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Manuel Karopka

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Waldnaturschutz

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Artikel

Autor(en): Manuel Karopka
Redaktion: FVA, Deutschland
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Steckholzvermehrung von Schwarzpappeln

Die Schwarzpappel ist in Baden-Württemberg in den letzten Jahren sehr selten geworden und heute vom Aussterben bedroht. Bedingt durch die fehlenden ökologischen Voraussetzungen, ihre häufig isolierte Stellung und mögliche Bastardierung mit Hybridpappeln ist die Naturverjüngung der Schwarzpappel auf generativem Wege nur begrenzt oder kaum möglich. Die Anzucht von Pappeln durch Aussaat gestaltet sich durch die Kurzlebigkeit der Samen außerordentlich schwierig. Für ein Wiedereinbürgern oder eine Etablierung neuer Schwarzpappelvorkommen bietet sich daher die Vegetativvermehrung durch Steckholz an, die in folgender Kulturanleitung kurz beschrieben wird.

Schwarzpappel
Abb. 1: Schwarzpappel Mutterbaum.
(Fotos FVA)
 
Stecklinge
Abb. 2: Stecklinge im Beet.

Voraussetzungen und Mutterbaumbeschaffenheit

Als ideale Steckholzlieferanten gelten 1-jährige Gipfeltriebe und kräftige Stock- / Stammausschläge aus relativ gut belichteten Baumpartien noch relativ junger Mutterbäume (unter 10 - 15 Jahre). Bei den meisten Altbäumen oder schwächeren Pflanzen im Zwischen- oder Unterstand sind solche Steckhölzer nur schwer zu bekommen oder, wenn vorhanden, nur mit großem technischem Aufwand aus dem Gipfel zu ernten. Nach Erfahrungen der FVA sind jedoch auch Seitentriebe und krumme Seitenzweige aus dem Kronenbereich tauglich, obwohl hier eine geringere Anwuchsrate zu erwarten ist. Solches Material ist zumindest geeignet die Sicherung der genetischen Information von Altbäumen zu gewährleisten (Anwuchsprozente von 20 - 50%) sowie rejuvenilisiertes Pflanzenmaterial heranzuziehen, von dem sich später sekundäre und tertiäre Steckhölzer rationell gewinnen lassen. Generell gilt: je jünger der Mutterbaum desto besser die Bewurzelungsfähigkeit.

Die Triebstärke sollte bei ca. 8 - 12 mm liegen. Dünneres Material ist, wenn es ausreichend verholzt ist, noch bis ca. 5 mm verwendbar. Der Richtwert "Bleistiftstärke" ist dabei als Untergrenze anzusehen.

Zeitpunkt der Steckholzwerbung

Bester Zeitpunkt für die Steckholzwerbung ist der Spätwinter oder das zeitige Frühjahr außerhalb starker Frostperioden. Wenn die Steckhölzer unmittelbar nach dem Schnitt gesteckt werden, kann der Schnittzeitpunkt auch erst bei Einsetzen des Saftstroms erfolgen.

Häufig ist jedoch ein früherer Schnittzeitpunkt aus betriebstechnischen Gründen während des Winters oder Spätherbstes erforderlich. Dies ist möglich, sofern anschließend eine geeignete Lagerung gewährleistet ist.

Steckholzzuschnitt

Die Steckhölzer können direkt nach dem Werben vom Mutterbaum auf ca. 20 - 30 cm zugeschnitten (Scherenlänge) und dann gebündelt werden(20 - 50 Stk/Bund). Beim Zuschnitt der Steckhölzer ist auf eine Mindestanzahl von vier (4) Augen zu beachten, so dass die Länge der Internodien die Länge des Steckholzes bedingt. Empfehlenswert ist es, den unteren Schnitt knapp unter einem Auge, den oberen Schnitt knapp über einem Auge (sog. Zug-Auge) zu führen, um ein späteres Eintrocknen der Zapfen zu verhindern. Entgegen einigen älteren Literaturangaben und Anleitungen ist ein Verschließen der oberen Schnittstelle mit Wachs überflüssig.

Lagerung (nur bei Bedarf)

Aus Gründen der Wasserversorgung bzw. des Wassererhaltes im Steckholz ist es grundsätzlich sinnvoll, den Zuschnitt möglichst erst unmittelbar vor dem Stecktermin vorzunehmen. Liegt der Schnittzeitpunkt früher im Jahr (Herbst, Winter) wird Einlagerung bzw. Überwinterung erforderlich. Hierzu werden die Bunde komplett in Sand oder Sägemehl eingeschichtet, um Wasserverlust durch Schnittstellen und Rinde zu vermeiden/vermindern. Um Schimmelbildung zu vermeiden ist auf eine gute Belüftung des Einschlagsubstrates zu achten. Evtl. kann eine zusätzliche Fungizidbehandlung mit Polyram-Combi oder Previcur 0,1 % erforderlich sein. Der Einschlagort sollte vor starken Frösten geschützt sein (z.B. in unbeheiztem Schuppen, Erdkeller etc.)

Bodenanforderungen für die Absteckung

Gut geeignet sind lehmige Sande, sandige Lehme und Sandböden, die möglichst steinfrei sind und gute Krümelstruktur besitzen. Sehr schwere oder gar verdichtete Böden sind ungeeignet, da sie nicht ausreichend durchlüftet sind. Vor dem Stecken sollte der Boden gefräst oder gut durchgegraben und vorgelockert werden. Sind keine geeigneten Freilandquartiere vorhanden, können auch ausreichend große (min. 30 cm tiefe) Holz- oder Kunststoffkisten mit lockerem Substrat (z.B. TKS/Sand = 1:1)befüllt und zum Stecken verwendet werden. Die Erfahrungen an der FVA zeigen jedoch, dass beim Abstecken in Kisten der Zuwachs deutlich hinter dem der Freilandabsteckungen zurückbleibt.

Stecktermin und Stecktechnik

Mit dem Stecken kann begonnen werden, sobald im Frühjahr der Boden offen ist und keine nennenswerten Frostperioden mehr zu erwarten sind. Ein möglichst früher Stecktermin hilft Arbeitsspitzen (bedingt durch andere Pflanzarbeiten) zu vermeiden. Als phänologisches Bezugsdatum kann man die Zeitspanne zwischen der Voll- bis abgehenden Blüte bei Salix und der beginnenden Blattentfaltung bei Malus und Corylus avellana betrachten.

An der FVA hat es sich in den letzten Jahren bewährt, die Steckbeete mit einer schwarzen PE-Folie (0,05 mm) bodeneben zu überziehen. Die Ränder der Folie werden dabei eingegraben. Die Folie bewirkt eine frühe Aufheizung des Bodens, hält die Feuchtigkeit im Boden und fördert somit ein frühzeitiges Wurzelwachstum. Weiterhin wird der Unkrautwuchs fast ganzjährig unterbunden. Bei normalem Witterungsverlauf ist zusätzliche Bewässerung nicht erforderlich.

Der Steckabstand sollte 10 x 10 cm nicht unterschreiten, besser sind 15 x 15 cm oder, wenn genügend Platzangebot vorhanden, 20 x 20 cm. Da die Steckhölzer miteinander ein starkes Wurzelgeflecht produzieren, erleichtert ein größerer Steckabstand die späteren Rodearbeiten beträchtlich.

Vor dem Stecken sollten die Folie und das darunter liegende Pflanzloch vorgebohrt werden (z.B. mit Zimmermannsnagel). Die einzelnen Steckhölzer werden dann zu mindestens ¾ der Schaftlänge in die Erde gesteckt, das oberste Auge muss dabei noch herausschauen. Anschließend wird durch die Folie seitlich leicht angedrückt um lockeren Bodenschluß zu gewährleisten.

Weiterer Kulturablauf

Hier ist zunächst nur eine mögliche Unkrautbekämpfung und Bewässerung zu nennen. Wird schwarze PE-Folie zur Beetabdeckung verwendet, kann man darauf im Regelfall verzichten.

Der Kulturverlauf gestaltet sich dann bis zur Ernte "arbeitslos". Wer eintriebige Pappeln erziehen möchte, kann bei mehreren Austrieben bis auf den Stärksten ausgeizen.

Ernte (Rodung)

Diese findet im Regelfall nach einer Vegetationsperiode ab Ende Oktober bis Dezember statt. Gerodet wird am besten von Hand mit Spaten. Die schwarze PE-Folie muss dabei zerrissen werden. Sollten Maschinen und Unterschneidepflüge zur Verfügung stehen, ist unbedingt auf ein tiefes Unterschneiden von mindestens 30 cm in Relation zur Steckholzlänge zu achten (Steckholzlänge + 10 - 15 cm). Der Grossteil des Wurzelgeflechtes setzt am unteren Steckholzdrittel und an der unteren Schnittstelle an, so dass bei zu m Unterschneiden die Gefahr einer Wurzelkappung besteht.

Bei Verwendung geeigneter juveniler Mutterpflanzen und Vorliegen geeigneter "gärtnerischer" Bodenverhältnisse sind mit der Steckholzmethode Bewurzelungsraten von 80 bis 90 % und Triebzuwächse von 1 bis 2 Metern im Jahr zu erwarten, so dass einjährig bewurzelte Steckhölzer bereits nach einer Vegetationsperiode auspflanztauglich sind.

FVA bietet geeignete Steckhölzer an

Die FVA legt seit dem Frühjahr 1998 Steckholz-Mutterquartiere mit überprüften Klonen der Herkunft "Oberrhein" an, so dass bei Interesse geeignetes vermehrbares Material (Steckhölzer) gesicherter Herkunft und Reinerbigkeit von der FVA bezogen werden kann.