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Ferdinand Kristöfel

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Bundesforschungszentrum für Wald  
Institut für Waldwachstum und Waldbau
Seckendorff-Gudent-Weg 8
A-1131 Wien

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Telefax: +43 (1) 87838 - 1250

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Artikel

Autor(en): Ferdinand Kristöfel
Redaktion: BFW, Österreich
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120 Jahre ertragskundliche Versuche mit Douglasie

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden von der k.k. Forstlichen Versuchsanstalt im Zuge der ersten "Douglasienwelle" an die 90 Versuchsan­bauten mit Douglasie im gesamten Gebiet der Monarchie angelegt. Derzeit werden vom Institut für Waldwachstum und Waldbau des BFW acht Dauerbeobachtungsflächen mit Douglasie betreut. Die Versuchs­­fläche in Reindlmühl bei Gmunden in Ober­österreich wurde im Jahr 2007 genau 120 Jahre alt.

1905 wurde in Reindlmühl ein Durchforstungsversuch mit drei Durchforstungsvarianten (schwache Hochdurchforstung, mäßige Niederdurchforstung, starke Niederdurchforstung) eingerichtet. In den 1950er Jahren wurden von der damaligen Forstlichen Bundesversuchs­anstalt vier Versuchsflächen (Wiesen, Lackenbach, Kobersdorf im Burgenland und Purkersdorf in Niederösterreich) in derzeit 80 Jahre alten Beständen angelegt. In jüngerer Zeit wurden drei weitere Versuchsflächen an­gepflanzt: Kohfidisch im Burgenland (1971) sowie in Niederösterreich Waldhof (1961) und Porrau (1981) (Abbildung 1).

Abbildung 1
Abbildung 1: Lage der noch bestehenden Dauerversuchsflächen mit Douglasie und Douglasienverbreitung nach ÖWI 2000/02 in den Wuchsgebieten

Auf den Versuchsflächen wurden zwischen 6.500 und 1.000 Pflanzen ausgebracht, teils in Mischung mit anderen Baumarten. Im Laufe der Zeit setzten sich weite Pflanzverbände durch.

Wuchsleistung

Die Wuchsleistung wird nur für die fünf Versuchsflächen mit älteren Beständen (Reindlmühl, Wiesen, Lackenbach, Kobersdorf, Purkersdorf) besprochen, da diese an­nähernd das Ende der Umtriebszeit erreicht haben und somit eine abschließende Beurteilung möglich ist. Für die jüngeren Versuchsflächen ist dies noch nicht sinnvoll.
Da unmittelbare Vergleichsflächen mit heimischen Baum­arten meist fehlen, werden die von der Douglasie erreichten Wuchsleistungen den Werten der in der Praxis gängigen Ertragstafel Fichte Bayern 17 dGZ100 gegen­übergestellt (Abbildung 2).

Abbildung 2
Abbildung 2: Wuchsleistung auf den fünf Versuchsflächen mit älteren Beständen (Reindlmühl, Wiesen, Lackenbach, Kobersdorf, Purkersdorf)

Die mittleren Durchmesser und Höhen liegen auf allen fünf Flächen deutlich über den Vergleichswerten der Fichte. Die Stammzahlhaltung ist hingegen recht deutlich unter den Werten der Fichten-Ertragstafel.

Tabelle: Ertragskundliche Kennziffern der fünf Versuchsflächen zum Zeitpunkt der letzten Aufnahme
Probefläche Alter Stammzahl Oberhöhe Höhe BHD Grundfläche
Vorrat Gesamtwuchsleistung
Jahre Stück m2  vfm  vfm 
Wiesen 79  190 45,0 43,7 54,8  44,8 788 1310
Lackenbach  80  180  47,2  46,1  55,6  43,7  811  1425 
Kobersdorf  79  255  42,0  39,9  48,7  47,4  773  1284 
Purkersdorf  75  152  41,6  40,4  53,1  33,7  549  1132 
Reindlmühl I  87  250  40,8  39,2  49,8  48,7  836  1608 
Reindlmühl II  87  313  39,4  36,5  42,8  45,0  741  1471 
Reindlmühl III  87  185  41,3  39,8  54,8  43,7  744  1510 
Fichte Bayern  80  645  35,7  32,8  34,4  59,8  886  1374 

Auf den drei Versuchsflächen im Burgenland wurden ab dem Alter von 60 Jahren wegen starker Schneebrüche eine größere Zahl von Bäumen entnommen, was die Grundfläche deutlich absenkte. Der markante Abfall der Grundflächenhaltung auf der Versuchsfläche Purkersdorf ist durch einen Blitzschlag bedingt: Neben dem direkt betroffenen Baum sind auch die Nachbarbäume abgestorben. Auf der Versuchsfläche Reindlmühl, wo die Grundflächen zunächst klar über der Fichtenertragstafel lagen, wurde etwa ab dem Alter von 60 Jahren begonnen, den Bestand saumschlagartig zugunsten der ankommenden Naturverjüngung aufzulockern.

Die Entwicklung des stehenden Vorrates sinkt entsprechend der Grundflächenhaltung ebenfalls ab, liegt jedoch wegen höherer Massenleistung der Einzelbäume auf Grund größerer Baumhöhen weniger deutlich unter den Werten der Ertragstafel. Die Entwicklung der Gesamtwuchsleistung – also der stehende Vorrat inklusive der Vornutzungen - überschreitet (Reindlmühl) bzw. erreicht in etwa die Fichtenertragstafel (40 Jahre Standraumversuch).

Schäden

Außer Schneebrüchen und vereinzelt Windwürfen sind keine bemerkenswerten biotischen oder abiotischen Schäden zu verzeichnen. Fallweise auftretende Douglasienschütte, besonders bei unterständigen Bäumen, ver­ursachte keine nachhaltigen Schäden. In den jungen Jahren wurden mehrfach Verbiss- und Fegeschäden festgestellt.

Abschließende Bewertung

Aufgrund der räumlichen Nähe und standörtlichen Vergleichbarkeit mehrerer Dauerversuchsflächen im Wienerwald ist ein Vergleich der Wuchsleistung der Douglasie mit anderen Baumarten (Fichte, Thuja plicata und Buche) möglich. Sehr deutlich zeigt sich die Überlegenheit der Douglasie (Abbildung 3): Im Alter von 60 Jahren erzielt sie eine Gesamtwuchsleistung von rund 900 Vfm, Fichte und Thuja plicata rund 500 Vfm und Buche nur rund 300 Vfm.

Abbildung 3
Abbildung 3: Vergleich der Gesamtwuchsleistung der Douglasie mit anderen Baumarten (Fichte, Thuja plicata und Buche) auf Dauerversuchsflächen im Wienerwald

Die in relativ kurzer Zeit erzielbaren hohen Wuchsleistungen sprechen für die Douglasie als wertvolle Ergänzung zu heimischen Baumarten auf geeigneten Standorten.