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Stefan Tretter

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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LWF-Merkblatt Nr. 40 – Wuchshüllen – Minigewächshäuser im Wald

Wuchshüllen bringen Vorteile, z.B. bei Verunkrautung oder Spätfrost, mit sich – aber nicht nur. Sie sind auch teuer und müssen entsorgt werden. Im LWF-Merkblatt Nr. 40 werfen wir einen kritischen Blick auf diese Kulturhilfe.

nach der Pflege
Abb. 1: Durch die Wuchshülle war das Bäumchen zwischen den Brombeeren schnell wieder zu finden (Foto: P. Dimke).

Wuchshüllen sind lichtdurchlässige Kunststoffröhren, die über junge Bäumchen gestülpt werden. Gute Erfahrungen liegen für die meisten Laubbaumarten und für die Lärche vor; bei anderen Nadelbaumarten besteht noch Beobachtungsbedarf.

Möglichkeiten und Grenzen

Wuchshüllen schaffen für junge Bäumchen ein wuchsförderndes Mikroklima und schützen sie vor Konkurrenzpflanzen – ein Rundum-sorglos-Paket sind Wuchshüllen jedoch nicht. Der Schlüssel zum Kulturerfolg ist eine regelmäßige Kontrolle.

Vorteile:

  • wirken wie Minigewächshäuser, da sich darin höhere Lufttemperaturen und höhere Luftfeuchtigkeit einstellen
  • durch Verwendung kleinerer Pflanzensortimente bessere Wurzelentwicklung und geringere Kosten bei der Pflanzung
  • bessere Überlebenschancen bei Ergänzungspflanzungen
  • können Risiko von Frostschäden verringern
  • können Pflegeintensität und -dauer verringern
  • können Rindenfraß durch Mäuse verringern
  • verhindern Mähschäden durch bessere Auffindbarkeit
  • können vor Verbiss- und Fegeschäden schützen
  • auch von Ungeübten in Einmannarbeit anwendbar

Nachteile und Grenzen:

schräge Wuchshüllen
Abb. 3: Sind die Pfosten nicht tief genug eingeschlagen oder wird nicht oft genug kontrolliert, ist mit hohen Ausfällen zu rechnen (Foto: P. Dimke).
  • fördern Längenwachstum in der Regel überproportional zum Dickenwachstum; kann zu Lasten der Baumstabilität gehen
  • sollten nur an helleren Pflanzplätzen als für die Baumart üblich verwendet werden
  • kann zu Überhitzung, Schädlingsbefall und Verpilzung kommen
  • eingewachsene Konkurrenzvegetation wird ebenso gefördert
  • kann zu Triebdeformationen kommen
  • schrägstehende oder umgefallene Wuchshüllen (bei mangelhafter Verpflockung oder Kontrolle) können Kulturerfolg gefährden
  • Hüllenteile können einwachsen (v.a. im unteren Stammbereich)
  • müssen als Abfall rechtzeitig aus dem Wald entsorgt werden (nicht zu Mikroplastik zerfallen lassen)

Wuchshüllen und ihre Handhabung

Wuchshüllen sind in verschiedenen Höhen, Durchmessern, Lochungen, Formen und Farben erhältlich. Welche Hülle die geeignetste ist, hängt von der geplanten Verwendung ab.

Triebdeformation
Abb. 3: Insbesondere bei Rotbuchen kommt es häufig zu Triebdeformationen (Foto: P. Dimke).

Höhe
Wuchshüllen sollten so niedrig wie möglich und so hoch wie nötig gewählt werden. Sie sollten von krautiger Konkurrenzvegetation nicht überwachsen oder umgedrückt werden. Wo mit rankenden Pflanzen oder erheblicher Spätfrostgefahr zu rechnen ist, empfehlen sich höhere Wuchshüllen. Ab welcher Höhe Schutz vor Verbiss- und Fegeschäden gegeben ist, hängt von den vorkommenden Schalenwildarten ab.

Durchmesser
Die Durchmesser handelsüblicher Wuchshüllen reichen von fünf bis zwanzig Zentimeter; im Forstbereich sind Durchmesser zwischen acht und zwölf Zentimetern üblich. Innendurchmesser über zwölf Zentimeter kommen aus Kostengründen nur gelegentlich bei empfindlichen, wertvollen Baum- und Straucharten zum Einsatz.

Belüftung
In Wuchshüllen entsteht ein feucht-warmes Gewächshausklima. Damit es nicht zu Überhitzung und Schimmelbildung kommt, verfügen die meisten Wuchshüllentypen über Belüftungslöcher oder sie sind flächig fein perforiert.

Licht
Wuchshüllen schirmen einen Teil der für die Fotosynthese notwendigen UV-Strahlung ab, daher sollte man sie generell an helleren Pflanzplätzen einsetzen. Prädestiniert sind sie für Freiflächen, lichte Bestandsränder und größere Bestandslücken. Selbst die schattenertragende Weißtanne kann wohl nur bei mindestens lichtem Halbschatten oder helleren Verhältnissen in Wuchshüllen gedeihen.

Sollbruchstelle
Abb. 4: Die Lärche hat die Wuchshülle an der Sollbruchstelle gesprengt. Sofern die Hülle jetzt nicht noch als Fegeschutz benötigt wird, ist ein Abbau überfällig und sollte schnell nachgeholt werden (Foto: P. Dimke).

Rindenverletzungen
Sobald die Krone dem Wind ausgesetzt ist, kann es zu Scheuerbewegungen und damit Rindenverletzungen der Pflanze kommen. Der nach außen gebogene obere Rand der Wuchshülle soll das verhindern; einige Modelle müssen beim Aufbau entsprechend aufgebogen werden. Am Stammfuß sollen Sollbruchstellen in der Wuchshülle Rindeneinwachsungen vermeiden. Regelmäßige Kontrollen und ein rechtzeitiger Abbau sind dennoch unverzichtbar.

Aufbau
Stabile Pfosten als Befestigung stellen sicher, dass die Wuchshüllen weder von Wind oder Nassschnee umgedrückt noch von rankenden Pflanzen niedergezogen werden. Angespitzte Kanthölzer aus dauerhaftem Holz haben sich als Pfosten bewährt. Kunststoff- oder Metallstäbe kommen ebenfalls in Betracht, müssen aber am Ende entsorgt werden. An den Pfosten werden die Wuchshüllen mit Hilfe vorgestanzter Laschen oder Kabelbindern bzw. Draht befestigt. Die Pfosten sollten mindestens ¼ der Höhe der Wuchshülle tief eingeschlagen werden. Sitzen die Pfosten an der Nordseite, werfen sie keinen Schatten auf die Pflanze; Wind- und Schneebewegungen hält die Wuchshülle am besten mit Pfosten auf der talseitigen oder windabgewandten Seite stand.

Unterhalt
Verpflockung und aufrechter Stand der Wuchshüllen sollten mehrmals jährlich und nach Stürmen kontrolliert werden. Regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert werden sollten auch die Lage des Bäumchens und seines Haupttriebes, insbesondere nach Nassschneefall. Bei Baumarten, deren Frühjahrstriebe zunächst hängend austreiben können diese beim Aufrichten an der Hüllenwand hängen bleiben und sollten dann mit einem Drahthaken aufgerichtet werden.
Dürres Laub und abgestorbene Baumteile können Belüftung, Lichtversorgung und Wachstum behindern sowie Schimmelbildung fördern. Sie sollten spätestens im Frühjahr vor dem Laubaustrieb aus der Wuchshülle entfernt werden. Vegetation in der Hülle sollte nicht geschnitten, sondern ausgerissen werden. Ebenso muss Bewuchs im näheren Umkreis um die Wuchshülle zurückgenommen werden, um Lichtmangel zu verhindern.

problemloser Abbau
Abb. 5: Faltbare Wuchshüllen lassen sich problemlos abbauen und wiederverwenden (Foto: P. Dimke).

Dauerhaftigkeit und Entsorgung
Starke Besonnung beschleunigt die Verwitterung der Wuchshüllen. Die restlose Entsorgung muss zuverlässig vor dem Beginn des Zerfalls in kleine Partikel erfolgen. Zu wenig haltbare Wuchshüllen können schon zerfallen, während die Pflanze die Hülle noch benötigt. Zur bestmöglichen Abfallvermeidung sollten daher entweder vollständig biologisch abbaubare oder sehr dauerhafte Wuchshüllen mit der Option der Mehrfachverwendung genutzt werden. Nur Kunststoffe, die ausschließlich auf Stärke, Zellulose, Ligninen oder Polysacchariden basieren, sind biologisch abbaubar. Bisher sind aber nur wenige Modelle auf dem Markt, im Zweifel sollte man detaillierte Produktinformationen vom Hersteller einholen.

Kosten von Wuchshüllen

In einer Kostenkalkulation müssen neben den Materialkosten für die Wuchshüllen auch Auf- und Abbau sowie der Kontrollaufwand einbezogen werden. Bei größeren Flächen und engeren Pflanzabständen kann der Einsatz von Wuchshüllen kostspielig werden. Wuchshüllen sind vor allem für kleinere Pflanzflächen und/oder die Ergänzungspflanzungen mit Mischbaumarten geeignet. Ein Kulturzaun schützt zudem auch die natürlich angesamten Bäumchen und fordert somit die Baumartenvielfalt.

Pflanzfläche [m2] Pflanzverband [m] Pflanzenanzahl [N] Kosten für Wuchshüllen [€] Kosten für Kulturzaun [€]
250 1 x 2 125 625 630
  3 x 3 28 140  
  5 x 5 10 50  
1.000 1 x 2 500 2.500 1.265
  3 x 3 111 555  
  5 x 5 40 200  
5.000 1 x 2 2.500 12.500 2.830
  3 x 3 556 2.780  
  5 x 5 200 1.000  

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