transport in das Aufforstungsgebiet und für die Feinverteilung im Gelände empfiehlt es sich bei grösseren Pflanzenmengen, ein oder mehrere Zwischenlager anzulegen. Damit erreicht man, dass die Wurzelpitzen das Pflanzloch frisch und vital erreichen

 
Beispiele von Wurzelnballen aus Hartwandcontainern
Abb. 3 - Verschiedene Pflanzen aus Hartwand-Containern: Bergahorn (links) und Vogelbeere (mitte) ohne Wurzeldeformationen, Fichte (rechts) mit Wurzeldeformation. Fotos: Ulrich Wasem (WSL)
 

Deformationen durch Wurzelschnitt bei Nacktwurzel-Pflanzen

Deformationen an den Wurzeln werden oft durch unsorgfältigen Wurzelschnitt verursacht. Deshalb sollte man auf einen Wurzelschnitt wenn immer möglich verzichten. Auf keinen Fall darf der Wurzelschnitt dazu dienen, die Pflanze einem bestimmten Pflanzverfahren anzupassen. Ist dennoch ein Wurzelschnitt nötig, sind die folgenden Punkte zu beachten:

  • Den Wurzelschnitt unmittelbar vor der Pflanzung ausführen
  • Nur so viele Wurzeln wie nötig schneiden
  • Das Verhältnis zwischen Wurzelwerk und Spross muss ausgewogen bleiben
  • Den Feinwurzelanteil mit den Mykrorrhiza-Pilzen nicht stark reduzieren
  • Pflanzen einzeln schneiden, nicht ganze Bündel
  • Wurzeln mit einem sauberen Schnitt entfernen. Dafür eignet sich eine scharfe Schere oder ein Messer
Wurzelschnitt
Abb. 4 - Unsorgfältiger Schnitt führt oft zu Wurzeldeformationen.

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