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Artikel

Autor(en): Ernst Leitgeb
Redaktion: BFW, Österreich
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Verjüngungsökologische Probleme

Wurzelteller
Abbildung 1: Labiler Fichtenbestand auf Pseudogley
Rohhumusauflage
Abbildung 2: Rohhumusauflage mit Graswurzelfilz als ungünstiges Keimbett
Grasvegetation
Abbildung 3: Verdämmende Grasvegetation

Die im Vorfeld der Bestandesverjüngung ablaufenden ökologischen Prozesse im Waldboden sind von eminenter Bedeutung für den Verjüngungserfolg. Nährstoffkreislauf und Wasserhaushalt werden in hohem Maß durch forstliche Maßnahmen vor der eigentlichen Verjüngung beeinflusst.

Naturverjüngung

Die Naturverjüngung bietet dort Vorteile, wo Zusammensetzung und Qualität des Altbestandes dem gewünschten Bild des künftigen Bestandes entsprechen. Leider kann auch nach Auflichtung die gewünschte Naturverjüngung ausbleiben. Eine frühzeitige Vorverjüngung der Fichte auf labilen (vernässten) Standorten kann in späteren Bestandesphasen zu hoher Labilität führen (Abbildung 1). Hier ist es besser, der Verlockung zu widerstehen und eine Pflanzung standortstauglicherer Baumarten vorzunehmen.

Das Keimbett

Die Humusauflage spielt für die Keimung eine wichtige Rolle. Bei Moder und Rohhumusauflagen kann es zu Überhitzung kommen, die hydrophoben Eigenschaften können die Wasserversorgung ungünstig beeinflussen. Aber auch die chemischen Eigenschaften saurer Humusauflagen sind ungünstig für Verjüngung und Bodenleben. Durch gezielte Auflichtung des Altbestandes kann das Bodenleben begünstigt und damit die Mineralisierung der Humusauflage beschleunigt werden. Die darin gebundenen Nährstoffe kommen wieder in den Nährstoffkreislauf, die Humusform tendiert in Richtung Mull.

Rohhumusauflagen mit dichter Vegetationsbedeckung wie Drahtschmiele und Heidelbeere stellen auf Laubwaldstandorten oft ein beträchtliches Verjüngungshemmnis dar (Abbildung 2). Auf Nadelwaldstandorten in höheren Lagen kommt die Verjüngung eher mit diesen Bedingungen klar. Auf diesen Standorten spielt die Symbiose der Bäume mit Pilzen (Mykorrhiza) eine besonders wichtige Rolle. So kann bei der Aufforstung von landwirtschaftlichen Flächen die Beimpfung des Pflanzgutes mit Mykorrhizapilzen notwendig werden.

Der Verjüngungszeitraum

Wichtig ist eine ausreichende Fruktifikation des Altbestandes. Danach steht ein zeitlich eng begrenztes Fenster für die Etablierung der Verjüngung zur Verfügung. Wichtig ist vor allem das in der Konkurrenz zur krautigen Vegetation zur Verfügung stehende Wasser- und Nährstoffangebot. Der mögliche Lichtgenuss gewinnt erst etwas später an Bedeutung. Bei Fichte und leichtsamigen Baumarten beträgt das Zeitfenster etwa 2-3 Jahre, bei schwersamigeren Baumarten (Eiche, Buche) ist es etwas größer. Besonders auf zur Vergrasung neigenden Standorten ist nach Ablauf dieser Frist die Konkurrenz durch die Bodenvegetation für eine Naturverjüngung zu groß (Abbildung 3).

Mögliche Standortsvorbereitung

Mechanische Bodenverwundung kann das An- und Aufkommen der Naturverjüngung fördern. Hat sich bereits eine dominierende Bodenvegetation etabliert, ist eine Bodenverwundung nicht mehr zielführend und einer Pflanzung der Vorzug zu geben.

Vernässte Standorte

Um die Transpirationswirkung des Altbestandes nicht zu verlieren, sind hier flächige Nutzungen zu vermeiden. Nach flächigen Windwürfen können Pionierbaumarten wertvolle Dienste leisten (z.B. Birke, Aspe).

Verarmte, degradierte Standorte

Vielfach sind Waldböden durch frühere, über die Holzgewinnung hinausgehende Nutzungen wie Schneitelung und Streurechen an Nährstoffen und Basen verarmt. Der Anbau von Nadelbäumen auf Laub(misch)waldstandorten hat in ähnlicher Weise gewirkt. 

Für die Wiedereinbringung von Laubbäumen ist hier oft eine Standortsvorbereitung wie Lochpflanzung mit gleichzeitiger Kalkung notwendig. Je nach Ausgangslage kann auch eine zusätzliche Kulturdüngung ein Jahr nach der Pflanzung nötig sein.
Sehr anspruchsvolle Baumarten wie Bergahorn sind auf verarmten Standorten kritisch zu beurteilen. Pionierbaumarten wie Eberesche können jedoch gute Dienste leisten und den Nährstoffkreislauf durch die Erschließung auch tieferer Bodenhorizonte und ihre leicht abbaubare Streu ankurbeln.

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