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Artikel

Autor(en): Elias Kurt (externer Autor)
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Von der Tannlischule zur Artenvielfalt

Der Pflanzgarten Lobsigen feierte 2008 sein 50-jähriges Bestehen. Im Laufe der Zeit hat sich der Neben­betrieb des Staatsforstbetriebs Bern von einer klassischen Forst­baumschule zu einem Spezialisten für seltene einheimische Strauch- und Baumarten entwickelt.

0Mispel
Abb. 1 - Auch Mispeln werden im Pflanzgarten produziert.
Foto: Staatsforstbetrieb Bern
 
Rillensaat
Abb. 2 - Rillensaat: Typisch für das Säen von Eichen.
Foto: Staatsforstbetrieb Bern
 
Speierling
Abb. 3 - Blätter und Früchte des Speierlings.
Foto: BotBln, Wikipedia
 
Schwarzpappel
Abb. 4 - Die Silhouette der Schwarzpappel wirkt viel ungleichmäßiger und knorriger verzweigt als bei Hybriden und erinnert mitunter eher an eine Eiche als an eine Pappel.
Foto: Christian Fischer, Wikipedia

Mit dem Pflanzgarten Lobsigen feierte 2008 die grösste kantonale Forstbaumschule des Kantons Bern ihr 50-jähriges Bestehen. Auf 9 ha produziert der Neben­betrieb des Staatsforstbetriebs Bern jährlich Hunderttausende von Forst­pflanzen und Sträuchern. Doch nicht allein seine Grösse allein ist das Besondere, vielmehr ist es die einzigartige Auswahl an seltenen einheimischen Baum- und Straucharten: 165 verschiedene Arten sind es unterdessen, und immer wieder werden weitere seltene Arten ins Ange­bot aufgenommen.

Als Betriebsleiter Urs Rohner 1992 in Lobsigen begonnen hatte, lag der Schwer­punkt noch auf den für eine Baum- schule üblichen Forstpflanzen. Doch mit der Zeit ging die Nachfrage nach Fichten zurück und der Platz für seltene einheimische Arten vergrösserte sich.

Erhaltungsplantagen für seltene Arten

So werden heute beispielsweise zer­streut vorkommende Baumarten wie Spitzahorn, Linde oder Schwarzerle ver­schult. Für diese Arten werden seit 1996 neue Samen- plantagen aufgebaut. Für besonders seltene Arten wie Flatterulme, Speierling, Schwarzpappel, Wildbirne und Wildapfel stehen Erhaltungsplantagen zur Verfügung. Dies ist einzigartig auf nationaler Ebene und ein wichtiger Beitrag für die einheimischen Genres­sourcen. Aber auch weniger bekannte Pflanzen wie Felsenbirne, Perücken­strauch oder Pimpernuss sind in Lobsigen zu finden. Der Pflanzgarten entwickelte sich so kontinuierlich zu einem Geheimtipp für Besteller seltener Arten. Das Stammpubli­kum besteht längst nicht mehr nur aus Forstleuten. Dank des konsequenten Ausbaus des Angebots konnten sehr viele neue Kunden ausserhalb der Forstwirtschaft gewonnen werden.

Herkunftsnachweis aus Prinzip

Ihnen kommt auch eine weitere Spezialität des Pflanz- gartens zugute: Von der Samenernte bis zum Verkauf der heran gewachsenen Pflanzen wird alles selbst gemacht. Vom Jura bis ins Wallis werden Samen auf allen Höhen- stufen geerntet. Etwa 360 verschiedene Provenienzien führt der Pflanzgarten momentan über alle Arten gerechnet. Ein wichtiger Grundsatz des Pflanzgartens: Wer Pflanzen kauft, weiss woher die Samen stammen. Bei Baumarten ist dieser Herkunftsnachweis gesetzlich sowieso vorgeschrieben. Bei den Sträuchern macht es der Pflanzgarten hingegen freiwillig und aus Überzeugung.

Das Pflegen der zahlreichen verschie­denen Arten vom Samen bis zur Pflanze bringt viel Arbeit mit sich. Neben dem Betriebsleiteer sorgen Vollzeit- und Teilzeit-Angestellte sowie temporär Angestellte für einen guten Ablauf und eine kostendeckende Produktion von jährlich 500'000 Sämlingen sowie 350'000 Forstpflanzen und Sträuchern. Über 150  Baum- und Straucharten aus verschiedenen Herkünften werden jeden Frühling auf den Pflanzflächen verschult.

Durch die tägliche Beschäftigung mit seltenen Arten sammelt sich bei den Mitarbeitern ein grosser Wissens- schatz an – ein weiterer Plus­punkt des Pflanzgartens. So konnte von den dort gemachten Erfahrungen bei­spielsweise auch schon das Projekt SEBA (Projekt zur Förderung seltener Baumarten) profitieren

Doch nicht nur Pflanzen und Wissen gibt der Pflanzgarten weiter. Auch das Saatgut selbst kann gekauft werden. Dieses wird im grossen Saatgutlager ein­gefroren. Durch die Gefriertrocknung bleiben die Samen über längere Zeit keimfähig. So wurde das älteste Fichten-Saatgut 1971 geerntet, ist aber nach wie vor gut keimfähig.

Einst als Forstgarten des Kreisforstamtes Aarberg ge- gründet, entwickelte sich der Pflanzgarten Lobsingen schnell zu einer Saatgutzentrale für die Regionen Mittel­land und Jura. Seit 2005 ist der Pflanzgarten ein Nebenbetrieb des Staatsforst­betriebs Bern, der die Staatswälder des Kantons bewirtschaftet. Dank der klaren Ausrichtung und der erfolg- reichen Tätig­keit in seiner Nische als Produzent von sel- tenen Arten hat er seine Überlebensfähigkeit bewiesen. Der Pflanzgarten Lob­sigen bleibt also nicht stehen: 165 Arten nach 50 Jahren. Wer weiss wie viele es nach 100 Jahren sein werden.

Pflanzgarten Lobsigen

Fläche: 9 ha, dazu kommen rund 6 ha Samenplantagen in Wald und Feld

Lage: Oberhalb des Lobsigensees im Seeland auf 525 m ü. M.

Angebot: über 150 Arten aus 360 Provenienzen. Forstpflanzen, Heckenware, grosse Bäume und Sträucher für Park­anlagen, Weihnachtsbäume.

Kundschaft: Öffentliche und private Waldbesitzer, Gärtner, Gartenbesitzer, Gemeinden und Naturschutzorgani­sationen

Forstgarten Lobsigen

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Kontakt

  • Thomas Peter
  • Pflanzgarten Lobsigen
  • Schiffacker 1
  • 3268 Lobsigen
  • Tel.: +41 (0)32 392 23 19

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