URL: https://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/waldbau/verjuengung/wsl_direktsaat/index_DE
Autor(en): Ulrich Wasem
Online-Version: Stand: 15.02.2005
Redaktion: WSL, CH

Direktsaaten mit und ohne Keimhilfen

Direktsaat ist eine kostengünstige Ergänzung zur Naturverjüngung und eine Alternative zu herkömmlichen Methoden wie Pflanzungen mit Nacktwurzlern oder Topfpflanzen.

Arbeitsablauf
Abb. 1 - Kleine, kegelförmige Treibhäuschen aus zersetzbarem Kunstoff verbessern die Wärme- und Feuchtigkeitsverhältnisse für den Keimungsvorgang.
Fotos: Ulrich Wasem (WSL)

Seit 1985 führt die Forschungsanstalt WSL Direktsaat-Versuche mit und ohne Keimhilfen für die Gebirgswaldverjüngung durch. Direktsaat kann eine Ergänzung zur Naturverjüngung und eine Alternative zu herkömmlichen Methoden wie Pflanzungen mit Nacktwurzlern oder Topfpflanzen sein. Bei Bestockungsversuchen mit Direktsaaten ohne Keimhilfen war der Erfolg in der Vergangenheit bescheiden. Der Verbrauch an wertvollem Hochlagensaatgut war gross. Saatversuche mit Keimhilfen zeigen hingegen deutlich bessere Resultate.

Kleine, kegelförmige Treibhäuschen aus zersetzbarem Kunstoff verbessern die Wärme- und Feuchtigkeitsverhältnisse für den Keimungsvorgang. Samen und Keimlinge werden vor Frost, Hagel, sowie vor Frass durch Vögel, Mäuse, Schnecken und Insekten geschützt. Nach zwei bis drei Vegetationsperioden zersetzen sich die Keimhilfen unter dem Einfluss von UV-Strahlung ohne Rückstände.

Alternative zur Pflanzung

In folgenden Fällen ist die Direktsaat eine Alternative zu Pflanzungen:

Kostengünstig und geringer Arbeitsaufwand

Tannenkeimlinge
Abb. 2 - 3-jährige Tannensämlinge in Saatkiste.
 
Tannensämlinge
Abb. 3 - Tannenkeimlinge im Forstgarten.

Ein grosser Vorteil von Direktsaaten sind Einsparungen durch den Wegfall aller Nachzucht-, Transport- und Pflanzarbeiten. Dadurch wird es möglich, schon im Frühjahr zum Beispiel nach einer Holzernte mit der Waldverjüngung zu beginnen. Der Vorteil von noch vegetationsarmen Saatplätzen sollte man unbedingt ausgenützen. Bis die Vegetation die Bodenoberfläche abschirmt, vergehen meist mehrere Jahre, und die Sämlinge können mit wenig Pflegeaufwand der Krautschicht entwachsen.

Ein zweiter Vorteil ist der geringe Arbeitsaufwand. Mit Hilfe einer Pendel- oder Wiedehopfhaue wird der Boden leicht geschürft. Dieser Arbeitsvorgang entfernt Steine, Äste und kleine Wurzeln, lockert das Erdmaterial auf und beseitigt störende Vegetation. Die Keimhilfen lassen sich so leichter in den Boden drücken. Diese Art von Bodenvorbereitung hat keine nachteilige Wirkung, da rund um alte Strünke herum der Boden gut durchwurzelt ist.

Weitere Vorteile einer Direktsaat:

So wird gesät

Säen
Abb. 4 - Saat-Versuch: Direktsaat ohne Keimhilfe
 
Treibhäuschen
Abb. 5 - Saatversuch mit Keimhilfen
 
Fotos: Ulrich Wasem (WSL)
 

Verankern der Keimhilfen im Boden

Die Keimhilfen erfüllen ihre Funktion nur,wenn sie die Keimlinge/Sämlinge zwei Jahre schützen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sie fachgerecht im Boden verankert werden. Je nach Bodenbeschaffenheit ist dies nicht einfach und erfordert eine gewisse Erfahrung. Steine, Wurzeln, Äste, oder Vegetation können ein ideales Setzen der Keimhilfen verhindern. In solchen Fällen lohnt es sich, eine neue Saatstelle zu suchen, bis der Kegel satt im Boden sitzt. Es muss Druck mit einer Drehbewegung auf den Saatstock ausgeübt werden, bis der untere Rand der Keimhilfen ca. 2 cm tief im Boden steckt. Mit dem Schuh oder der Hand können die Keimhilfen im lockeren Boden angedrückt werden. Im Frühjahr kurz nach der Schneeschmelze ist der Boden noch weich und feucht. Für das Stecken der Keimhilfen sind das ideale Verhältnisse.

Gefahren für die Treibhaus-Kegel:

Vergleich zwischen Saaten mit und ohne Keimhilfen

Bei einer 1985 gestarteten Testreihe (2000 Keimhilfen und 2000 Nullproben) sind deutlich mehr Samen in den Keimhilfen gekeimt und angewachsen als in den Vergleichsproben ohne Keimhilfen. Gemittelt über die Baumarten Bergföhre, Fichte und Lärche waren im Herbst nach der Saat 79 Prozent der Keimhilfen mit mindestens einem Sämling besetzt, bei den Nullproben dagegen nur 31 Prozent. In den folgenden Jahren hatten die Normalsaaten grössere Ausfälle als die Saaten mit Keimhilfen.

Wachstum der Saaten

Wachstum der Fichte
Abb. 6 - Fichten wachsen langsamer als Föhren und Lärchen 
 
Pflege
Abb. 7 - Die Lichtverhältnisse und die Feuchtigkeit des Bodens lassen sich mit der Pflege regulieren.
 
Fotos: Ulrich Wasem (WSL)

Saaten brauchen Pflege und Schutz

Um die Saatplätze besser wiederzufinden, ist es ratsam, im Zentrum einen Holzpfahl zu schlagen. In den ersten Jahren nach der Saat sind Kontrollgänge im Frühjahr und Herbst nötig. Äste und liegen gebliebenes Holz können im steilen Gelände die Keimhilfen umkippen. An Hängen, wo mit Schneebewegung (Schneegleiten) gerechnet werden muss, sind die Keimhilfen nur im Schutze von Stöcken, Wurzeln und Steinen sicher. Die Sämlinge werden gerne abgefressen, wenn sie aus den Keimhilfen wachsen. Darum ist nach 2-3 Jahren ein chemischer Wildschutz nötig. Besser ist natürlich ein Zaun, falls dies die örtlichen Gegebenheiten ermöglichen.

Mit der Vegetation lassen sich die Feuchtigkeit und Lichtverhältnisse regulieren. Je nach zu schneiden. Bewährt hat sich das Abschneiden der Vegetation auf ca. 20 cm Höhe. Das verhindert auf sonnigen Standorten das Austrocknen des Bodens. Manchmal genügt es, einige bedrängende Gras- und Krautarten auszureissen.

Hohe Arbeitsleistung

Genaue Angaben über die Arbeitsleistung sind wegen den sehr unterschiedlichen Verhältnissen auf potentiellen Saatplätzen schwer zu machen. Als Richtzeit darf man von 240 Keimhilfen pro Stunde (ohne Bodenbearbeitung) ausgehen. Bei 2400 Keimhilfen pro Hektare ist mit 10 Stunden reiner Saatarbeit zu rechnen.

Nur Samen hoher Qualität verwenden

Ob Freilandsaaten gelingen, hängt im hohem Masse von der Qualität des Saatgutes ab. Unterschiede zwischen Provenienzen können und müssen berücksichtigt werden. Die Keimkraft des geernteten oder zugekauften Saatgutes sollte hoch sein. Die Dosierung am Saatstock ist so einzustellen, dass 3-4 keimfähige Samen in einen gesteckten Kegel fallen. Der Verbrauch an hochwertigem Saatgut ist damit gering. Wenn zu viele Samen in eine Keimhilfe fallen, konkurrenzieren sich die Keimlinge/Sämlinge gegenseitig, was zu Wachstumseinbussen und erhöhten Ausfällen führt.

Saatgut-Menge

Tab. - Benötigte Menge Saatgut pro Hektare
Baumart
Keimkraft
Samenmenge (Gramm)
 Fichte  90%  90 g
 Bergföhre  80%  70 g
 Lärche  40%  120 g

Literatur

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