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für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Christian Ammer; Matthias Wilnhammer
Redaktion: LWF, Deutschland
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High noon in der Verjüngung – wer zieht am schnellsten?

Vergleich von Buchensaat, -pflanzung und Fichtennaturverjüngung

Im Jahr 1997 legte der Lehrstuhl für Waldbau und Forsteinrichtung der Technischen Universität München einen von der Bayerischen Staatsforstverwaltung finanzierten Versuch an, der folgende Fragen klären sollte:

  1. Welche waldbaulich steuerbaren Faktoren beeinflussen den Keimerfolg von Buchensaaten?
  2. Wie entwickeln sich Buchensaaten im Vergleich zu Pflanzungen?
  3. Wie entwickeln sich Buchensaaten im Vergleich zur Fichtennaturverjüngung?
Sprosslängenwachstum nach Alter, gesät, gepflanzt
Abb. 1: Mittleres Sprosslängenwachstum der gesäten bzw. gepflanzten Buchen in Abhängigkeit des Alters.

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Fasst man die bereits publizierten Ergebnisse zur Beantwortung der ersten dieser Fragen zusammen (Ammer et al. 2001, Ammer et al. 2002, Leder et al. 2003), so kann folgendes festgehalten werden: Der Saaterfolg hängt unter anderem vom Grad der Auflichtung des Bestandes (entscheidet über die auf den Waldboden gelangende Niederschlagsmenge und das Ausmaß der Konkurrenz um Wasser durch die Altbaumwurzeln), von der professionellen Vorbereitung und der möglichst kurzen Zeit zwischen Anlieferung und Ausbringen des Saatguts ab.

Nach einigen Jahren Versuchslaufzeit liegen auch Hinweise zur Beantwortung der zweiten und dritten der eingangs gestellten Fragen vor. Dazu werden im folgenden die Ergebnisse auf den beiden jeweils ca. 1,3 ha großen Versuchsflächen in Freising und Landshut vorgestellt. In beiden Beständen wurden die Buchen unter einem ungleichmäßig aufgelichteten Fichtenschirm (mittlerer Bestockungsgrad in Freising 0,96, mittlerer Bestockungsgrad in Landshut 0,72) ausgebracht. Im Abstand von 2x2 m wurden dort Buchen auf 0,5 m2 großen Plätzen gesät und gepflanzt (Sortimente 1/0 und 2/0). Fichtennaturverjüngung war zu Versuchsbeginn auf beiden Flächen bereits vorhanden.

Sprosslängenwachstum je nach Alter, gesäte Buchen, Fichten
Abb. 2: Mittleres Sprosslängenwachstum der gesäten Buchen und der größten zu Versuchsbeginn bereits vorhandenen Fichten in der bisherigen Abhängigkeit des Alters.

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Saat oder Pflanzung: Die Unterschiede sind gering

In Abb. 1 ist die Entwicklung der gesäten und gepflanzten Buchen in Abhängigkeit des Alters dargestellt. Dazu ist die mittlere Sprosslänge der jeweils kräftigsten Buche auf einem Saatplatz den mittleren Sprosslängen der beiden Pflanzsortimente gegenübergestellt. Wie sich zeigt, sind die Wuchsleistungen an beiden Versuchsstandorten bisher sehr ähnlich. Hinsichtlich der von den verschiedenen Kollektiven erreichten Sprosslängen fällt auf, dass das Sortiment 1/0 bislang die geringste Wuchsleistung aufweist. Statistisch gesehen ist der Unterschied zwischen den beiden Pflanzensortimenten signifikant. Im Gegensatz dazu lässt sich ein Unterschied im Wachstum zwischen den Buchen aus Saat und den beiden Pflanzensortimenten statistisch nicht absichern. Auch wenn keineswegs sichergestellt ist, dass die vorhandenen Unterschiede auch in Zukunft Bestand haben werden, so kann zum jetzigen Zeitpunkt doch festgestellt werden, dass die Saatbuchen dem Praxissortiment 2/0 im Höhenwachstum nicht nachstehen. Sie weisen dabei aber, bedingt durch die sie umgebenden Buchen auf dem Saatplatz, eine statistisch signifikant niedrigere Astzahl bzw. Astbiomasse auf.

Über die Ursache des bis jetzt schwächeren Wachstums der Pflanzen des Sortiments 1/0 kann nur spekuliert werden. Genetisch bedingte Unterschiede sind unwahrscheinlich, da dasselbe Saatgut sowohl zur Anzucht der Pflanzen im Jahr 1996 als auch im Jahr darauf zur Saat diente. Offenbar kamen sowohl die sorgfältig gepflanzten und kräftigen zweijährigen Individuen als auch die ungestört etablierten Buchen aus Saat mit der Konkurrenz des Altbestandes und der allerdings nur verinzelt vorhandenen Bodenvegetation (Brombeere) besser zurecht als die Individuen des Sortiments 1/0.

Buche contra Fichte

Verschiedentlich wird argumentiert, dass die Buchensaat insbesondere dann nicht sinnvoll sei, wenn die Gefahr besteht, dass die daraus hervorgehenden Buchen der Konkurrenz einer bereits etablierten Fichtennaturverjüngung ausgesetzt werden. Abb. 2 verdeutlicht jedoch, dass diese Befürchtungen bei einem ausreichend dichten Bestandesschirm unbegründet sind. So zeigt sich, dass inzwischen nicht nur die jeweils dominanten Buchen eines Saatplatzes, sondern sogar die schwächeren Individuen die größten Fichten in der Nachbarschaft meist überwachsen haben.

Wie effizient die Buchen bei der durch den Altbestand bedingten reduzierten Ressourcenverfügbarkeit den vorhandenen Raum besetzen und sich dadurch gegenüber den Fichten einen deutlichen Konkurrenzvorteil verschaffen, zeigt Abb. 3. Dabei ist zu beachten, dass das in Abb.3 dargestellte Kronenvolumen auf einer logarithmischen Skala aufgetragen ist. Nur so können die extremen Unterschiede zwischen den hier betrachteten Kollektiven graphisch noch dargestellt werden. Konkret bedeutet dies, dass das Kronenvolumen der dominanten Buchen im Jahr 2003 das der Fichten um das zehnfache übertrifft.

Kronenvolumen je nach Alter, gesäte Buchen, Fichten
Abb. 3: Mittleres Kronenvolumen der gesäten Buchen und der größten zu Versuchsbeginn bereits vorhandenen Fichten in der bisherigen Abhängigkeit des Alters.

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Buchensaat ist eine echte Alternative

Auch wenn eine abschließende Beurteilung auf der Grundlage der vorliegenden Arbeit noch nicht möglich ist, kann als bisheriges Fazit festgehalten werden: Hinsichtlich des Höhenwachstums entwickeln sich gesäte Buchen nicht schlechter als die praxisüblichen Pflanzsortimente. Saatbuchen haben darüber hinaus unter einem entsprechend dichten Altholzschirm keine Schwierigkeiten, sich gegenüber einer bereits etablierten Fichtennaturverjüngung durchzusetzen. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der ungestörten Wurzelentwicklung gesäter Buchen, ihrer frühzeitigen Qualifizierung durch innerartliche Konkurrenz, des fehlenden Einflusses möglicher Krankheitserreger aus der Zeit der Anzucht in der Baumschule sowie der größeren natürlichen Selektionsmöglichkeit im Laufe des Bestandeslebens spricht viel dafür, Buchensaaten beim Umbau von Fichtenreinbeständen künftig mehr Gewicht beizumessen.

Literatur

Ammer, C.; Mosandl, R.; El Kateb, H. (2002): Direct seeding of beech (Fagus sylvatica L.) beech in Norway spruce (Picea abies [L.] Karst.) stands - effects of canopy density and fine root biomass on seed germination. For. Ecol. Manage., 159, S. 59-72

Ammer, C.; Mosandl, R.; El Kateb, H.; Stölting, R. (2001): Die Entwicklung von Buchensaaten im Vergleich zu Pflanzungen. AFZ/Der Wald 56, S. 1208-1210

Leder, B.; Wagner, S.; Wollmerstädt, J.; Ammer, C. (2003): Bucheckern-Voraussaat unter Fichtenschirm - Ergebnisse eines Versuchs des Deutschen Verbandes Forstlicher Forschungsanstalten/ Sektion Waldbau. Forstwissenschaftliches Centralblatt 120, S. 160-174