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Stefan Tretter

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Waldbau und Bergwald
Hans-Carl-von-Carlowitz-Pl. 1
D-85354 Freising

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Zielgerichtet natürlich verjüngen

Naturverjüngung bietet Waldbesitzern viele Vorteile. Daher ist sie ein wichtiges Ziel waldbaulicher Maßnahmen. Welche Maßnahmen für eine zielgerichtete Naturverjüngung nötig sind, hängt vom Bestand ab.

Ein vorrangiges Ziel waldbaulicher Maßnahmen muss es sein, die Naturverjüngung der Bestände zu fördern. Denn Naturverjüngung bietet beachtliche Vorteile gegenüber der Pflanzung: ungestörte Wurzelentwicklung, bessere Vitalität und Stabilität der Bäume sowie geringe Kulturbegründungskosten. Um eine zielgerichtete Naturverjüngung zu erreichen, sind unterschiedliche Maßnahmen – abhängig von der Bestandesart – eizuleiten.

Inhalt

Naturverjüngung in Nadelwaldbeständen

gelungene Mischverjüngung
Abb. 1: Eine gelungene Mischverjüngung aus Fichte, Tanne, Ahorn und Buche untern einem von Fichten dominierten Altbestand im Stadtwald von Burgau/Schwaben. Ein angepasster Wildbestand ermöglichte hier das Aufkommen einer zukunftsträchtigen Baumartenmischung aus reiner Naturverjüngung (Foto: W. Rothkegel).

In Nadelholzbeständen und nadelholzdominierten Mischbeständen sind vertikaler und horizontaler Strukturreichtum sowie Strukturreichtum bezüglich des Alters der Bäume wichtig. Durch möglichst frühzeitigen Voranbau werden hohe Anteile an Laubgehölzen und Tanne sichergestellt. Abhängig vom jeweiligen Lichtbedürfnis der Bäume bringt man diese in Trupps, in Gruppen oder horstweise ein.

Fichte: Voraussetzung ist, dass die Einzelbaum- und Bestandesstabilität ausreichend lange Verjüngungszeiträume zulassen. In Fichtenreinbeständen muss der Waldbesitzer frühzeitig Mischbaumarten durch Voranbau einbringen. Haben sich die vorangebauten Mischbaumarten auf ausreichender Fläche etabliert, wird die Fichten-Naturverjüngung durch vorsichtiges, einzelstammweises Nachlichten auf geeigneten Standorten eingeleitet. Mit der gezielten Steuerung der Überschirmung können Waldbesitzer und Forstleute die Differenzierung und Strukturierung in der Naturverjüngung fördern.
In labilen Beständen ist Vorsicht angesagt. Aufgrund hoher h/d-Werte, kurzer Kronen oder starker Baumschäden müssen sich die Eingriffe auf stabilisierende Maßnahmen beschränken. Bei mäßigen aber häufigen Eingriffen werden bevorzugt kurzkronige und geschädigte Bäume entnommen. Mischbaumarten müssen als Samenbäume unbedingt belassen werden. In undifferenzierten Naturverjüngungen ohne Schirm sind Pflegeeingriffe zur Mischwuchsregulierung und Stabilisierung unerlässlich.

Kiefer: Alle aufkommenden Laubbaum- und Straucharten müssen unbedingt als Mischungselement erhalten bleiben. Falls keine standortsgerechten Mischbaumarten vorhanden sind, werden diese vor Einleitung der Verjüngung eingebracht. Wichtig ist die genetische Ausgangssituation der Kiefernbestände. Nur qualitativ hochwertige, herkunftsgesicherte und standortsgeeignete Kiefernbestände sind für eine Naturverjüngung geeignet. Diese wird durch partielles, starkes Auflichten über nicht verjüngten Bereichen eingeleitet.

Tanne: Strukturreichtum (vertikal, horizontal, Baumalter) im Altbestand fördert die Naturverjüngung. Eine Tannen-Naturverjüngung gedeiht schon bei relativ dunklen Lichtverhältnissen und entwickelt sich besonders gut, wenn sie lange Zeit im Schutz des Altbestandes wachsen kann. Erst wenn die Tannenverjüngung gegenüber der Brombeere und/oder konkurrierenden Baumarten einen Wuchsvorsprung von mindestens drei bis vier Metern besitzt, darf stärker aufgelichtet werden.

Douglasie: Bestände unbekannter Herkunft dürfen nicht natürlich verjüngt werden. Das gilt besonders auch für die Graue Inlanddouglasie (Pseudotsuga menziesii var. glauca), da sie gegenüber der Rostigen Douglasienschütte (Rhabdocline pseudotsugae) sehr empfindlich ist. Auch bei der Grünen Küstendouglasie (Pseudotsuga menziesii var. viridis) spielt die Genetik eine wichtige Rolle. Altbestände aus ungeeigneten Herkuftsgebieten sollten nicht natürlich verjüngt werden. Damit sich keine Douglasien-Reinbestände entwickeln, müssen Mischbaumarten in trupp- bzw. gruppenweiser Mischung ausreichend beteiligt werden. Längere Überschirmungszeiträume begünstigen einen differenzierten Aufbau der Verjüngung.

Naturverjüngung in Laubwaldbeständen

gesicherte Buchen-Naturverjüngung
Abb. 2: Gesicherte Buchen-Naturverjüngung im Privatwald bei Insingen, AELF Ansbach (Foto: O. Ruppert)

Für Laubholzbestände und laubholzdominierte Mischbestände sind das allgemeine Bestockungsziel gemischte, qualitativ hochwertige Mischbestände. Die Verjüngung in trupp-, gruppen- oder horstweiser Mischung richtet sich nach dem Lichtbedürfnis der jeweiligen Baumart. Im Rahmen der naturnahen Forstwirtschaft sollten einzelne Altholzreste und Altholzinseln belassen werden.

Rotbuche: Die Naturverjüngung ist frühzeitig einzuleiten, um einen langen Verjüngungszeitraum zu gewährleisten. Dieser kann gut und gerne bis zu 50 Jahre umfassen. Erzeugt wird dabei eine strukturreiche und qualitativ hochwertige Verjüngung in trupp-, gruppen- oder horstweiser Mischung. Durch ungleichmäßig verteilte Zielstärkennutzung (Femelschlag) kann die Verjüngung eingeleitet werden. Ein großflächiger Schirmschlag und die dadurch entstehende flächige Buchen-Naturverjüngung sind zu vermeiden. Verjüngungskerne von Mischbaumarten (Laub- und Nadelholz) müssen mittels Nachlichtung frühzeitig gesichert werden.

Stiel- und Traubeneiche: Die Verjüngung wird nur bei Vollmasten in hiebsreifen Beständen, die man vorher geschlossen halten muss, eingeleitet. Zunächst werden zielstarke Bäume einzelstammweise entnommen. Später erfolgt ein mindestens 0,5 Hektar großer Lochhieb. Vorausverjüngungen durch Schattlaubholz soll man vermeiden. Erst nachdem die Eiche aufgelaufen ist, werden nicht verjüngte Bereiche mit Misch- oder Schattbaumarten ergänzt.

Edellaubholz: Bei Kirsche, Ahorn, Esche, Erle und den Sorbus-Arten leitet man die Naturverjüngung durch Zielstärkennutzung im Femelschlagverfahren ein. Eine unterschiedliche Überschirmung fördert die Differenzierung der Bäume. Schattlaubbäume sind bei großflächiger, baumartenreiner Naturverjüngung unbedingt in den noch nicht verjüngten Bereichen einzubringen.

Wachstum

praktische Übung im Waldbautraining
Abb. 3: Naturverjüngung war auch Thema beim Waldbautraining der Bayerischen Forstverwaltung (Foto: O. Ruppert).

Im Bestand kommt es zur Konkurrenz der Bäume um Licht, Wasser und Nährstoffe. Die Naturverjüngung kann man fördern, indem man die Konkurrenz mindert zwischen

  • den beteiligten Baumarten,
  • Altbestand und Naturverjüngung und
  • Begleitvegetation und Naturverjüngung.

Das Wasserangebot für den Bodenspeicher und die Naturverjüngung ist in Nadelholzbeständen im Vergleich zu Laubholzbeständen geringer. Grund ist das größere Abfangen bzw. Zurückhalten von Niederschlägen von der Bodenoberfläche (Interzeption). Die Wasserversorgung für die Naturverjüngung kann verbessert werden durch

  • einen durchlässigeren Kronenraum (Femeln, Nachlichten),
  • eine geringere Wurzelkonkurrenz durch den Altbestand (Stückzahlreduktion),
  • eine geringe Besonnung und
  • den Erhalt einer günstigen Bodenfeuchte.

Eine Beschattung zu Beginn der Verjüngung erleichtert die beiden letzten Forderungen. Dabei sind natürlich die regionalen Unterschiede bezüglich Höhe und Verteilung der Niederschläge zu beachten. Die Veränderung der Sonneneinstrahlung (Strahlungsquantität und -qualität) beeinflusst

  • die Keimprozente der Lichtkeimer,
  • das Überleben und die Vitalität der Sämlinge/Jungpflanzen (v.a. bei Lichtkeimern),
  • die Konkurrenzvegetation (Brombeere/Springkraut),
  • den Anteil der Lichtbaumarten und
  • das Überleben und die Vitalität von Ergänzungspflanzungen.

Naturnahe Forstwirtschaft bedeutet im Einklang mit der Natur zu wirtschaften, aber auch Naturverjüngung zu fördern und die Potenziale vorhandener standortsgerechter und klimatoleranter Altbestände zu nutzen.

Originalartikel

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