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Dr. Bertram Leder

Wald und Holz NRW
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Artikel

Autor(en): Bertram Leder, Norbert Tennhoff
Redaktion: WUH, Deutschland
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Kurzportrait Lindenblättrige Birke (Betula maximowicziana)

Die Lindenblättrige Birke (Betula maximowicziana) kann Kahl- und Brandflächen rasch besiedeln. Der gute bis sehr gute Wuchsleistungen und Schaftformen aufweisende Baum ist tolerant gegenüber nachwachsenden Baumarten und erreicht ein deutlich höheres Alter als heimische Birkenarten.

Stamm Betula max.

Abb. 1: Stamm einer Lindenblättrigen Birke im Arboretum Burgholz. Foto: U. Nolden-Seemann

1 Allgemeines

Name (wiss.): Betula maximowicziana REGEL

(deutsch): Lindenblättrige Birke, Japanbirke, Kaiser-Birke, Bronze-Birke, Großblättrige Birke.

Familie: Birkengewächse (Betulaceae)

Natürliches Verbreitungsgebiet: in den Gebirgen des nördlichen Japan, im mittleren und nördlichen Honshu, Hokkaido und auf den südlichen Kurilen in Höhenlagen bis 1500 m ü. NN mit gemäßigtem bis kühlem Klima und einer Jahresmitteltemperatur von 6° bis 13° Celsius.

Vorkommen und Anbaugebiete in Mitteleuropa: Erstmals 1888 in Europa eingeführt, inzwischen in vielen botanischen Gärten und Parks. Forstlich ist sie außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes eine wenig bekannte Baumart. Einzelne kleinere Anbauversuche in den 1950er- und 1960er-Jahren in Hessen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und NRW.

Praxis-Beispiele:

Arboretum Burgholz bei Wuppertal (38-j. Reinbestand); Kommunalwald Remscheid (30-j. Vorwald über Buche)

2 Ökologie

Betula max. Bad Grund
Abb. 2: Betula max. im Arboretum Bad Grund. Foto: B. Leder
2.1 Standortansprüche

- Nährstoff- und Wasserbedarf: Betula max. ist keine Baumart für arme Standorte. Bevorzugte Standorte sind gut durchwurzelbare, mäßig frische bis frische Lehmböden mit mäßiger Basenversorgung der kollinen und submontanen Stufe.

- Wärmebedarf: Die lindenblättrige Birke ist gegenüber Winterfrost absolut hart. Dagegen können Spätfröste ab Mitte Mai den Neuaustrieb schädigen.

- Ausschlussgründe: Auf moorigen und verdichteten Böden sowie leichten Sanden gedeiht sie nicht.

2.2 Standortpfleglichkeit

Die Blattstreu ist gut zersetzbar und bildet beste Humusformen (Mull).

2.3 Wachstum

Betula max. kann ein Alter bis zu 280 Jahren, eine Höhe von über 30 m und einen BHD von > 1m erreichen.

- Wuchsverhalten: Kaum eine andere Birkenart ist in der Jugend so raschwüchsig wie die Betula max. Im Freistand ohne intra- und interspezifische Konkurrenz starke Astentwicklung.

- Schattentoleranz: Sie bevorzugt Seitenschutz durch Nachbarbestände sowie lockeren Altholzschirm. Allerdings verträgt sie keine Wurzelkonkurrenz von Überhältern.

- Konkurrenzverhalten: Sie ist ausgesprochen tolerant gegen nachwachsende Baumarten und deutlich langlebiger als unsere heimischen Birkenarten.

- Wurzelsystem: Betula max. bildet ein herzwurzelähnliches, jedoch oberflächennahes und ausgebreitetes Wurzelsystem.

2.4 Verjüngung

- Ausbreitungsbiologie (generativ, vegetativ): Die Samen werden durch Wind und Wasser ausgebreitet. Die Baumart ist zur Ausbildung von Stockausschlägen befähigt. Nach durchgeführter Verjüngungsinventur im Arboretum Burgholz (Wuppertal) verjüngt sich Betula max. vereinzelt auf femelartigen Lücken im Hauptbestand.

- Fruktifikation: Betula max. blüht und fruchtet im Vergleich mit anderen Birkenarten erst ab Alter 20. In Japan wird über eine unregelmäßige Fruktifikation berichtet. Naturverjüngung läuft nach Bodenverwundung gut auf (bislang nur vereinzelt beobachtet). Wie alle Birkenarten ist auch Betula max. monözisch, die Blütenstände sind getrenntgeschlechtig.

- Hybridisierung: Betula max. kann mit anderen Birkenarten hybridisieren.

- Invasivität: Betula max. ist in der Lage, Kahl- und Brandflächen rasch zu besiedeln, ist dabei jedoch ausgesprochen tolerant gegenüber nachwachsenden Baumarten und deutlich langlebiger als unsere heimischen Birkenarten. Invasionspotenzial vorhanden.

2.5 Waldschutz (Risiken)

- Abiotische Risiken: Verträgt Sommertrocknis und Schneedruck wesentlich besser als die europäische Sand- und Moorbirke.

- Biotische Risiken: Frostspanner und Birkenblattspannerraupen können Kahlfraß bewirken. Ebenfalls ist mit Mäusefraß zu rechnen. Rehwild fegt und verbeißt Betula max., Kaninchen schälen und Hasen beschneiden junge Pflanzen vornehmlich im Winter.

Betula max. wird von den gleichen Holz bewohnenden Pilzarten wie die in Deutschland heimischen Birkenarten besiedelt.

3 Bedeutung für die Artenvielfalt / Biodiversität

Blätter Bet. max. und Bet. pendula
Abb. 3: Blatt der Betula pendula (links) und der Betula maximowicziana (rechts). Foto: B. Leder

- Auswirkungen auf Ökosysteme (Beispiele): Frühe Blühbereitschaft, regelmäßige Samenproduktion und Ausbreitung der sehr leichten und zahlreichen Samen vorwiegend durch Wind kann zur lokalen Expansion führen. Untersuchungen zur Naturverjüngung der Betula max. im Arboretum Burgholz haben in Nachbarbeständen nur vereinzelt Verjüngung aufgenommen. In einem Reinbestand von Betula max. wurden dagegen Buchen-, Eichen-, Vogelbeeren-Naturverjüngung dokumentiert.

- Dauerhaftigkeit der Auswirkungen: Die Art ist zum klonalen Wachstum über Stockausschlag befähigt.

- Ökologische Integration: Eine ökologische Integration in natürliche oder naturnahe Waldökosysteme ist möglich.

4 Wuchsleistung

4.1 Zuwachs

Siehe 2.3 Wuchsverhalten.

4.2 Gesamtwuchsleistung

Mit 100 bis 120 Jahren sollen Höhen von 30 m und Durchmesser von 60 cm erreicht werden können.

Praxis-Beispiele:

Im Arboretum Burgholz wurden in einem 38-jährigen Betula maximowicziana-Reinbestand (Mittelhöhe: 20,6 m: Oberhöhe: 23,1 m) bei einem mittleren BHD von 21,5 cm und einer Stammzahlhaltung von 640/ha eine Grundfläche von 24 m² und ein Vorrat von 251 Vfm/ha gemessen.

Ein als Vorwald begründeter Betula maximowicziana-Reinbestand (Remscheid) wies im Alter von 30 Jahren einen mittleren BHD von 21,0 cm, einen Vorrat von 102 Vfm/ha bei einer Stammzahlhaltung von 300/ha auf.

5 Qualität

betula max. Frucht
Abb. 4: Fruchtkätzchen und Blätter der Betula maximowicziana. Foto: U. Nolden-Seemann
5.1 Formigkeit

Bei entsprechender Pflege sind gute Schaftformen auf den untersten Stammabschnitten bis etwa 6-8 m Höhe erzielbar.

5.2 Astreinigung

Hervorragende, sehr früh beginnende natürliche Astreinigung, welche i.d.R. einen hohen Furnierholzanteil mit sich bringt.

5.3 Sortimente

In Japan werden aus dem Holz von Betula max. Möbel, Parkett, Weberschiffchen, Spindeln, Streichholzschachteln und Kisten sowie Papier hergestellt.

5.4 Herkunftsabhängigkeiten

Über die natürliche Variabilität von Betula max. fehlen genaue Informationen. Die Art unterliegt nicht dem Forstvermehrungsgutgesetz. Bei Herkunftswahl möglichst südliche Herkünfte (Mittelhondo) bevorzugen. Herkünfte aus Nagano hatten ein über dem Durchschnitt liegendes Höhen- und BHD-Wachstum.

5.5 Saat- und Pflanzgutversorgung

Praxis-Beispiel:

Die DKV-Sonderherkunft "Burgholz" (Wuppertal) zeigt ausgesprochen gute bis sehr gute Wuchsleistungen und Schaftformen. (Vermittlung von Saat- und Pflanzgut durch den Landesbetrieb Wald und Holz NRW, Schwerpunktaufgabe Waldbau und Forstvermehrungsgut, Arnsberg).

6 Waldbauliche Behandlung

6.1 Bestandesbegründung

Besonders gut können 2-jährige Pflanzen (Größe 80-100 cm bzw. 80-120 cm) verpflanzt werden. Werden Herbstpflanzungen durchgeführt, sind diese nach Laubabwurf durchzuführen. Wegen ihrer Schirm- und Seitendruckverträglichkeit ist sie gut geeignet zur raschen Schließung von mittleren Bestandeslücken. In diesen Femeln wächst sie sehr schmalkronig. Des Weiteren ist sie sehr gut geeignet zur weitständigen Beimischung in Eichen- und Buchenkulturen (Vorwald).

6.2 Mischungsformen

In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet findet man sie in Mischung mit Laub- und Nadelbaumarten (siehe auch 2.3 Wachstum). Trupp-gruppenweise Mischungen werden empfohlen.

6.3 Pflege- und Nutzungskonzepte

Z-Baum-orientierte Hochdurchforstung nach erfolgter Astreinigung auf 6-8 m Höhe mit anschließender einzelstammweiser Zielstärkennutzung. Für Anbauten in Deutschland wird von einer mittleren Produktionszeit von 80 bis 90 Jahren ausgegangen.

7 Holzverwendung

7.1 Holzeigenschaften

Das Holz ist zerstreutporig. Splint und Kern unterscheiden sich farblich nur wenig. Das Splintholz ist gelblich-weiß, das Kernholz kann eine bräunliche Farbe annehmen. Das dichte und mittelharte Holz gilt in Japan als besonders wertvoll. Das Reifholz färbt sich ab etwa 30 cm BHD rosa bis pink. Im internationalen Handel wir ihr Holz daher auch als "Cherry Tree" gehandelt. Fakultative Kernbildung.

7.2 Wertholztauglichkeit

Furnierholz.

7.3 Verwendungsbereiche in der Holzindustrie

Chemisch: Faserholz, Brennholz; mechanisch: Furnierholz, Drechslerholz, Kistenholz.

7.4 Vermarktung

Erfahrungen aus Europa fehlen noch.

8 Nebennutzungen

Ästhetisch wertvoll, auch durch die Herbstfärbung der Blätter.

Zusammenfassende Beurteilung der Anbauwürdigkeit

grün Massen- und Wertleistung; Klimaanpassung; Standort / Bodenzustand
gelb Abiotische / biotische Risiken; Invasionspotenzial
rot  

Literatur

  • Erley, M. (2013): Naturverjüngung fremdländischer Baumarten im Arboretum Burgholz / Nordrhein-Westfalen. Bachelorarbeit an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Georg-August-Universität Göttingen.
  • Faust, K. (2012): Die Japanbirke – Alternativen zu heimischen Birken? AFZ-DerWald 5: 35-37.
  • Kellner, S. (2005): Ein Anbauversuch mit der Betula maximowicziana im staatlichen Forstamt Pressath. Diplomarbeit am Fachbereich Wald und Forstwirtschaft an der Fachhochschule Weihenstephan.
  • Liesebach, M. (2000): Anbauversuche mit fremdländischen Birken. In: LWF-Wissen 28, S. …
  • Liesebach, M.; Stephan, B. R. (2000): Betula maximowicziana. In: Schütt, P. et al. (Hg.): Enzyklopädie der Holzgewächse.
  • LÖLF NRW (Hg., 1983): Merkblatt über fremdländische Baumarten – Lindenblättrige Birke. Recklinghausen.
  • Wald und Holz NRW (Hg., 2009): Burgholz – Geschichte und Perspektiven eines Versuchsreviers im Zeichen des Klimawandels. Münster.
  • Weege, K. (1988): Lindenartige Birke. Bericht einer Japanreise. In: Hanses-Koering Münster-Sprakel. Forstbaumschul-Katalog 2014/2015, S. 3.

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