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Artikel

Autor(en): Hildegard Vogel
Redaktion: LWF, Deutschland
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Fischauge dokumentiert Reaktion von Baumkronen

Kronenbeobachtungsfläche im Kranzberger Forst
Abb. 1: Auf der Versuchsfläche der TU München im Kranzberger Forst steht ein großes Gerüst mit Kran, das den Forschern erlaubt, sich im und über dem Kronendach des Versuchsbestandes zu bewegen (Foto: Archiv TU München).

Eine Durchforstung beeinflusst die Kronenentwicklung der verbleibenden Bäume. Baumart, Alter und Bestandeszusammensetzung bestimmen, wie flexibel die Kronen reagieren und welche Äste besonders profitieren. Hemisphärische Fotos können die Verhältnisse objektiv dokumentieren.

Michael Janott schloss an der forstlichen Studienfakultät der TU München seine Diplomarbeit über die Hemisphärische Fotografie zur Erfassung der Baumkronenentwicklung nach Auflichtung erfolgreich ab. Er untersuchte die Auswirkungen, die die Entnahme von Bäumen aus einem Bestand auf die verbleibenden, umliegenden Bäume hat. Janott konzentrierte sich dabei vor allem auf den Wettbewerb der angrenzenden Bäume um den neu freigewordenen Raum.

In seiner Diplomarbeit dokumentierte Janott zunächst die Bestandessituation im Jahr 2006, zwei Jahre nach der Auflichtung und beobachtete, wie sich die Lücken im Kronendach nach dem Einschlag entwickelten. Im Anschluss untersuchte er, ob Buchen und Fichten nach dem Eingriff mehr Licht bekamen. Als Versuchsfläche diente Janott die Langzeit-Versuchsfläche der forstlichen Studienfakultät im Kranzberger Forst, auf der im Sommer 2004 an drei unterschiedlichen Orten im Bestand Fichten und Buchen entnommen worden waren.

Lücken im Kronendach

Bei seinen Versuchen arbeitete Janott mit hemisphärischen Fotos. Das sind Bilder, die mit einem Fischaugenobjektiv fotografiert werden. Um geeignetes Fotomaterial aufnehmen zu können, schaffte der Lehrstuhl eine spezielle Digitalkamera mit einem Fischaugenobjektiv, spezieller Aufhängung und einem zugehörigen Analyseprogramm an. Mit Hilfe der hemisphärischen Fotos konnte Janott unter anderem den Anteil der Kronenlücken berechnen und so über die Jahre 2004 bis 2007 beobachten, wie sich die Belaubung in den Bestandeslücken veränderte. Besonders fällt auf, dass in der Zeit zwischen November 2006 und Februar 2007 der Deckungsgrad nach dem herbstlichen Blattfall noch einmal stark abnimmt. Wahrscheinlich ist der Orkan Kyrill, der im Januar 2007 über Deutschland wütete, für diesen Einbruch verantwortlich, da er zahlreiche Zweige abriss. Die Fichte bot dabei dem Wind mehr Angriffsfläche als die entlaubte Buche.

Im Gesamtvergleich der Bilder von 2004 nach dem Eingriff bis 2007 zeigt, dass sich die Kronenlücken in den reinen Buchenflächen stärker als in den Mischbeständen und dort stärker als in den Fichtenflächen geschlossen haben.

Lichtgenuss

Mit einem Drehkran (Abb. 1), der auf der Versuchsfläche im Kranzberger Forst bis über die Baumkronen reicht, konnte sich Janott frei in den Kronen bewegen und direkt über einzelnen Ästen der an die Lücken angrenzenden Buchen und Fichten hemisphärische Fotos schießen. Im Anschluss errechnete Janott mit Hilfe des Analyseprogramms den Stand der Sonne an jedem Zeitpunkt des Jahres, kombinierte diese Daten mit Informationen aus den hemisphärischen Fotos und der Vegetationsperiode und erhielt schließlich den potenziellen Lichtgenuss einer ausgewählten Position, beispielsweise eines bestimmten Astes, der in die nach der Fällung entstandene Lücke reichte.

Kronenraum aus der FischaugenperspektiveKronenraum aus der Fischaugenperspektive
Abb. 2: Aufnahmen des Kronendachs auf der Versuchsfläche der TU München im Kranzberger Forst
mit einem Fischaugenobjektiv (Foto: M. Janott)

Die Analyse ergab, dass die Schattenäste der Buche, die in die Lücke hineinreichten, nach der Auflichtung etwa 54 % mehr Licht erhielten. Die Schattenäste der Fichte bekamen dagegen nur etwa 20 % mehr Licht als ihre Partner, die auf der von der Lücke abgewandten Seite in den Bestand wuchsen. Das bedeutet, dass die Buchenäste stärker von der Auflichtung profitierten als die Fichtenäste. Die Position am Astes, d.h. Astbasis, Astmitte, Astspitze, hatte bei der Buche keinen merklichen Effekt auf den Lichtgenuss der Schattenäste. Im Gegensatz dazu die Fichte, wo die einzelnen Astabschnitte unterschiedlich viel Licht bekamen. Die Astspitze erhielt bei der Fichte mehr Licht als die Mitte und diese mehr als die Astbasis. Der Grund für den unterschiedlichen Lichtgenuss liegt in dem unterschiedlichen Wuchsverhalten, denn die Fichte wächst streng monopodial. So entsteht eine starre Struktur, in der sich die Äste selbst beschatten. Die Buchenkrone dagegen passt sich an die umgebenden Lichtverhältnisse an, was zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Krone im Raum führt.

Michael Johannes Janott schrieb die Diplomarbeit "Hemisphärische Fotografie zur Erfassung der Baumkronenentwicklung nach Auflichtung" am Lehrstuhl für Ökophysiologie der Pflanzen der Studienfakultät für Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement der TU München.
Hildegard Vogel war Mitarbeiterin des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan.

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