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Artikel

Autor(en): Christoph Jasser (Land Oberösterreich)
Redaktion: BFW, Österreich
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Weißtanne – die Herkunft entscheidet fast alles

Aktuelle Auswertung von drei Herkunftsversuchen in Oberösterreich

Mitte der achtziger Jahre waren die kalabrischen Weißtannenherkünfte nicht zuletzt wegen des Tannensterbens ein Thema in der forstlichen Fachwelt. Es wurden damals  Versuchsanbauten in mehreren Ländern durchgeführt. Drei Flächen in Oberösterreich wurden jetzt ausgewertet. Fazit: mehr Mut zur Tanne.

Kalabrische Tanne mit 28 Jahren und einem BHD von 36 cm in St. Florian
Kalabrische Tanne mit 28 Jahren und einem BHD von 36 cm in St. Florian

Vor 30 Jahren war es wegen der hohen SO2-Belastung um die Vitalität der Tanne äußerst schlecht bestellt. Damals fand die Auswertung eines dänischen Herkunftsversuchs von Prof. Bo Larsen große Beachtung. Bei dem Versuch, der viele Herkünfte aus ganz Europa enthielt, erwies sich nach über 40 Jahren einzig die kalabrische Herkunft als vital. Die hohe Vitalität wurde auf die fehlende genetische Einengung der süditalienischen Tanne zurückgeführt.

Versuche mit kalabrischer Tanne

In einigen Ländern wurden in weiterer Folge Versuchsanbauten mit Kalabrischer Weißtanne durchgeführt. In Oberösterreich wurden unter der Leitung von Dr. Felix Bentz, Landwirtschaftskammer Oberösterreich, an drei Standorten Vergleichsanbauten mit jeweils zwei oberösterreichischen (Hausruck und Gosau) sowie zwei kalabrischen Herkünften (C120 Monte Gariglione, Seehöhe 1400 bis 1700 m, und C39 Serra San Bruno, Seehöhe 1100 bis 1400 m) auf jeweils 400 m² und dreifacher Wiederholung begründet.

Unterschiede deutlich

2011 wurden die Versuchsflächen erstmals von Dr. Günter Rössler vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) aufgenommen und ausgewertet. Wie Abbildung 1 eindrucksvoll zeigt, waren die Unterschiede zwischen den Herkünften allgemein viel höher als vorher angenommen. 

Abbildung 1: Unterschiede der Herkünfte im Jahr 2011
Abbildung 1: Unterschiede der Herkünfte im Jahr 2011

Dabei offenbarte sich ein deutlicher Unterschied der Leistungsfähigkeit der Herkünfte in Abhängigkeit von den klimatischen Faktoren. Während im rauen Sauwald die Tanne aus Gosau überzeugen konnte, war im deutlich wärmeren Sankt Florian die Kalabrische Weißtanne C120 überragend.

Dies deckt sich auch mit dem Tannenherkunftsversuch von Univ.-Prof. Hannes Mayer von der Universität für Bodenkultur auf der Knödelhütte, wo die stärkste Tanne ebenfalls aus Kalabrien kommt. Die Herkunft C120 ist die einzige, die bei der oberösterreichischen Versuchsreihe an allen drei Standorten überdurchschnittliche Zuwächse leistete.

Herkunft Hausruck bleibt zurück

Tannenverbreitung und genetische Vielfalt
 Abbildung 2: Tannenverbreitung und genetische Vielfalt

Interessant ist auch das schlechte Abschneiden der Herkunft Hausruck, die nirgends oberhalb des Versuchsmittels liegt. Dies zeichnete sich schon nach rund zehn Jahren ab, als die Hausruck-Tanne eine gelbliche Nadelfarbe aufwies und schon damals im Höhenzuwachs zurückblieb.

Innerhalb der Versuchsglieder unterscheiden sich die Herkünfte auch deutlich: Während die Fläche der Gosau-Herkunft aus nahezu gleich starken Bäumen sehr homogen aufgebaut ist, stehen bei den kalabrischen Herkünften vorwüchsige neben schwächeren Bäumen. Vielleicht ist auch das ein Hinweis auf eine erhöhte genetische Vielfalt. Als einziger Nachteil der kalabrischen Tanne ist derzeit die Neigung zur Starkastigkeit festzustellen.

Kalabrische Tanne beeindruckt

Vom BFW wurden 2015 die Flächen in St. Florian wiederum gemessen. Dabei zeigten sich ähnliche Leistungsunterschiede wie in der Vorperiode (Tabelle 1).

 Laufender Zuwachs 2011– 2015 in Vfm/ha/Jahr auf der Versuchfläche St. Florian
Kalabrische Tanne C 120 36,6
Kalabrische Tanne C 39
30,2
Gosau 28,4
Hausruck 21,3
daneben stehender, gleichalter Fichtenbestand 22,4

Beeindruckend ist der laufende Zuwachs mit 36,6 Vfm/ha/Jahr bei der Kalabrischen Tanne C120. Gosau liegt in der Leistungsfähigkeit zwar darunter, aber dennoch deutlich über der gleichaltrigen, daneben liegenden Fichte. Diese Überlegenheit wird vermutlich noch zunehmen.

Aufruf:
Mitte der achtziger Jahre waren die kalabrischen Weißtannenherkünfte nicht zuletzt wegen des Tannensterbens ein Thema in der forstlichen Fachwelt. Es wurden damals mit Sicherheit Versuchsanbauten in mehreren Ländern durchgeführt. Nun wäre es höchst aufschlussreich, diese Ergebnisse zusammenzuführen. Der Autor, Christoph Jasser, bittet daher um die Meldung von entsprechenden Versuchsanbauten bzw. der Übermittlung von Ergebnissen.

Fazit

  • Die Leistungsunterschiede zwischen den Tannenherkünften sind überraschend hoch.
  • Die kalabrische Herkunft C 120 scheint für Lagen unterhalb von 600 m Seehöhe in  Österreich eine sehr leistungsstarke Herkunft zu sein und sollte daher durchaus auch in der Praxis schon Verwendung finden.
  • In bayerischen Versuchen zeigen sich Herkünfte aus den Südkarpaten als sehr wüchsig und den dort heimischen Tannen überlegen.
  • Die Leistungsfähigkeit der Tanne im Vergleich zur Fichte zeigt, dass diese auch aus ökonomischer Hinsicht von der Praxis beachtet werden sollte. Die geringere Käfer- und Windwurfgefahr und die deutlich geringere Rotfäulegefahr bringen zusätzliche Vorteile.
  • Neue Herkunftsversuche mit Weißtanne sind dringend erforderlich. Ein entsprechender Versuch wird derzeit am Institut für Waldgenetik des BFW vorbereitet.
  • Mehr Mut zur Tanne – diese ist mehr als nur die Spinnerei von manchen Ökologen oder Forstleuten.

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